Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Nachsorge in der Suchtkrankenhilfe

Bestandsaufnahme zur Arbeit der durch die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte - BfA - geförderten NachsorgereferentenInnen



Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (DHS)


Quelle:

Hamm: Eigenverlag, 2001, 71 Seiten


Jahr:

2001



Abstract:


Die ersten Initiativen zur Planung ambulanter Nachsorge innerhalb der Suchtkrankenhilfe entstanden Ende der 70er Jahre vor dem Hintergrund der stetig ansteigenden Nachfrage der Klientel nach ambulanter Betreuung. Der Beginn des eigenverantwortlichen und selbstständigen Lebens nach der Entlassung aus der stationären Therapie bedeutete für abhängige Menschen häufig eine Überforderung und führte zu Rückfällen. Die hohen Rückfallquoten in den ersten Wochen und Monaten nach der Behandlung bestätigten, dass Betroffene, nachdem sie das 'schützende' Umfeld der Einrichtung verlassen hatten, dem Problemdruck nicht standhielten. Nicht selten wandten sich KlientenInnen rückorientierend an die MitarbeiterInnen der stationären Therapieeinrichtung. Die Etablierung von Angeboten und Maßnahmen professioneller Hilfe und Selbsthilfe, die zur Rückfallvermeidung und (Wieder-)Eingliederung suchtkranker Menschen im Sinne sozialer und beruflicher Integration dienen, finden hier ihre Bestätigung. Vor diesem Hintergrund wurde das Angebot ambulanter und stationärer Nachsorge als Teilbereich der medizinischen Rehabilitation umgesetzt. Der in der Entwöhnungsbehandlung begonnene Prozess der Neuorientierung sollte fortgesetzt werden.

Aus diesem Grund fördert seit 1986 die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) auf der Grundlage des § 31 Absatz 1 Nr.5 SGB VI die Tätigkeit von überregionalen Fachkräften (insgesamt 30 NachsorgereferentenInnen) in Abstinenz- und Selbsthilfeverbänden sowie den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, die Mitglied in der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren sind. Nach der Wiedervereinigung weitete die BfA ihre Förderung auch auf die neuen Bundesländer aus. Der Tätigkeits- und Einsatzbereich der NachsorgereferentenInnen ist in der Anlage zu den 'Richtlinien zur Verwendung der BfA-Zuwendungen zur Verbesserung der Nachsorge nach § 31 Absatz 1 Nr. 5 SGB VI vom 18. Oktober 1995' geregelt. Der Zuständigkeitsbereich ist vielfältig und reicht von der Bundesebene über die Landesebene bis hin zur regionalen Ebene. Die Tätigkeit dieser Nachsorgereferenten/-innen hat über Jahre Bestand und ist inzwischen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Suchtkrankenhilfe geworden.

Substanz- beziehungsweise verhaltensbezogene Störungen sind ein komplexes Geschehen - Rehabilitation muss daher auch komplex ansetzen und den ganzen Menschen in seinen sozialen, körperlichen und geistigen Dimensionen erfassen. Übergeordnetes Ziel der Nachsorge ist nach heutigem Verständnis, die Lebensqualität Betroffener zu verbessern und eine bestmögliche soziale, familiäre und berufliche Integration zu sichern. Die Hilfen (von der Ausstiegshilfe bis zur Nachsorge) sind individuell und personenzentriert erforderlich und sollten sich an den Ressourcen, Kompetenzen und Fähigkeiten der betroffenen Menschen orientieren sowie 'Hilfe zur Selbsthilfe' ermöglichen (Holz & Leune 1999).

Die Suchtkrankenhilfe erbringt personenbezogene Dienstleistungen, welche sich dadurch auszeichnen, dass der Leistungsprozess nur dann erfolgreich verläuft, wenn es gelingt, die Adressaten der Dienstleistung zu Akzeptanz und Mitwirkung zu bewegen (Reis 1997 in DHS 2000). Der Erfolg des Leistungsprozesses wird erheblich durch die Interaktionen zwischen Leistungsträgern, Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe, Sucht-Selbsthilfe, NachsorgereferentenInnen und KlientenInnen bestimmt. Neue Anforderungen ergeben sich aus der steigenden Zahl von Menschen mit substanzbzw. verhaltensbezogenen Störungen, unter dem Einfluss des demografischen Wandels - damit verbunden die Veränderung des Krankheitsspektrums in Richtung chronischdegenerativer Erkrankungen, die verstärkte Zuwanderung, die Verkürzung von Behandlungszeiten im stationären und ambulanten Sektor und in diesem Zusammenhang die Veränderung der Zugangsvoraussetzungen zum Leistungsangebot.

