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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

MBOR - Alternative oder Ergänzung zu verhaltensorientierter Rehabilitation? Ein repräsentativer Zielgruppenvergleich

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Streibelt, Marco; Brünger, Martin; Worringen, Ulrike [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 248-250


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Das Behandlungskonzept der Verhaltensmedizinischen Orthopädie (VMO), (DRV Bund, 2012), blickt auf eine mittlerweile elf Jahre währende Tradition zurück. Seit der Entwicklung des Konzeptes hat sich die Praxis der orthopädischen Rehabilitation im Besonderen, aber auch in anderen Indikationsgebieten in erheblichem Maße weiterentwickelt. Gerade in den vergangenen Jahren ist dabei die Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR, DRV, 2012) in den Vordergrund gerückt. Im Zuge der Ausweitung der MBOR und ihrer Auswirkungen auf die Steuerungs- und Behandlungspraxis stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis die beiden Behandlungskonzepte zueinander stehen. Dem soll sich in diesem Beitrag durch eine repräsentative Zielgruppenanalyse genähert werden.

Methode:

Im Zentrum stand die empirische Analyse eines repräsentativen Datensatzes von Versicherten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund (n = 2.180), der im Rahmen einer größeren Studie erhoben wurde (Brünger et al., 2012). Die Stichprobe basiert auf einer nach 9 Diagnosegrundgruppen (DGGR) geschichteten Ziehung von Versicherten mit bewilligter medizinischer Rehabilitation im Heilverfahren durch die DRV Bund.

Die Analyse fokussierte dabei auf die Zielgruppen von VMO- und MBOR-Behandlungsansätzen, um zu ermitteln,
(1) wie hoch die (indikationsspezifischen) Prävalenzen einer besonderen beruflichen Problemlage (BBPL) und eines VMO-Bedarfs liegen und
(2) mit welchen behandlungsrelevanten Konstrukten die beiden Bedarfsdefinitionen assoziiert sind.
Eine BBPL wurde über Fehlzeiten von mehr als drei Monaten im Jahr vor der Rehabilitation oder die Einschätzung, in der näheren Zukunft 'nicht mehr im Beruf arbeiten zu können', operationalisiert (Streibelt, 2009). Ein VMO-Bedarf lag bei mehr als 5 Punkten auf dem PHQ-4 vor (Worringen et al., 2012). Analysen auf Basis der Gesamtstichprobe wurden aufgrund der Schichtung anhand der tatsächlichen Verteilung der durch die DRV Bund in 2011 durchgeführten Rehabilitationsleistungen gewichtet. Einflüsse auf die Zielgruppendefinitionen wurden mithilfe logistischer Regressionsmodelle mit rückwärts gerichtetem Ausschluss geschätzt. Berichtet werden nur Odds Ratio (OR) signifikanter Effekte hinsichtlich folgender Konstrukte: Komorbidität (SCQD), Arbeitsfähigkeit (WAI), subjektive Erwerbsprognose (SPE), Selbstwirksamkeit (SWE) sowie Funktionsfähigkeit im Alltag und Gesundheitsverhalten (Teilskalen des IRES). Die Effekte wurden nach Alter, Geschlecht und DGGR kontrolliert.

Ergebnisse:

Die Datenanalyse zeigt indikationsübergreifend eine Prävalenz von 38 % für das Vorliegen einer BBPL (nach DGGR: 20 % [Dermatologie] bis 53 % [Psychosomatik]) bzw. 27 % für einen VMO-Bedarf (20 % [Onkologie] bis 35 % [Neurologie]). Die Übereinstimmung (BBPL + VMO-Bedarf) liegt indikationsübergreifend bei 13 % der Versicherten vor; 15 % haben eine reine VMO-Problematik, 20 % sind rein auf BBPL konzentriert. Die Prädiktionsmodelle ermittelten für eine geringe Funktionsfähigkeit im Alltag (BBPL: OR = 0,87; VMO: OR = 0,76) sowie eine schlechte subjektive Erwerbsprognose (BBPL: ORSPE = 3 = 1,80; VMO: ORSPE = 3 = 2,54) ähnliche Zusammenhänge zu BBPL und VMO- Bedarf. Prädiktiv für eine BBPL war darüber hinaus eine geringe subjektive Arbeitsfähigkeit (OR = 0,74). Ein VMO-Bedarf wurde zusätzlich durch eine hohe Komorbidität (OR = 1,46) und eine geringe Selbstwirksamkeit (OR = 0,88) aufgeklärt. Tendenziell (p = .062) weist auch ein schlechtes Gesundheitsverhalten (OR = 0,90) auf einen VMO-Bedarf hin.

Fazit:

Die Zielgruppenanalyse legt nahe, dass VMO-Bedarf und BBPL überwiegend unabhängig voneinander auftreten. Teilweise ähnliche Assoziationen mit behandlungsrelevanten Konstrukten führen zu einer 'zufälligen', allerdings geringen Übereinstimmung. Beide Konzepte, die MBOR und die VMO, stellen Behandlungsschwerpunkte in der medizinischen Rehabilitation dar, die nicht ursächlich an den zugrunde liegenden chronischen Erkrankungen orientiert sind. Damit sind sie als indikationsübergreifende Behandlungsansätze zu verstehen, die sich jedoch - aufgrund der differentiellen Wirkung berechtigt - auf größtenteils unterschiedliche Zielgruppen konzentrieren. Aus Sicht der AutorInnen sollte eine Diskussion bzgl. der Ausweitung der VMO auf andere Indikationsbereiche im Sinne einer 'Verhaltensorientierten medizinischen Rehabilitation (VOR)' beginnen. Zusätzlich ist zu diskutieren, ob und wie bei Vorliegen beider Problemlagen in der Rehabilitation MBOR und VOR kombinierbar sind.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357336


Informationsstand: 05.06.2013

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