Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Darstellungen von Behinderung in der Tagespresse

Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Magistra der Philosophie an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck; eingereicht bei Gast.-Prof. Dr. Kerstin Ziemen, September 2005



Autor/in:

Galehr, Christiane


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Innsbruck: Eigenverlag, 2005


Jahr:

2005



Link(s):


Link zu dem Beitrag (HTML)


Abstract:


Massenmedien durchdringen heute alle gesellschaftlichen Bereiche, sie sind zur Hauptquelle gesellschaftlicher Information geworden. Begriffe wie 'Medienzeitalter', 'Mediengesellschaft' oder 'Informationsgesellschaft' sind nur einige sprachliche Zeugen des medialen Einflusses auf die Gesellschaft. Menschen verfügen heute dank der Massenmedien über einen sehr hohen Informations- und Wissensstand. Massenmedial vermittelte Informationen sind aber Informationen aus zweiter Hand und bieten dem Rezipienten nur 'Sekundärerfahrungen' an, direkte Umwelterfahrungen werden dadurch in zunehmendem Maße ersetzt (vgl. Burkart 1995, 376).

Die Erfahrungslosigkeit medial angeeigneten Wissens stellt für den Kommunikationswissenschaftler Max Kaase (1986, 156) aber ein erhebliches Problemfeld dar. Es entsteht ein Vakuum zwischen medial transportierten Realitätsmodellen und realer Lebenswelt. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade tagesaktuelle Medien wie beispielsweise Tageszeitungen vereinfachende und verallgemeinernde Darstellungen bevorzugen, d.h., dass selten auf Prozesse und Entwicklungen eingegangen und großteils wenig Hintergrund information geliefert wird (Jäger/Jäger 1993, 53). In hohem Maß von Massenmedien gespeistes Alltagswissen ist so gesehen ein sehr reduziertes und leeres Wissen.

In Verbindung mit dem Themenbereich Behinderung bedeutet dies, dass sich Menschen heute vielfach Wissen über Behinderung und behinderte Menschen aneignen können und gleichzeitig die Distanz zu behinderten Menschen beibehalten können, was heißt, dass die transportierten Inhalte in diesem Fall auch nicht überprüft werden. Angesichts der hohen Komplexität des medialen Feldes, erscheint es mir unumgänglich, Massenmedien im Zusammenhang mit einflussreichen Strukturen von Markt, Produktion und Publikum darzustellen.

Die Darstellung eines Themenbereichs in Massenmedien spiegelt nämlich ideologische Überzeugungen der jeweiligen Journalisten, Gegebenheiten des Mediensystems, der Medieninstitution und des journalistischen Berufsfeldes und damit vernetzt auch öffentliche Meinung wieder (vgl. Bourdieu 1996). Überlegungen zu Medientheorien, Medienökonomie, Medienethik, Medienwirkung und zu medialen Wirklichkeitskonstruktionen ergänzen deshalb die vorliegende Untersuchung.

Das Phänomen Behinderung wird vornehmlich aus soziologischer Sicht beleuchtet. Dabei steht die soziale Konstruktion von Behinderung im Vordergrund. Die Verwendung der Begriffskonstellation 'Darstellung von Behinderung und behinderten Menschen' zielt darauf ab, neben dem Phänomen Behinderung, behinderte Menschen als Subjekt etwas in den Vordergrund zu rücken. Die begriffliche Verankerung dieser beiden Darstellungsweisen erscheint mir wichtig, da durch die Beschränkung auf die Darstellung von Behinderung der Eindruck entstehen könnte, behinderte Menschen auf ihre Behinderung zu reduzieren.

Ziel der Untersuchung ist es, die Berichterstattung zum Themenfeld 'Behinderung und behinderte Menschen' in den regionalen Tageszeitungen 'Vorarlberger Nachrichten' und 'Salzburger Nachrichten' und der überregionalen Tageszeitung 'Die Presse' zu analysieren. Mit Hilfe der Inhaltsanalyse soll aufgezeigt werden, inwiefern durch Darstellungen von Behinderung und behinderten Menschen in der Tagespresse diskriminiert und vorgefasste Meinungen bei den Rezipienten verfestigt werden. Häufigkeit und Umfang spezifischer Beiträge, Themenschwerpunkte, die Frage nach stereotypen Bildern von Behinderung und behinderten Menschen, nach diskriminierenden Aussagen und Formulierungen und nach umfassender, kritischer wie lebensnaher Information sollen Einsichten zum Umgang der Presse mit dem Themenkomplex Behinderung ermöglichen. Vordergründig wird festzustellen sein, ob 'Behinderung' in der Tagespresse eher vernachlässigt wird, inwieweit diskriminierend wirkende Darstellungen vorkommen, und ob Unterschiede bezüglich der Behandlung des Themas 'Behinderung' in verschiedenen Zeitungen, insbesondere regionaler und überregionaler, festzustellen sind.

Einen weiteren Kernaspekt bildet die Frage, ob behinderte Menschen in der Presse, die täglich auf der Suche nach Nichtalltäglichem, Besonderem und Ungewöhnlichem ist (vgl. Bourdieu 1998, 26), auf ihre Behinderung reduziert werden, was einer 'quotenorientierten medialen Instrumentalisierung' (Mürner 2003, 179) behinderter Menschen gleichkommt (vgl. Mürner 2003, 179). Inwieweit die Darstellungen von Behinderung und behinderten Menschen in der Tagespresse den diesbezüglichen Wünschen und Forderungen behinderter Menschen entsprechen, wird anhand bestehender Forderungskataloge des Psychologen Lothar Sandfort und der österreichischen Arbeitsgemeinschaft 'Behinderte Menschen und Medien' beleuchtet.

Auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse wird der Einfluss der behinderungsspezifischen Darstellungen auf die soziale Konstruktion von Behinderung diskutiert. Das Spannungsfeld zwischen Macht und Verantwortung des Journalisten (vgl. Bourdieu 1998, 26) und seine Begrenztheit im Mediensystem sind neben persönlichen Wahrnehmungen zu 'öffentlichen' Bildern von Behinderung und behinderten Menschen Grundlage der Motivation zur Auseinandersetzung mit den medial aufbereiteten Darstellungen der Wirklichkeit behinderter Menschen. Macht und Verantwortung des Journalisten wiegen schwer unter dem Aspekt, dass ideologische Überzeugungen des Journalisten, seine Wahrnehmung von der Welt und somit seine Beschreibung der Welt beeinflusst (vgl. Rothman, 1992, 144ff). Die Wahrnehmungsschleusen der Journalisten, die es zu durchbrechen gilt, wirken schon bei der Themenselektion. Pierre Bourdieu spricht in diesem Zusammenhang von erbarmungsloser Zensur (vgl. Bourdieu 1998, 67).

[Einleitung]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


k. A.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV2803


Informationsstand: 08.03.2006

in Literatur blättern