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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufsbezogene Versorgung von Patienten mit Muskel- und Skeletterkrankungen: Ergebnisse einer Expertenbefragung bei Hausärzten, Orthopäden, Betriebsärzten und in der Rehabilitation

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Müller, Evelyn; Mehrer, L.; Faust, Thomas [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 146-148


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Der Erhalt der Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit chronischen Erkrankungen rückt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zunehmend in das Interesse der Forschung. Dies zeigt sich unter anderem in einer ganzen Reihe von Modellprojekten und Initiativen zur berufsbezogenen Diagnostik und Therapie in der Rehabilitation (zum Beispiel Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation, MBOR). Neben einer stärkeren Ausrichtung der Rehabilitation auf die beruflichen Belange der Rehabilitanden, gelten eine gezielte Feststellung des Reha-Bedarfs durch niedergelassene Haus- und Fachärzte (Deck et al., 2009) sowie die Zusammenarbeit mit Betrieben (zum Beispiel 'Betsi - Beschäftigung teilhabeorientiert sichern'; DRV Bund et al., 2008) als Möglichkeiten, die berufsbezogene Versorgung zu verbessern.

Fragestellung und Methodik:

Ziel der hier vorgestellten Studie ist eine Bestandsaufnahme bezüglich
- der Bewertung berufsbezogener Versorgung bei Patienten mit Muskel- und Skeletterkrankungen durch die verschiedenen Akteure,
- der Praxis der Initiierung von berufsbezogenen Maßnahmen (Rehabilitation, MBOR, Betsi etc.) von Seiten der niedergelassenen/betrieblichen Ärzte,
- der Identifikation von Verbesserungspotenzialen im System der berufsbezogenen Versorgung.

Zu diesem Zweck wurden in Baden-Württemberg 734 Hausärzte, Fachärzte, Betriebs- und Arbeitsmediziner sowie Reha-Einrichtungen angeschrieben und um Beantwortung eine Fragebogens zur berufsbezogenen Versorgung gebeten.

Ergebnisse:

Der Rücklauf betrug insgesamt 29,3 % (n=215; davon 81 Arbeits-/Betriebsmediziner, 81 Hausärzte, 29 Orthopäden, 24 Rehabilitationseinrichtungen). Von besonderem Interesse war in der Befragung der erste Kontakt der Patienten mit dem System der berufsbezogenen Versorgung. Zu diesem Zweck wurden die niedergelassenen/ betrieblichen Ärzte gebeten anzugeben, welche Maßnahmen sie bei berufsbezogenen Problemen ihrer Patienten in Betracht ziehen. Eine latente Klassenanalyse zeigt auf, dass drei typische Muster bezüglich der gewählten Maßnahmen bestehen (Modellpassung: L2(43)=33,2; p=0,86; Class. Err=0,06).

- Gruppe A (37,5 % der Betriebs-/Arbeitsmediziner, 75,6 % der Hausärzte und 82,8 % der Orthopäden) gibt an, mit hoher Wahrscheinlichkeit medizinische Rehabilitation, stufenweise Wiedereingliederung oder Anpassung des Arbeitsplatzes zu initiieren,

- Gruppe B (42,5 % der Betriebs-/Arbeitsmediziner, 21,8 % der Hausärzte, 13,8 % der Orthopäden) ziehen zusätzlich auch die medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation, Umschulung/ Weiterbildung und mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch 'Betsi' in Betracht.

- Bei Gruppe C (20,0 % der Betriebs-/Arbeitsmediziner, 2,6 % der Hausärzte und 3,4 %) besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch bei Feststellung beruflicher Probleme gar keine berufsbezogenen Maßnahmen initiiert werden. Insgesamt lässt sich ein großes Informationsdefizit auf Seiten der Ärzte feststellen, so wünschen sich z. B. 76,7 % mehr Information zu 'Betsi', 35,8 % zu medizinisch-berufsorientierter Rehabilitation und 18,1 % zu Möglichkeiten der Anpassung des Arbeitsplatzes.

Die Ärzte wurden auch gebeten, die berufsbezogene Versorgung zu benoten (1=sehr gut, 6=ungenügend). Die Durchschnittsnote liegt dabei bei 3,4 (sd=1,0), wobei die Rehabilitationseinrichtungen (m=2,8; sd=0,7) die Versorgung signifikant besser bewerteten als die anderen Berufsgruppen (Varianzanalyse F(3)=5,1; p<0,01). Die breite Mehrheit der Ärzte (52,1 %) nutzte die Möglichkeit zu Verbesserungsvorschlägen in den freien Antworten. Die häufigsten Kategorien sind: 'verbesserte Vernetzung und Kommunikation zwischen den Berufsgruppen, den Leistungsträgern und Arbeitgebern' (50 Vorschläge), 'verstärktes Engagement der Betriebe' (27 Vorschläge) und 'eine früher im Krankheitsverlauf einsetzende Diagnostik und Intervention' (18 Vorschläge).

Diskussion:

Einschränkend ist anzumerken, dass bei einem Rücklauf von 29,3 % die Repräsentativität der Stichprobe nicht gewährleistet ist. Dennoch zeigt die Befragung auf, in welchem Maß die berufsbezogenen Versorgung von den niedergelassenen/betrieblichen Ärzten abhängt, die sich sowohl berufsgruppenspezifisch als auch individuell sehr stark in ihrem Informationsstand und der Initiierung einzelner Maßnahmen unterscheiden. Die Ärzte benennen in ihren freien Antworten selbst wichtige Felder für potenzielle Verbesserungen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur
Projekt BETSI: Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV357327


Informationsstand: 04.06.2013

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