Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Zum Weg beruflicher Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung im ALG II-Bezug - Vernetzungsnotwendigkeiten sozialstaatlicher Systeme

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Schubert, Michael; Holke, Jörg; Krüger, Ulrich [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 105-106


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Die berufliche Teilhabe hat in unserer Gesellschaft wesentliche Bedeutung. Neben dem Aspekt materieller Existenzsicherung ist sie immer auch Element gesellschaftlicher Selbstbeschreibung und gesellschaftlicher Inklusion. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung psychischer Erkrankungen rückt verstärkt eine integrative Betrachtung von Arbeitswelt und psychischen Erkrankungen in den Blickpunkt fachwissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskurse. Das Ziel des Erhalts der beruflichen Teilhabe und der Erwerbsfähigkeit ist sowohl im Kontext der negativen Wechselwirkungen zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit (u. a. Elkeles, Kirschner, 2004) als auch der - indikationsspezifisch betrachtet - häufig bei Menschen mit psychischer Erkrankung bestehenden spezifischen Barrieren zu sehen, Leistungs- und Tätigkeitsanforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes zu erfüllen. Entsprechend betrachtet dieser Beitrag die Personengruppe (meist arbeitsloser) Menschen mit psychischer Erkrankung im Arbeitslosengeld-II-Bezug und fragt nach regionalem Vernetzungsgrad und Vernetzungsnotwendigkeiten sozialstaatlicher (Hilfe-)Systeme hinsichtlich des Ziels beruflicher Teilhabe.

Methodik:

Als Datenbasis liegen dem Beitrag quantitative (Sekundär)Auswertungen von Daten der gesetzlichen Krankenversicherung und Rentenversicherung, sowie insgesamt 69 leitfadengestützten Experteninterviews aus zwei Samples mit Mitarbeitern der Arbeitsverwaltung (Jobcenter, Arbeitsagenturen, Fachdienste), von Sozialpsychiatrischen Diensten, Tageskliniken/Kliniken für Psychiatrie, Integrationsfachdiensten sowie Rehabilitationseinrichtungen/-diensten zu Grunde. Die Forschungsarbeiten wurden durch die Bundesagentur für Arbeit und die DRV Mitteldeutschland gefördert.

Ergebnisse:

Krankenkassendaten zum AU-Geschehen zeigen, dass mit 37 % mehr als ein Drittel der Versicherten im Arbeitslosengeld-II-Bezug innerhalb eines Jahres mindestens eine psychiatrische Diagnose aufwies (TK für 2006: 36,7 %; AOK für 2009: 36,9 %). Bei diesem Personenkreis besteht so deutlich häufiger eine psychische Erkrankungen als bei Berufstätigen (Berufstätige TK 2006: 21,8 %). Unabhängig vom Erwerbsstatus sind dabei Affektive Störungen (F30-F39) und Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (F40-F48) innerhalb der Indikationsgruppe am häufigsten.

Die Ermöglichung beruflicher Teilhabe arbeitsloser Menschen ist zentrale Aufgabe der Arbeitsverwaltung. Den Anteil psychisch kranker ALG II-Leistungsbezieher schätzen Arbeitsvermittler der SGB II-Träger, abhängig vom jeweiligen Aufgabengebiet, auf zwischen 5 % und 40 %; Fallmanager auf die Hälfte bis zwei Drittel aller Fälle. Die Personengruppe sei dabei nicht nur quantitativ wesentlich relevant, sondern bedinge häufig auch einen hohen Betreuungsaufwand. Einer oft notwendigen intensiven Betreuung und Vermittlung seien dabei häufig durch institutionelle Rahmenbedingungen wesentliche Grenzen gesetzt. Die für den Zugang zu Leistungen zur Teilhabe zentrale fachdienstliche Begutachtung erfolgt meist aus Aktenlage, wobei im Durchschnitt je ärztlichem Gutachten ca. 35 Minuten zur Verfügung stehen. Psychische Stabilität bzw. ein fortgeschrittener Genesungsprozess wird häufig als Voraussetzung für erwerbsintegrative Maßnahmen beschrieben. Die ggf. stabilisierend wirkende Funktion einer konkreten Perspektive für die berufliche Teilhabe wird selten benannt.

Diskussion und Schlussfolgerungen:

Angesichts der grundsätzlich gemeinsamen Zielstellung der Ermöglichung (beruflicher) Teilhabe, des Ziels einer bedarfsgerechten Unterstützung von Menschen mit psychischer Erkrankung im SGB II sowie funktional differenzierter Kompetenzbereiche der Hilfesysteme leitet sich die Notwendigkeit institutioneller Zusammenarbeit ab. Dies betrifft bedarfsgerechte Zugänge zu Behandlungs- und Rehabilitationsleistungen sowie passgenaue Integrationsmaßnahmen. Schnittstellen der (Hilfe)systeme gilt es zu überwinden und Formen der Zusammenarbeit auf institutioneller wie individueller Ebene unter Einschluss beruflicher Perspektiven zu etablieren bzw. auszubauen. Vorschläge dazu werden vorgestellt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357312


Informationsstand: 04.06.2013

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