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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Gerechtigkeit in Unternehmen, Arbeitsfähigkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität

Poster auf dem Zwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 14. bis 16. März 2011 in Bochum



Sammelwerk / Reihe:

Nachhaltigkeit durch Vernetzung


Autor/in:

Bethge, Matthias; Radoschewski, Friedrich Michael


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2011, Seite 255-256


Jahr:

2011



Abstract:


Hintergrund:

Um effektives betriebliches Gesundheitsmanagement zu gestalten und nachhaltige Rehabilitationsstrategien zu entwickeln, sind Kenntnisse darüber wichtig, wie Faktoren der Unternehmenskultur auf Arbeitsfähigkeit und Gesundheit wirken. Neben der Bedeutung von Verteilungsgerechtigkeit und einem Gleichgewicht von Verausgabung und Belohnung (Bethge, Radoschewski, 2010) wird in diesem Kontext auch die Bedeutung von prozeduraler und interpersonaler Gerechtigkeit diskutiert (Kivimaki et al., 2007; Moorman, 1991). Prozedurale Gerechtigkeit (PG) ist gegeben, wenn innerhalb eines Unternehmens für alle Beschäftigten gleichermaßen formale Verfahren und Richtlinien existieren, die konsistente und transparente Entscheidungen garantieren. Interpersonale Gerechtigkeit (IG) hingegen beschreibt, inwiefern Beschäftigte durch ihre Vorgesetzten respektvoll und fair behandelt werden. Bislang gibt es jedoch keine Studien, die die Bedeutung von prozeduraler und interpersonaler Gerechtigkeit für die Arbeitsfähigkeit von abhängig Beschäftigten untersucht haben. Unklar ist auch, ob prozedurale und interpersonale Gerechtigkeit bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Verhältnisses von Verausgabung und Belohnung zusätzliche Varianz der Arbeitsfähigkeit erklären und eigenständige Stressoren darstellen.

Methoden:

Die Daten wurden im Rahmen des zweiten Sozialmedizinischen Panels für Erwerbspersonen (SPE-II-EMR) erhoben. Zur Erfassung prozeduraler und interpersonaler Gerechtigkeit wurden die von Elovainio et al. (2002) vorgestellten Skalen übersetzt. Arbeitsfähigkeit wurde mit dem Work Ability Index (WAI) erhoben (Ilmarinen, 2009), gesundheitsbezogene Lebensqualität mit den SF-36-Skalen zum Psychischen Wohlbefinden und der Allgemeinen Gesundheitswahrnehmung. Die Zusammenhänge wurden mit allgemeinen linearen Modellen überprüft. Intervallskalierte Variablen wurden vorab z-standardisiert. Als Kovariaten wurden Alter, Geschlecht (Modell 1), sozioökonomische Situation, soziale Inklusion, Gesundheitsverhalten und berufliche körperliche Beanspruchung (Modell 2) sowie das Verhältnis von Verausgabung und Belohnung (Modell 3) kontrolliert. Neben Haupteffekten wurden auch Wechselwirkungen der Gerechtigkeitsskalen überprüft (Modell 4).

Ergebnisse:

Für die aktuelle Erhebungswelle wurden 2.301 Personen angeschrieben (Rücklauf: 71,1 Prozent; n gleich 1.636). Für die untersuchten Zusammenhänge wurden Angestellte mit mindestens halbtägigem Beschäftigungsumfang eingeschlossen (n gleich 1.068; mittleres Alter: 50,8 Jahre; 46,2 Prozent Frauen). Das Niveau der Arbeitsfähigkeit war gut bis sehr gut (über oder gleich 37 Punkte) für 68,4 Prozent und schlecht bis mittelmäßig (unter 37 Punkte) für 31,6 Prozent der Befragten. Faktorenanalytisch bestätigten sich für die 11 übersetzten Items zur prozeduralen und interpersonalen Gerechtigkeit die antizipierten Faktoren (Kumulierte Varianz: 72,9 Prozent). Die interne Konsistenz der Gerechtigkeitsskalen war mit Cronbachs ? gleich 0,93 jeweils ausgezeichnet. In den multivariaten Analysen gingen höhere prozedurale und interpersonale Gerechtigkeit mit einer günstigeren Arbeitsfähigkeit einher (Modell 1: PG: b gleich 1,298; 95 Prozent KI: 0,774 bis 1,821; IG: b gleich 1,954; 95 Prozent KI: 1,430 bis 2,478; R2 gleich 0,214; Modell 2: PG: b gleich 1,116; 95 Prozent KI: 0,637 bis 1,594; IG: b gleich 1,289; 95 Prozent KI: 0,805 bis 1,773; R2 gleich 0,361). Dies galt auch bei zusätzlicher Berücksichtigung des Verhältnisses von Verausgabung und Belohnung (Modell 3: PG: b gleich 0,825; 95 Prozent KI: 0,368 bis 1,282; IG: b gleich 0,750; 95 Prozent KI: 0,280 bis 1,220; R2 gleich 0,424). Darüber hinaus interagierten prozedurale und interpersonale Gerechtigkeit in ihrer Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Modell 4: PQ mal IG: b gleich 0,358; 95 Prozent KI: 0,009 bis 0,706). Prozedurale Gerechtigkeit war zudem mit höherem psychischen Wohlbefinden und einer besseren allgemeinen Gesundheitswahrnehmung assoziiert.

Diskussion:

Die Ergebnisse weisen auf Zusammenhänge von Unternehmenskultur und individueller Arbeitsfähigkeit hin und deuten an, dass prozedurale und interpersonale Gerechtigkeit in ihrer Wirkung eigenständige Stressoren darstellen. Zwar bedarf dieser Querschnittsbefund der Ergänzung durch prospektive Studien, er legt jedoch nahe, dass Rehabilitation als gesamtgesellschaftliche Aufgabe neben individuumsbezogenen Strategien zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auch unternehmensbezogene Angebote umfassen sollte, die auf transparente Entscheidungsprozesse und verbesserte Mitarbeiterführung zielen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Nachhaltigkeit durch Vernetzung' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV336646


Informationsstand: 29.03.2011

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