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Bibliographische Angaben zur Publikation

Mitarbeiter krank - was nun? Betriebliches Eingliederungsmanagement - Herausforderung für Unternehmen

Bericht zur DVfR-Fachtagung vom 14.05.04 in Berlin



Autor/in:

Wilmerstadt, Rainer; Backendorf, Achim; Diedenhofen, Hans [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter e.V. (DVfR)


Quelle:

Heidelberg: Eigenverlag, 2004


Jahr:

2004



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Link zur Tagungsdokumentation (HTML)


Abstract:


Die Tagung der DVfR befasste sich mit dem aktuellen Thema 'Betriebliches Eingliederungsmanagement', das gerade zum 1.5. 2004 im § 84 SGB IX neu geregelt wurde. Rund 270 Teilnehmer aus Unternehmen, Rehabilitationseinrichtungen und -diensten, von Rehabilitationsträgern, Behindertenverbänden und Gewerkschaften nahmen an der Tagung teil. Rund ein Drittel der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer kamen aus Betrieben (Personalverantwortliche, Schwerbehindertenvertrauensleute, Betriebsräte), um sich über Möglichkeiten und Nutzen von betrieblichen Präventionsmaßnahmen zu informieren.

Bereits bei einem Vorabendempfang im Kleisthaus, Berlin, dem Sitz des Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Karl Hermann Haack, wurde in kurzen Redebeiträgen des Bundesgesundheitsministeriums (BMGS), der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) und des Sozialverbands Deutschland (SoVD) kontrovers über Für und Wider des neuen Gesetzes gestritten. Einigkeit bestand jedoch darin, dass betriebliche Maßnahmen notwendig sind, um die Ausgrenzung von gesundheitlich beeinträchtigten Beschäftigten aus dem Arbeitsprozess zu verhindern.

Im Mittelpunkt der Fachtagung standen die Fragen:
- Was können Unternehmen tun, um Handlungsbedarf bei gesundheitlichen Störungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erkennen?
- Auf welche staatlichen Hilfen können sie zurückgreifen?
- Wie kann betriebliches EIngliederungsmanagement organisiert werden?

Zu den Referenten der Tagung gehörten Vertreter von Unternehmen, Sozialleistungsträgern und Gesundheitsdienstleistern, darunter METRO AG, Automobilhersteller Ford, das Bundesgesundheitsministerium, BDA, Berufsgenossenschaften, Kranken- und Rentenversicherungen, Schwerbehindertenvertrauensleute, Sozialverbände VdK und SoVD.

Die Vorträge gaben überzeugend einen Einblick darein, wie in den Unternehmen in Zusammenarbeit mit Gesundheits-/ Rehabilitationsdiensten und den betroffenen Mitarbeitern erfolgreiche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention organisiert werden können. Dabei wurde deutlich, dass betriebliches Eingliederungsmanagement nicht eine zusätzliche, die Unternehmen belastende Aufgabe ist, sondern dass ein solches Handeln sich zum Nutzen der Unternehmen, der betroffenen Mitarbeiter und der Sozialsysteme auszahlt. Entscheidend ist, dass im Betrieb Verantwortlichkeiten festgelegt, Maßnahmen rechtzeitig ergriffen und die Zusammenarbeit mit externen Partnern gut organisiert wird. So gelingt es in vielen Fällen, Arbeitslosigkeit von gesundheitlich beeinträchtigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vermeiden, das Fähigkeitspotenzial dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zu nutzen und die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Dies ist nicht nur solidarisch, sondern bringt auch wirtschaftlichen Erfolg für Unternehmen und Sozialversicherer.

In den nächsten Jahren muss es allerdings gelingen, diese beispielhaften Lösungen auf viele Unternehmen zu übertragen, vor allem auf Klein- und Mittelunternehmen, die wegen ihrer Strukturen auf die besondere Unterstützung durch externe Partnerinnen und Partner, wie Rehabilitationsträger, Betriebsärztinnen und -ärzte sowie und arbeitsmedizinische Dienste, Integrationsfachdienste und Integrationsämter angewiesen sind.

Als Ergebnis der Fachtagung wurde in 9 Thesen zusammengefasst, was zur breiten Umsetzung von betrieblichem Eingliederungsmanagement in Unternehmen und bei Sozialleistungspartnerinnen und -partnern zu leisten ist:

THESEN zum Handlungsbedarf und Umsetzungsmöglichkeiten für Unternehmen sowie Sozialleistungspartnerinnen und -partner beim betrieblichen Eingliederungsmanagement:
1. Betriebliches Eingliederungsmanagement umfasst risikogruppenbezogene, individuelle und vernetzte Maßnahmen der betrieblichen Prävention, Gesundheitsförderung und des Gesundheitsmanagements zur Minimierung arbeitsbezogener Gesundheitsrisiken und zur Erhaltung der Beschäftigungsfähigkeit für gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis hin zur (Re-)Integration von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderungen.

2. Frühzeitiges Handeln bei der Erkennung von gesundheitlichen Störungen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Einleitung betrieblicher präventiver und rehabilitativer Maßnahmen lohnt sich auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht (Reduzierung der Lohnfortzahlung, bessere Motivation und Leistungsbereitschaft).

