Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern - Betsi: Erste Ergebnisse aus den Modellprojekten

Vortrag auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Kittel, Jörg; Fröhlich, Stephanie; Kruse, N. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 247-248


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

Seit 2009 kann die gesetzliche Rentenversicherung präventiv ausgerichtete Leistungen zur Sicherung der Erwerbsfähigkeit sowohl stationär als auch ambulant erbringen (§ 31 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 SGB VI). Zur Umsetzung dieser Leistungen wurde ein gemeinsames Rahmenkonzept der Deutschen Rentenversicherungen Bund, Westfalen und Baden-Württemberg unter dem Titel 'Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern (Betsi)' erstellt. Das Angebot richtet sich gezielt an Mitarbeiter interessierter Betriebe, die bei der Deutschen Rentenversicherung aktiv versichert sind und bei denen aus gesundheitlichen Gründen ein Bedarf für entsprechende, frühzeitig einsetzende Leistungen zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit besteht. Diese Maßnahmen sollen unter anderem Interventionen der medizinischen Rehabilitation enthalten und dem ganzheitlichen Ansatz der Rehabilitation entsprechen. Mit diesen Leistungen soll bei bestimmten Personengruppen, die speziellen sozialen, beruflichen oder familiären Belastungssituationen ausgesetzt sind, verhindert werden, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Rehabilitationsbedarf führt. Somit könnten präventiv ausgerichtete Leistungen der Rentenversicherung eine geeignete Intervention vor Eintritt eines konkreten Reha-Bedarfs nach § 10 SGB VI sein.

Methodik:

Zur Überprüfung der Durchführbarkeit und Effektivität von präventiven Leistungen nach dem Betsi-Konzept finden derzeit an den folgenden vier Standorten Modellprojekte statt: Klinik Münsterland in Bad Rothenfelde, Klinik Königsfeld in Ennepetal, Reha-Zentrum Bad Salzuflen und Rehaklinik Überruh. Die Auswahl geeigneter Teilnehmer erfolgt in der Regel in den kooperierenden Betrieben durch die betriebsärztlichen Dienste. Die Leistungen werden größtenteils berufsbegleitend über einen Zeitraum von 8-12 Wochen erbracht. Zu Beginn (T1) und zum Ende der Betsi-Maßnahme (T2) und zu 3 Follow-up Messzeitpunkten im Abstand von jeweils 3 Monaten (T3-T5) erfolgen Fragebogenerhebungen. Die Auswertung der Daten erfolgt durch das Institut für Rehabilitationsforschung, Norderney.

Ergebnisse:

Bis Oktober 2010 konnten insgesamt 206 Teilnehmer für die Evaluation rekrutiert werden, die in 18 geschlossenen Gruppen trainiert und geschult wurden. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 46,5 Jahren. 47,5 Prozent der Teilnehmer war weiblichen Geschlechts. Als Hauptbeschwerden wurden von den Teilnehmern Rücken- und Gelenkschmerzen, Stress, Erschöpfung, Übergewicht und Hypertonie genannt. 26,3 Prozent der Teilnehmer weisen nach der SPE-Skala eine ungünstige subjektive Prognose der Erwerbstätigkeit auf. Dieser Anteil entspricht dem einer Vergleichsstichprobe von 4.279 Rentenversicherten (27,0 Prozent). Die Prognose ist jedoch deutlich günstiger als die einer Vergleichspopulation von 3.158 kardiologischen Rehabilitanden, die in 43,8 Prozent der Fälle zu Beginn der Rehabilitation eine ungünstige Prognose der Erwerbstätigkeit aufweisen. Es zeigen sich Unterschiede zwischen den Teilnehmern der unterschiedlichen Modellprojekte. So variiert beispielsweise der Anteil übergewichtiger Teilnehmer zwischen 19,4 Prozent in einer Klinik und 77,6 Prozent in einer anderen Klinik. Auch der Anteil der Patienten, die angeben, stark unter Stress und Hektik zu leiden schwankt zwischen 13,9 Prozent und 37,3 Prozent der Teilnehmer. Während der 8- beziehungsweise 12-wöchigen Trainingsphase verbesserte sich die subjektive Prognose der Erwerbstätigkeit signifikant. Zu diesem Zeitpunkt schätzen 85,1 Prozent der Teilnehmer ihre berufliche Prognose als unproblematisch ein. Auch der mit der visuellen Analogskala des EuroQol gemessene Gesundheitszustand, das Bewegungsverhalten und die mit dem IRESFragebogen erfassten Risikofaktoren verbesserten sich von T1 zu T2 signifikant und es liegen Hinweise vor, dass diese Veränderungen auch ein halbes Jahr nach dem Beginn der Betsi-Maßnahme stabil bleiben.

Zusammenfassung:

Die angebotenen präventiven Leistungen nach dem Betsi-Konzept stießen bei Geschäftsführern, Personalleitern, Betriebsärzten und Betriebsräten vieler Unternehmen auf großes Interesse. Allerdings nehmen bisher nur wenige Versicherte dieses Angebot in Anspruch. Es gibt Unterschiede zwischen den Teilnehmern der unterschiedlichen Modellprojekte. Bei allen Modellprojekten zeigen sich positive Effekte der Maßnahme hinsichtlich der Reduktion von Risikofaktoren, der Steigerung des Gesundheitszustandes und der Verbesserung der Prognose der Erwerbstätigkeit.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung'
Projekt BETSI: Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV336642


Informationsstand: 29.03.2011

in Literatur blättern