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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

RehaBau - ein Programm der Sekundärprävention für Bauarbeiter im mittleren Erwerbsalter

Neunte Erfurter Tage 2002



Sammelwerk / Reihe:

Erfurter Tage: Rechtliche und verwaltungsorganisatorische Bedingungen bei der beruflichen Wiedereingliederung von Arbeitsunfallverletzten


Autor/in:

Hartmann, Bernd; Hanse, Joachim; Hauck, Andrea [u. a.]


Herausgeber/in:

Grieshaber, Romano; Schneider, Wolfgang; Geschäftsbereich Prävention der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten [u. a.]


Quelle:

Leipzig: Eigenverlag, 2002


Jahr:

2002



Abstract:


Rehabilitation im Rahmen der betriebsärztlichen Aufgabenstellung
Krankheiten des Stütz- und Bewegungssystems und darunter vorrangig Rückenleiden führen Beschäftigte in einem Konflikt mit den Anforderungen ihrer Arbeit, der durch medizinische, persönliche und betriebliche Aktivitäten gelöst werden sollte.

Rehabilitation erreicht die Betroffenen in der Rentenversicherung erst, wenn die Gesundheitsschädigung weit fortgeschritten ist, eine erhebliche Gefährdung der Arbeitsfähigkeit eingetreten ist und dadurch die Motivation zur Erhaltung der Erwerbsfähigkeit gestört ist, so dass die Rente als einziger Ausweg erscheint. Durch frühzeitige berufsspezifische Maßnahmen an der Grenze zwischen der Sekundärprävention und Rehabilitation sollen diese Schwierigkeiten vermieden werden.

Das Projekt RehaBau
Die Anlässe für das Programm der berufsbezogenen Rehabilitation waren betriebsärztliche Befunde bei Vorsorgeuntersuchungen, Erkenntnisse aus dem Projekt 'Organisations- und Belastungsstruktur der Bauarbeit', Krankenstand und Frühinvalidität wegen Krankheiten des Stütz- und Bewegungssystems, Erfahrungen mit dem 'Bauspezifischen Rückentraining für Auszubildende' sowie das Netzwerk 'Betrieb und Rehabilitation' in Schleswig-Holstein.

Das Programm an der Grenze zwischen Sekundärprävention und Rehabilitation enthält folgende Komponenten:
- Die Betriebsärzte erkennen bei Vorsorgeuntersuchungen den Bedarf der Rehabilitation und empfehlen sie dem Versicherten. Danach wird eine eingehende Untersuchung des Stütz- und Bewegungs-Systems durchgeführt, die eine 'Funktionsdiagnose' der Belastbarkeit zum Ziel hat. Ärztliche Indikationen für RehaBau sind Arbeitsunfähigkeiten >2 Wochen insgesamt wegen Rückenschmerzen in 12 Monaten, Befunde wie druckschmerzhafter muskulärer Hartspann oder mehrfache ärztlich behandelte Rückenschmerzen sowie orthopädische Befunde.
- Die Rentenversicherung prüft als Kostenträger die medizinische Indikation auf Grund der betriebsärztlichen medizinischen Antragsunterlagen.
- Die Rehabilitationsklinik hat ein modifiziertes 3-wöchiges Programm entwickelt, das wesentliche Modifikationen des Behandlungskonzepts 'Lumbalgie' enthält. Die Rehabilitationsziele sind ergänzt um ein erweitertes funktionelles Training der gesamten Rumpfmuskulatur, die Schulung der Körperwahrnehmung und Haltungsschule, die Vermittlung eines ökonomischen Bewegungsverhaltens und andere aktive Elemente.
- Ein 10-stündiges ergonomisches Übungsprogramm zur belastungsarmen Bewältigung der beruflichen Tätigkeit wurde in Zusammenarbeit von Bau Berufsgenossenschaft und Rehabilitationsklinik in der Klinik eingerichtet. Die Arbeitsstelle für Ergonomie und Gesundheitsförderung beim AMD der Bau-BG hat dieses baunahe Ergonomie-Training entwickelt. Um das Training zu qualifizieren, wird im Rahmen der 'Initiative Neue Qualität der Arbeit' (INQA) die Struktur des Ergonomieprogramms weiter entwickelt.

Erfahrungen und Bewertungen
Das Programm hatte bis zum Sommer 2002 eine Zahl von 70 Teilnehmern erreicht. Die Evaluation des Langzeiterfolgs ist vorbereitet. Einschätzungen der Abschlussbefragung in der Klinik zeigen, dass mit hohen Noten für alle Programm-Elemente ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden konnte. Die Erwartung, sich bei einer 'Kur' erholen zu können, muss spätestens in der Klinik abgebaut werden. Beschäftigten mit regelmäßigen Kraftleistungen für hohe Einzellasten oder statische Zwangshaltungen ist verständlich zu machen, dass sie körperlich trainiert werden sollen. Eigenes Erleben von Grenzen bei Ausdauerbelastungen schafft jedoch die Einsicht, dass bestimmte Voraussetzungen grundlegender körperlicher Fähigkeiten zu verbessern sind. Das Programm ist wichtig für die Frage nach dem 'Nutzen des Betriebsarztes' insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben. Die Vernetzung von erkanntem medizinischem Rehabilitationsbedarf, berufsbezogener Belastungsorientierung der Rehabilitation und arbeitsplatznaher Begleitung sind wichtige Voraussetzungen, erfordern aber besondere Aufwendungen der Betriebsärzte.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Erfurter Tage: Rechtliche und verwaltungsorganisatorische Bedingungen bei der beruflichen Wiedereingliederung von Arbeitsunfallverletzten' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


monade agentur für kommunikation GmbH
Homepage: https://www.monade.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV3422x05


Informationsstand: 17.02.2005

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