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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Integrationsvereinbarungen: Zeit für ein erstes Fazit und Perspektiven

Dokumentation der Tagung des Kooperationsprojektes Teilhabe behinderter Menschen und betriebliche Praxis, 9. September 2004, Hessischer Rundfunk, Frankfurt am Main



Sammelwerk / Reihe:

Schriften des iso-Instituts: Forschungsschwerpunkt Arbeitswelt und Gesundheit


Autor/in:

Ritz, Hans-Günther; Fankhaenel, Karin; Weber, Kerstin [u. a.]


Herausgeber/in:

Industriegewerkschaft Metall (IG Metall); Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (ISO)


Quelle:

Frankfurt am Main: Eigenverlag, 2004, 56 Seiten, ISBN: 3-935084-14-5


Jahr:

2004



Abstract:


Integrationsvereinbarungen - Zeit für ein erstes Fazit und Perspektiven, so lautete der Titel der Veranstaltung, die am 9. September 2004 im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main stattgefunden hat. Diese erste Tagung des aus Mitteln der Ausgleichsabgabe geförderten Projekts 'Teilhabe behinderter Menschen und betriebliche Praxis', gemeinsam durchgeführt von IG Metall, ver.di und ISO-Institut, richtete sich vor allem an betriebliche Interessenvertretungen behinderter Menschen. Im Austausch mit Fachleuten sollten die Möglichkeiten und Grenzen von Integrationsvereinbarungen aufgezeigt und diskutiert werden.

Die Grundlage für die Diskussionen der Tagung lieferte eine Zusammenstellung aus Referaten und Beiträgen, die theoretische Einsichten, empirische Fakten und praxisbezogene Hilfestellungen anboten.

Die Themenschwerpunkte zwischen Theorie und Praxis skizzieren den inhaltlichen Spannungsbogen der Tagung und der Dokumentation:
- Anspruch und rechtspolitische Bewertung von Integrationsvereinbarungen
- Erste Erfahrungen und Umsetzungsstand mit Integrationsvereinbarungen
- Umsetzung anhand von Beispielen aus der betrieblichen Praxis
- Neuregelungen in den §§ 83 und 84 SGB IX und Perspektiven für ein betriebliches Eingliederungsmanagement
Vor diesem Hintergrund fand im weiteren Verlauf der Tagung eine vertiefende Auseinandersetzung in drei Arbeitsgruppen statt, deren Ergebnisse ebenfalls in dem Band dokumentiert werden.

Nach drei Jahren Praxis der Integrationsvereinbarung und aus den Diskussionen der Tagung lassen sich mehrere allgemeine Schlussfolgerungen ziehen:

1. Integrationsvereinbarungen haben sich bisher überwiegend in Großbetrieben, aber kaum in kleineren und mittelständischen Unternehmen durchgesetzt.
2. Die mangelnde rechtliche Erzwingbarkeit des Abschlusses von Integrationsvereinbarungen stellt in der Praxis ein Problem dar.
3. Für eine realistische Zielbestimmung und Umsetzung der Vereinbarung sollte eine betriebliche Analyse des Integrations- und Rehabilitationsbedarfs vorgenommen werden.
4. Wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Verhandlung und Umsetzung der Integrationsvereinbarung ist die enge Zusammenarbeit innerhalb der betrieblichen Interessenvertretung.
5. Die eigentliche Arbeit beginnt vielfach erst nach Abschluss der Vereinbarung. Die Umsetzung der Regelungen gestaltet sich dann einfacher, wenn gleichzeitig mit der Vereinbarung 'flankierende Absprachen' getroffen werden (d.h. Zuständigkeiten geklärt, Zielvereinbarungen benannt und Umsetzungsstrategien geplant werden) und realistische Vorstellungen die Verhandlungsführung bestimmen.
6. Die wirtschaftliche Gesamtsituation bildet schließlich ein grundlegendes Problem, wenn es um die Festlegung von Regelungen zu Schutz und Förderung behinderter Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen geht.

In der Summe muss daher das Profil von Integrationsvereinbarungen geschärft werden.

Neben der Darstellung der Regelungsgegenstände und ihrer Inhalte sind in erster Linie Handlungs- beziehungsweise Umsetzungsstrategien gefragt. Hierzu ist eine angemessene Bedarfsanalyse unerlässlich. Denn sie bildet die Grundlage für realistische Zielsetzungen und eine an den betrieblichen Erfordernissen orientierte Umsetzung. Zu oft noch geben Integrationsvereinbarungen nur den Gesetzestext wieder. Daraus können sich Barrieren ergeben, die den Prozess der Umsetzung verzögern oder sogar insgesamt gefährden und in Frage stellen. In diesem Zusammenhang sollte das Instrument der Integrationsvereinbarung, mehr als dies bislang der Fall ist, Gegenstand von Schulungsveranstaltungen für betriebliche Interessenvertretungen werden. Gleichzeitig sollten auch die betrieblichen Vorgesetzten vermehrt mit dem Instrument der Integrationsvereinbarung vertraut gemacht werden.

Gelingt diese Feinarbeit, die Sensibilisierung für die Aufgaben und Anforderungen einer betrieblich angemessenen Integrationsarbeit, sollte mittelfristig auch der rechtliche Status von Integrationsvereinbarungen gestärkt werden. Zwar besteht eine Verpflichtung zum Abschluss einer Integrationsvereinbarung, doch besteht kein Mechanismus der gerichtlichen Geltendmachung.

Unabhängig davon ist es zu jeder Zeit wichtig, für die Integration und den Abschluss entsprechender Vereinbarungen zu werben, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und Überzeugungsarbeit zu leisten. In diesem Rahmen ist es erforderlich, immer wieder den Nutzen von Vereinbarungen deutlich zu machen.

Eine Integrationsvereinbarung
- bietet sich als ein verlässliches Instrument innerbetrieblicher Planung an;
- dient bei einer bedarfsorientierten Umsetzung der vollen Entfaltung der Leistungsfähigkeit behinderter Menschen;
- kann bei Einigung unnötige rechtliche Auseinandersetzungen vermeiden helfen;
- steigert die Rentabilität des Unternehmens und
- kann dessen Ansehen fördern.

Nach dreijähriger Praxis ist noch viel - und mit Bedacht - zu tun. Denn 'die Qualität von Integrationsvereinbarungen bemisst sich nicht am Umfang der Zielvereinbarungen, sondern an der Umsetzbarkeit und der für die Beschäftigten spürbaren Wirksamkeit' (Fankhaenel in diesem Band). Das Team des Kooperationsprojekts 'Teilhabe behinderter Menschen und betriebliche Praxis' will mit der Tagungsdokumentation dazu einen Beitrag leisten.

(Gem. Vorwort d. Redaktion)

Aus dem Inhalt:

- Hans-Günther Ritz: Integrationsvereinbarungen - Geschichte, Anspruch und (rechts-)politische Bewertung
- Karin Fankhaenel: Integrationsvereinbarung - Stand und Erfahrungen im Rheinland
- Kerstin Weber und Rosi Scherer: Der Weg zur Integrationsvereinbarung beim Hessischen Rundfunk
- Ulrich Böckel: Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis bei der Umsetzung der Integrationsvereinbarung
- Achim Huber: Neue Perspektiven durch das SGB IX - betriebliche Prävention als Eingliederungsmanagement


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Tagungsdokumentation




Bezugsmöglichkeit:


Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (ISO)
Homepage: https://www.iso-institut.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV3405


Informationsstand: 31.01.2005

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