3. Betriebliches Eingliederungsmanagement funktioniert in den Unternehmen, die entsprechende Strukturen oder Netzwerke mit klarer Verantwortlichkeit geschaffen haben und die sich an Zielparametern und -vorgaben orientieren: Gesundheitsmanagement als messbare unternehmerische Zielsetzung, zum Beispiel im Rahmen einer Gesamtbetriebsvereinbarung.

4. Das Engagement einzelner Verantwortlicher im Unternehmen, die gute Kommunikation zwischen betriebsinternen und -externen Partnerinnen und Partnern sowie die Einbeziehung und Motivation aller Beteiligten befördert funktionierende Strukturen der betrieblichen Gesundheitsförderung - von der Geschäftsführung und Personalleitung über das mittlere Management, Gruppenleiterinnen und -leiter sowie Meisterinnen und Meister, bis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Betroffenen selbst. Betriebsräte und Schwerbehindertenvertretungen können hier wirksame Unterstützung geben.

5. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und externen Diensten im Gesundheits- und Rehabilitationsbereich muss verbessert werden. Besonders Klein- und Mittelunternehmen bedürfen der besseren Unterstützung.

6. Die Rehabilitationsdienste der Sozialleistungsträger (Kranken-/Rentenversicherung, Berufsgenossenschaften) sowie weitere Institutionen beraten und unterstützen die Unternehmen zu allen Fragen der betrieblichen Prävention, Gesundheitsförderung und des Gesundheitsmanagements. Die regionalen Servicestellen der Rehabilitationsträger sollten Orientierungshilfen und Angebote für Unternehmen bereithalten, damit Serviceangebote wie aus einer Hand möglich sind. Unternehmen sollten solche Dienstleistungen dort oder direkt bei ihren Sozialleistungspartnerinnen und -partnern (Berufsgenossenschaften, Kranken-/Rentenversicherung) gezielt nachfragen.

7. Die Sozialversicherungsträger und Gesundheits-/Rehabilitationsdienste sind gefordert, aktiv auf Unternehmen zuzugehen und Lösungen bezogen auf die konkreten betrieblichen Probleme gemeinsam mit den betrieblichen Akteurinnen und Akteuren zu organisieren.

8. Die Integrationsfachdienste und -ämter stellen Hilfen für die Integration von behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereit, einschließlich technischer Hilfen für Arbeitsplatzanpassungen.

9. Auch die Hausärztinnen und -ärzte sowie Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner sind ein wichtiges Kettenglied bei der Früherkennung von beschäftigungsrelevanten Gesundheitsstörungen und sollten mehr als bisher die Arbeitsbedingungen und -anforderungen ihrer Patientinnen und Patienten hinterfragen und ggf. frühzeitig auf Maßnahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements orientieren.

Die DVfR ruft die Unternehmen, die Sozialleistungsträger und -dienste sowie auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie deren Vertretungen in den Unternehmen auf, VERANTWORTUNG und INITIATIVE dafür zu ergreifen, dass durch ein funktionierendes betriebliches Eingliederungsmanagement die vorzeitige Ausgrenzung von Menschen aus der Arbeitswelt verhindert wird.

[Aus: Information der Herausgeberin]

Aus dem Inhalt:

- MinDir R. Wilmerstadt, BMGS: 'Gesundheitsförderung - Prävention - Rehabilitation: Was können Unternehmen erwarten?'
- Dr. J. Pfister, Metro AG: 'Gesunde Mitarbeiter als Erfolgsfaktor - Herausforderung für Unternehmen'
- A. Bauer, Sozialverband Deutschland, SoVD: Statement
- Dr. E. Knülle, Ford AG: 'Eingliederungsmanagement im Unternehmen: Vernetzung von inner- und außerbetrieblichen Strukturen'
- H. Diedenhofen, BAG Betriebliche Schwerbehindertenvertretungen: 'Mitwirkung der betrieblichen Schwerbehindertenvertretung bei der Eingliederung ...'
- A. Backendorf, VdK: 'Runde Tische - mobile Servicestellen: Gesundheitsförderung bei der REAL SB-Warenhaus GmbH'
- K. Leuchter, IKK Schleswig-Holstein: 'Kurz' so gut wie 'Lang': Die 6-Tage-Handwerkerintensivkur'
- Dr. P. A. Vogelheim, Deutsche Telekom AG: 'Vorsorgegespräche bei der Deutschen Telekom AG'
- W. Ehrhardt, Institut für Reha-Management: 'Wiedereingliederung schädelhirnverletzter Unfallopfer in den Betrieb'
- R. Becker, GBK: 'Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit für Beschäftigungsfähigkeit mit gesundheitlichen Risiken'


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 167 SGB IX Prävention/Betriebliches Eingliederungsmanagement | REHADAT-Recht




Dokumentart:


Graue Literatur / Sammelwerk / Tagungsdokumentation / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Vereinigung für Rehabilitation e.V. (DVfR)
Homepage: https://www.dvfr.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV3276


Informationsstand: 13.12.2004

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