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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Positiver und negativer Rehaverlauf: Welche Faktoren sind verantwortlich für einen Maßnahmeabbruch?

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Arling, Viktoria; Schellmann, Christina; Spijkers, Wilhelmus


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 230-232


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

Berufliche Rehabilitation setzt sich zum Ziel, Erwerbsunfähigkeit zu vermeiden, zu überwinden oder zu mildern sowie die dauerhafte 'Sicherung einer den Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Teilhabe am Arbeitsleben' zu gewährleisten (SGB IX: Allgemeine Regelungen Paragraph 4). Folglich ist es notwendig, teilnehmerspezifische Faktoren für eine erfolgreiche Rehabilitation zu kennen.

Letzteres betrifft jedoch nicht nur die Auswahl der in Frage kommenden Klientel für eine rehabilitative Maßnahme, sondern auch die Identifikation ggf. notwendiger individueller Förderung des Einzelnen im Verlauf einer Reha-Maßnahme um einen erfolgreichen Reha-Verlauf zu gewährleisten beziehungsweise um gegebenenfalls drohende Abbrüche frühzeitig zu erkennen beziehungsweise zu vermeiden. In der Literatur werden aktuell verschiedene Faktoren kontrovers diskutiert, die den Rehaverlauf von Rehabilitanden maßgeblich beeinflussen (zum Beispiel Schulze, 2003; Pfeiffer, 2000; Mört, 1998). In diesem Sinne wurde mit der vorliegenden Studie untersucht, inwiefern sich Kriterien für den Abbruch einer Umschulungsmaßnahme identifizieren lassen. Besondere Berücksichtigung finden Motivationsaspekte und Persönlichkeitsvariablen.

Methode:

Im Frühjahr 2010 wurde bei n gleich 101 Rehabilitanden im Berufsförderungswerk Michaelshoven ein Jahr vor Ende der Umschulungsmaßnahme erhoben, wer die Maßnahme abgebrochen hat beziehungsweise inwiefern 'Abbrecher' (Abbruch oder Unterbrechung; n gleich 18) sich von erfolgreichen Teilnehmern (noch in Maßnahme oder Maßnahme regulär beendet; n gleich 83) unterscheiden. Berücksichtigung fanden demographische Daten und Ergebnisse aus dem Reha-Assessment (kognitive Tests, Arbeitsleistung und Arbeitsverhalten). Zusätzlich wurden die Teilnehmer daraufhin untersucht, ob sie sich bzgl. spezifischer Motivationsaspekte (Leistungsmotivationsinventar von Schuler, Prochaska, 2001) beziehungsweise Persönlichkeitsvariablen unterscheiden (NEO-FFI von Borkenau, Ostendorf, 1993). Ergänzend wurden die Daten in Bezug auf die Reintegrationsprognose, welche mit Abschluss des Reha-Assessments formuliert wird, analysiert.

Ergebnisse:

Demografische Daten wie Alter und Geschlecht nehmen keinen Einfluss auf den Verlauf der Reha-Maßnahme. Psychisch erkrankte Teilnehmer erhalten hingegen eine signifikant schlechtere Prognose (?2 gleich 26.66; df gleich 7, p kleiner als 0.01), brechen aber nicht signifikant häufiger ab. Für die kognitiven Testverfahren und die Bewertung der Arbeitsleistung im Reha-Assessment bilden sich keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen den Gruppen ab.

Die Gesamtbewertung des Arbeitsverhaltens fällt für die 'Abbrecher' (tendenziell) schwächer aus (U gleich 591.5; p gleich 0.17). Das gilt für die Aspekte Instruktionsverständnis (U gleich 593.0; p gleich 0.14) und Arbeitstempo (U gleich 603.0; p gleich 0.18) und insbesondere hinsichtlich Lernfähigkeit (U gleich 536.0; p gleich 0.04) und Bewertung der Sorgfalt (U gleich 537.5; p gleich 0.04). Für die Leistungsmotivation berechnen sich hinsichtlich der Aspekte Kompensatorische Anstrengung (t[99] gleich minus 2.25, p gleich 0.03) und Selbstkontrolle (t[99] gleich minus 1.99, p kleiner gleich 0.05) Unterschiede dahingehend, als dass sich die 'Abbrecher' signifikant schwächer einschätzen. Hinsichtlich der erfassten Persönlichkeitsaspekte (NEO-FFI) berechnet sich für die Skala Neurotizismus eine tendenziellen Differenz zwischen den Gruppen dahingehend, dass sich 'Abbrecher' etwas negativer einschätzen (t[99] gleich 1.45, p gleich 0.15).

Hinsichtlich der Skala Verträglichkeit schätzen sich die 'Abbrecher' tendenziell weniger verträglich ein (t[99] gleich minus 1.77, p gleich 0.08). Keine signifikanten Differenzen zwischen den Gruppen konnten bzgl. Hardiness (Stressresistenzmaß) und Beruflicher Selbstwirksamkeit festgestellt werden. Deskriptiv zeichnen sich allerdings Tendenzen zugunsten der Nicht-Abbrecher ab. Insgesamt wurde für 'Abbrecher' eine signifikant schlechtere Reintegrationsprognose ausgesprochen (?2 gleich 5.6; p gleich 0.06).

Diskussion und Ausblick:

Die Ergebnisse weisen daraufhin, dass eine zusätzliche Erfassung von Motivations- beziehungsweise Persönlichkeitsaspekten eine sinnvolle Ergänzung zur aktuellen Diagnostik während des Reha-Assessments darstellt. Auf diese Weise könnten gegebenenfalls drohende Abbrüche früher erkannt bzw. auf spezifische Förderbedarfe gezielter eingegangen. Darüber hinaus hat sich die Reintegrationsprognose bzgl. eines Maßnahmeabbruchs als weitgehend valide erwiesen. Die im Rahmen der vorliegenden Untersuchung untersuchte Stichprobe wird Anfang 2011 die Umschulungsmaßnahme abschließen. Die vorliegende Analyse wird dann um entsprechende Ergebnisse zum Reintegrationsstatus ergänzt werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV336635


Informationsstand: 29.03.2011

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