Der Bericht richtet sich sowohl an die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) als Zuwendungsgeber als auch an ehrenamtliche und professionelle Fachleute der Suchtkrankenhilfe und Nachsorge sowie des Gesundheits- und Sozialwesens. Er reflektiert sowohl die Situation und Perspektiven der Nachsorge und die aktuellen Rahmenbedingungen der Gesundheits- und Sozialpolitik. Die ReferentenInnen zeigen die gegenwärtigen Handlungsoptionen der Nachsorge in den alten und neuen Bundesländern auf und skizzieren am Beispiel ausgewählter Nachsorgebereiche ihre aktive Mitgestaltung dieses Prozesses. Dabei haben sie jeweils einen Arbeitsschwerpunkt beschrieben, analysiert und seine besondere Bedeutung für die Nachsorge herausgestellt.

Zu Beginn werden die Ziele und Aufgaben der Nachsorge vorangestellt und ihre besondere Bedeutung im Gesamtprozess der medizinischen Rehabilitation Abhängiger benannt. Dabei wird auf die komplexen Problemlagen der Klientel fokussiert und die Angebote (Interventionen) im Kontext professioneller Hilfen und der Selbsthilfe beschrieben. Die Arbeitsaufträge der NachsorgereferentenInnen entwickeln sich u.a. durch die Wahrnehmung und Benennung von 'Schwachstellen' im bestehenden Nachsorgeangebot. Dabei steht die Weiterentwicklung und Vernetzung der Interventionen unter Berücksichtigung der aktuellen Situation und Bedarfslage im Vordergrund. Im Bereich der Selbsthilfe verstehen sich die NachsorgereferentenInnen als Begleiter/-innen und Unterstützer/-innen ehrenamtlicher Kräfte. Sie reagieren in erster Linie auf Impulse aus der Praxis vor Ort. Sie unterstützen Ehrenamtliche in ihren Bemühungen, eigenständig Selbsthilfegruppen aufzubauen. Sie stehen den Gruppen in allen Problemlagen zur Seite.

Darüber hinaus versuchen sie, die bisherigen Selbsthilfestrukturen miteinander zu vernetzen sowie den Austausch- und Informationsfluss mit zu gestalten. Dazu entwickeln und bieten sie verschiedene Seminare und Schulungen für ehrenamtliche HelferInnen und Gruppenmitglieder (Suchtkranke und Angehörige) an. Letztlich mit dem Ziel, Selbsthilfe flächendeckend vorzuhalten. Im Bereich der professionellen Nachsorge stellt die Bestandsaufnahme und Bedarfsermittlung eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Handlungsstrategien zur Einleitung von Maßnahmen zum Beispiel zur beruflichen Integration und Hilfeplanung von Abhängigen dar. Die Umsetzung neuer Kooperationsformen mit anderen Institutionen zum Beispiel Betriebe, Arbeitsämter, Jugendhilfe gehört zu den originären Aufgaben der NachsorgereferentenInnen, um für Abhängige auch außerhalb der Suchtkrankenhilfe ein breites Hilfeangebot zu erschließen.

In diesem Zusammenhang sensibilisieren die NachsorgereferentenInnen die Öffentlichkeit und versuchen regionale Arbeitsbündnisse zwischen den Akteuren der Suchtkrankenhilfe und anderen Institutionen herzustellen. Darüber hinaus initiieren die NachsorgereferentenInnen der Selbsthilfe und professionellen Nachsorge gemeinsam Angebote für Zielgruppen, die vom bisherigen Nachsorgeund Selbsthilfeansatz nicht erreicht werden. Hier sind zum Beispiel Angebote für Angehörige, Frauen und junge Suchtkranke zu nennen. Die Integration von anderen Süchten zum Beispiel Tabakabhängigkeit und illegale Drogen finden ebenfalls ihre Berücksichtigung.

Es bedarf der Anstrengungen aller Beteiligten, dass die jeweiligen Behandlungs- und Beratungsschritte ineinander greifen und Lücken vermieden beziehungsweise geschlossen werden. Die partnerschaftliche und gleichrangige Zusammenarbeit zwischen professioneller Hilfe und Selbsthilfe ist ein wichtiger Garant für das Funktionieren des Nachsorgesystems. Jedoch bleiben Konflikte oftmals nicht aus (Stichwort: Expertenwissen versus Erfahrungswissen). Trotz fehlender leistungsrechtlicher Absicherung gelingt es den NachsorgereferentInnen, neue Konzepte und Maßnahmen zur Nachsorge zu entwickeln. Hier sind zu nennen die 'Aufsuchende Arbeit' in der Nachsorge und die Einführung des Case-Managements. Diese zusätzlichen Angebote sind nicht nur ein Indiz für das Engagement der NachsorgereferentenInnen, sie zeigen auch die dringende Notwendigkeit solcher Maßnahmen auf. Um das breite Spektrum an erforderlichen Interventionen in der Nachsorge weiterzuentwickeln, bedarf es der Qualifizierungsmaßnahmen für NachsorgereferentenInnen und der finanziellen Absicherung dieser Leistungen.

(Gem. Vorwort d. Hrsg.)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
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Dokumentart:


Graue Literatur




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS)
Homepage: https://www.dhs.de

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Referenznummer:

R/NV3506


Informationsstand: 25.04.2005

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