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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Entwicklung von Itembanken für den Bereich Funktionsfähigkeit im Alltag bei Rehabilitanden mit muskuloskeletalen Erkrankungen

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Wirtz, Markus; Müller, Evelyn; Böcker, Maren [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 70-71


Jahr:

2011



Abstract:


Einleitung:

Die Fähigkeit eines Patienten, Tätigkeiten des Alltags zu verrichten (Funktionsfähigkeit im Alltag), ist gemäß der ICF (WHO, 2001) als zentraler Gesundheitsaspekt insbesondere bei chronisch kranken Patienten zu berücksichtigen. Diese Fähigkeiten stellen eine wichtige Voraussetzung der 'Partizipation' des Patienten dar (Heinemann, 2005).

Zur Erfassung der 'Funktionsfähigkeit im Alltag' existieren inzwischen eine Vielzahl von Skalen (Bengel et al., 2008), die jedoch häufig für nur einen eingeschränkten Merkmalsbereich erfassen, was Einschränkungen der Validität und der Reliabilität zur Folge hat. Ziel des vorgestellten Forschungsprojektes ist es, für Patienten in der orthopädischen Rehabilitation Itembanken zur Erfassung der Funktionsfähigkeit des Alltags zu entwickeln.

Dabei soll
(a) eine empirische Untersuchung des Konstruktbereiches in Bezug auf die Modellvorstellung der ICF erfolgen und
(b) eine empirisch validierte Basis an homogenen Itemgruppen (Itembanken) für verschiedene diagnostische Anwendungen zur Verfügung gestellt werden.

Methoden:

Ausgehend von etablierten Messinstrumenten, Expertenbefragungen und Patientenbefragungen sowie
den Definitionen der ICF wurde eine Itembank erarbeitet, die ein breites Spektrum der Einschränkungen im Bereich der 'Funktionsfähigkeit im Alltag' erfasst (178 Items, Domänen Mobilität, Selbstversorgung und Häusliches Leben). Die Items wurden einer Stichprobe von n gleich 871 (vollständige Beantwortung oder Testheftdesign) orthopädischen Rehabilitationspatienten vorgelegt.

Zunächst wurde mittels einer Faktorenanalyse für ordinale Daten (Analyseprogramm: MPlus, Promax-Rotation) die dimensionale Struktur des Itempools exploratorisch analysiert. Anschließend wurde für die Hauptdimension 'Funktionsfähigkeit im Alltag' mittels des ordinalen Rasch-Modells (Analyseprogramm: RUMM2020) an einer Substichprobe von n gleich 500 Patienten eine Rasch-homogene Itembank entwickelt.

Ergebnisse:

Die Faktorenanalyse ergab eine dreifaktorielle Lösung: Nach dem Kriterium maximaler Faktorladungen sind 71 Items dem Konstrukt 'Funktionsfähigkeit im Alltag', 53 Items dem Konstrukt 'Funktionsfähigkeit der oberen Extremitäten' und 55 Items dem Konstrukt 'Funktionsfähigkeit der unteren Extremitäten' zugeordnet. Für die Dimension 'Funktionsfähigkeit im Alltag' wurde eine Itembank entwickelt, die den Kriterien des Rasch-Models genügt (Belvedere, Morton, 2010; Mills et al., 2009).

Zunächst wurden Items mit hohem Item-Misfit (positives Fit-Residual größer als 3,5) eliminiert. Anschließend wurden itemspezifisch ungeordnete Kategorienschwelle für das fünfstufige Ratingformat identifiziert, sodass für alle Items nach einzelnen Kategorienfusionierungen ein gültiges ordinales Antwortformat vorlag.

Anschließend wurden
(a) Items mit substantieller Residualkorrelation (r größer als 0,3),
(b) Items mit Differential Item Functioning (in Bezug auf Alter, Geschlecht, Indikation oder
(c) Items mit extremen Schwierigkeiten vorläufig aus der Analyse ausgeschlossen, um eine geeignete Itemgruppe für die Ankerung der Itembank zu erstellen.

Die verbleibende Anker-Itemgruppe (n gleich 7) erfüllte alle Kriterien für strikt eindimensionale Skalen:
(1) keine signifikanten Abweichungen der empirischen Daten von den Vorhersagen des Gesamtmodells (Gesamtmodellfit), indiziert durch p(Chi2) größer als .05,
(2) Itemfit, indiziert durch Fit-Residuen -2,5 größer als RR größer als 2,5 und p(Chi2) größer als .05 (nach Bonferroni-Korrektur),
(3) strikte Eindimensionalität überprüft mittels des Smith-Tests.

Die in den vorangegangenen Schritten eliminierten Items wurden an dieser Ankerbasis blockspezifisch auf Modellkompatibilität getestet und kalibriert. Als Ergebnis konnte eine Itembank mit 32 Items identifiziert werden, die die Basis für eine Rasch-basierte Erfassung des gesamten Beeinträchtigungsspektrums im Bereich 'Funktionsfähigkeit im Alltag' ermöglicht.

Diskussion und Schlussfolgerungen:

Die entwickelte Itembank von n gleich 32 Items kann als Basis für die flexible Definition und Anwendung von Itemgruppen in der Diagnostik und Evaluation der 'Funktionsfähigkeit im Alltag' verwendet werden. Da die Eindimensionalität der Itembank geprüft wurde, ist trotz Verwendung unterschiedlicher Items (zum Beispiel leichte Items für gering belastete Patienten, schwere Items für stark belastete Patienten) die Vergleichbarkeit der diagnostischen Befunde sichergestellt.

Dies stellt insbesondere die Voraussetzung für adaptive Testprozeduren dar, bei der Items vorgelegt werden, die optimal auf den Beeinträchtigungsgrad der Patienten abgestimmt sind. Die Verwendung der Itembank als Basis für die computergestützte adaptive Assessmentprozedur RehaCAT wird derzeit geprüft.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV336604


Informationsstand: 29.03.2011

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