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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden - berufliche Rehabilitation als Aufgabe der Politik


Sammelwerk / Reihe:

Die Berufsförderungswerke - Netzwerk Zukunft


Autor/in:

Roth, Karin


Herausgeber/in:

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Berufsförderungswerke (ARGE-BFW)


Quelle:

Frankfurt am Main: Eigenverlag, 2004, Seite 63-67


Jahr:

2004



Abstract:


Karin Roth, seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Esslingen, berichtet zu Beginn über die aktuellen Tendenzen in der beruflichen Rehabilitation behinderter Menschen.

Die Vergabe sozialer Beihilfen durch den Staat sieht sich einem Einschätzungswandel unterworfen. Vielfach werden sozialpolitische Leistungen nicht mehr als selbstverständliche Leistungen unserer Volkswirtschaft akzeptiert. Stattdessen werden Fragen nach ihrer Berechtigung aufgeworfen: Ob es sich überhaupt lohnt, solche Leistungen zu gewähren, welche Wirkungen sie entfalten, und welche Gegenleistungen von den Begünstigten zu erwarten sind.

Insbesondere die Erfolge und Misserfolge bei der Vermittlung von Rehabilitanden in den Arbeitsmarkt sind in den Mittelpunkt der öffentlichen wie auch der politischen Aufmerksamkeit gerückt. Die zentrale Zielvorgabe des SGB IX nach der 'Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben' darf nicht begrenzt bleiben auf die Vermittlung auf einen beliebigen Arbeitsplatz. Auch der Begriff der Beschäftigungsfähigkeit sollte nicht als bloße Vermittelbarkeit von Arbeitssuchenden gesehen werden. Stattdessen kommt es darauf an, behinderten Menschen im weiten Sinne eine berufliche Perspektive zu geben und sie so der Gesellschaft nicht nur als Arbeitskräfte sondern auch und vor allem als aktive und engagierte Staatsbürger zu erhalten.

Anschließend referiert Roth über die Bedeutung beruflicher Rehabilitation und die Verantwortung der Politik. Sie weist darauf hin, dass die wirtschaftlichen Zwänge eine ernst zu nehmende Realität sind. Der zunehmende Rechtfertigungsdruck, dem sich die berufliche Rehabilitation ausgesetzt sieht, ist keine finanzpolitische Laune, sondern logische Folge der angespannten konjunkturellen und finanzpolitischen Lage. Die berufliche Rehabilitation kommt an der kritischen Hinterfragung ihres Aufwands und ihrer Ergebnisse nicht vorbei. Sie muss sich dem Gebot der Knappheit der Mittel stellen, jedoch nicht beugen.

Berufliche Rehabilitation ist niemals nur eine Investition in die Arbeitsmarktchancen ihrer Teilnehmer. Sie ist weit darüber hinaus ein wichtiger Bestandteil der Solidargesellschaft, indem sie zur Gleichheit von Chancen beiträgt und sozialer Ausgrenzung entgegenwirkt.

Der Beitrag der beruflichen Rehabilitation zum sozialen Miteinander wird oft nicht ausreichend gewürdigt. Solidarität bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur gesellschaftliche Fürsorge - Solidarität ist zugleich das Scharnier, das die Gesellschaft zusammenhält und dafür sorgt, dass sich jeder einzelne in ihr wiederfinden kann.

Es liegt in der Verantwortung des Staates und damit der Politik(er), für Rahmenbedingungen zu sorgen, die behinderten Menschen die Teilhabe am Arbeits- und damit auch am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Diese Rahmenbedingungen können dabei verschiedener Natur sein. Es zählen dazu der normative Rahmen (Gesetze, Verordnungen, Richtlinien), die finanzielle Beteiligung und die indirekte Einwirkung durch Kommunikation, Netzwerke und persönliches Engagement.

Im Zusammenhang von sozialpolitischer Verantwortung bei gleichzeitiger Mittelknappheit kommt dem persönlichen Engagement von Politikern, insbesondere was die Kommunikation mit den Betroffenen und die Pflege von Netzwerken angeht, besondere Bedeutung zu. Dabei gilt es sowohl die Umsetzung der beschlossenen Vorgaben zu verbessern als auch zusätzliche Kräfte zu mobilisieren, insbesondere in der Wirtschaft, die ihrer Verantwortung bis dato nur unzureichend gerecht wird.

Die Politik ist auf die Mithilfe der Betroffenen selbst dringend angewiesen, die sich im Dreiecksverhältnis zwischen Reha-Träger, Leistungserbringer und Leistungsberechtigten deutlich stärker Gehör verschaffen müssen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Die Berufsförderungswerke - Netzwerk Zukunft' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesverband Deutscher Berufsförderungswerke e.V. (BV BFW)
Homepage: https://www.bv-bfw.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV351207


Informationsstand: 25.07.2005

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