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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Integrierte medizinisch-berufliche Rehabilitation unter Einbindung des realen Arbeitsplatzes: Erste katamnestische Daten

Poster auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Kulke, Hartwig; Schupp, Wilfried


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 218-220


Jahr:

2011



Abstract:


Das Verfahren:

Die Fachklinik Herzogenaurach führt seit drei Jahren ein eigenständig konzipiertes medizinisch-berufliches Rehabilitationsverfahren bei RehabilitandInnen mit besonderen beruflichen Problemlagen (Müller-Fahrnow, Radoschewski, 2009) durch (Kulke et al., 2006), das sich durch folgende Charakteristika auszeichnet:
- Durchführung in Vernetzung mit Berufsförderungswerk Nürnberg als beruflichem Trainingspartner und mit dem Arbeitgeber des Rehabilitanden als Alternative zu herkömmlichen Phase-II-Modellen (Spranger et al., 2007)
- Ganztägig ambulanter Behandlungsmodus
- Kompaktes, auf 12 Wochen konzipiertes Verfahren, das die stufenweise Anpassung ans Zielvolumen der Beschäftigung mit einschließt.

Zielgruppe:

Die Konzeption beschränkt den Teilnehmerkreis auf RehabilitandInnen, die auf ein bestehendes Arbeitsverhältnis zurückgreifen können, deren Arbeitsplatz im Einzugsbereich unserer ganztägig ambulanten Rehabilitation liegt und deren Arbeitgeber bereit sind, im Verfahren zu kooperieren.

Dafür erreichen wir folgende Vorteile:
- Einbeziehung des gesamten Sozialraumes (Familie und Betrieb) in den medizinisch-beruflichen Rehabilitationsprozess,
- Optimale Fachkompetenz in der Durchführung durch Vernetzung zwischen Rehabilitationsklinik, Berufsförderungswerk und Betrieb,
- Berufsbezogenes Training am realen Arbeitsplatz statt realitätsferner Simulationen,
- Möglichkeit der Beratung des Betriebes hinsichtlich optimaler Arbeitsplatz-Anpassung,
- Therapeutische Begleitung der RehabilitandInnen in den Arbeitsprozess hinein.

Auswertung und Katamnese:

Eine erste Auswertung, die eine katamnestische Befragung einschloss, wurde auf der Basis von 13 TeilnehmerInnen vorgenommen. Gut zwei Drittel der RehabilitandInnen nahmen zu Lasten der Rentenversicherung am Verfahren teil, die übrigen TeilnehmerInnen kamen von der Unfallversicherung. Zwei Drittel der TeilnehmerInnen waren männlichen Geschlechts. Der Altersschnitt betrug 43,4 Jahre mit einem Range von 18 bis 56 Jahren. Bei einem knappen Viertel handelte es sich um gewerbliche Arbeitnehmer, die übrigen waren Angestellte, davon immerhin die Hälfte aus akademischen Berufen.

Die Dauer der Maßnahme betrug im Schnitt 13 Wochen (Range 7 bis 25 Wochen). Bei der Hälfte der TeilnehmerInnen war Vollschichtigkeit nicht erreichbar, in diesen Fällen wurde der Arbeitsvertrag angepasst und eine Kompensation durch eine Teilrente erreicht. In wenigen Fällen konnte die Maßnahme nicht abgeschlossen werden (Dropout), teils wegen interkurrenter, nicht vorhersehbarer Erkrankungen, in einem Fall wegen einer absehbar nicht erreichbaren Wiedereingliederung aufgrund der neuropsychologischen Defizite.

Bis auf einen Einzelfall waren alle Maßnahmen erfolgreich, und zwar mit sehr guter Langzeitstabilität. Der Arbeitsplatz konnte erhalten werden, die RehabilitandInnen arbeiteten ausnahmslos auch noch nach bis zu drei Jahren im vorgeschlagenen Volumen am definierten Arbeitsplatz. Alle kommen nach eigenen Angaben mit ihrer Arbeit zurecht und benötigen nur in geringem Maße Unterstützung von KollegInnen.

Auswirkungen auf die private Lebensführung:
Dass das nach dem Verfahren festgelegte tägliche Arbeitszeitvolumen nicht zu 'großzügig' bemessen ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Aktivitäten im Freizeitbereich überwiegend reduziert werden mussten, Urlaube eher ruhiger verbracht werden als früher und anstrengendere Freizeitbeschäftigungen wie Lesen eher zurückgegangen sind zugunsten passiverer Varianten wie Fernsehen und Musik hören.

Einbindung des Arbeitgebers:
Besonders positiv bewertet wird in den Katamnesen die Einbindung des Arbeitgebers, der auf diese Weise eine fachlich kompetent begleitete Arbeitsplatzanpassung vornehmen kann und hinsichtlich behinderungsbedingter Erfordernisse Beratung bekommen kann. Bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Betrieb ist vorsichtiges Interesse die Regel; in allen Fällen gelang es bereits im Erstgespräch, Bedenken hinsichtlich möglicher Störungen des Betriebsablaufs oder betriebsfremder Anforderungen zu zerstreuen und Vorgesetzte, Personalfachleute, Betriebsärzte und Betriebsräte als konstruktive Kooperationspartner zu gewinnen.

Lediglich in einem Fall zeigte sich ein Arbeitgeber ausschließlich daran interessiert, die kostenlose, durch die Unfallversicherung finanzierte Mitarbeit des Rehabilitanden 'mitzunehmen', ohne das Arbeitsverhältnis danach fortzusetzen. Die Supervision der RehabilitandInnen an ihrem realen Arbeitsplatz, die Unterstützung bei der Lösung von Problemen, die nicht vorhersehbar waren, auch durch weitere therapeutische Interventionen parallel zum Eingliederungsprozess sowie die offene Stärken- und Schwächen-Analyse am runden Tisch mit RehabilitandInnen und Vorgesetzten hat sicherlich entscheidend zum guten Erfolg der Maßnahme beigetragen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV336630


Informationsstand: 29.03.2011

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