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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

MBOR-Kooperationen: Ein Projekt zur Optimierung des Schnittstellenmanagements beim Übergang von medizinischer zu beruflicher Rehabilitation

Poster auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Leauclair, Ina; Kulisch, K.; Streibelt, Marco


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 264-266


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) stellt eine spezifische Form der medizinischen Rehabilitation dar, welche sich in Diagnostik und Therapie über den gesamten Rehabilitationsprozess hinweg auf die konkrete Arbeits- und Berufswelt von Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen (BBPL) konzentriert (Streibelt, Buschmann-Steinhage, 2011; Deutsche Rentenversicherung Bund, 2012). Diese Weiterentwicklung des traditionellen Rehabilitationsangebotes weist zwei Grundfunktionen auf. Primäres Bestreben ist die wesentliche Besserung oder Wiederherstellung der erheblich gefährdeten oder bereits geminderten Erwerbsfähigkeit. Sofern dieses Ziel nicht erreicht werden kann, also bereits im Verlauf der Rehabilitation erkennbar wird, dass der bisherige Arbeitsplatz trotz der MBOR-Kernangebote nicht wieder eingenommen werden kann, steht die möglichst nahtlose Überleitung in eventuell erforderliche nachfolgende Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) im Vordergrund (Winkelhake et al., 2003; Trowitzsch et al., 2006).

Zielstellung:

Das Projekt 'MBOR Kooperationen' hat die Verbesserung der zweiten Grundfunktion der MBOR zum Ziel. Durch eine Optimierung der Zusammenarbeit von Reha-Einrichtung und Reha-Fachberatung sowie Leistungsträger soll eine bessere Verzahnung von medizinischer zu beruflicher Rehabilitation erreicht werden. Es stellte sich die Frage, ob ein entsprechender Handlungsprozess positive Auswirkungen auf die Laufzeit sowie die Bewilligungsquote von LTA-Anträgen aus medizinischer Rehabilitation sowie die weiteren Entscheidungen im LTA-Verlauf hat.

Methodik:

Das Projekt wurde seit 01.03.2012 in Zusammenarbeit mit zwei medizinischen Rehabilitationseinrichtungen sowie der zuständigen Reha-Fachberatung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund durchgeführt. Der Handlungsprozess war wie folgt definiert: Sofern das interdisziplinäre MBOR- Team in der Rehabilitationseinrichtung bei einem Rehabilitanden bzw. einer Rehabilitandin einen potenziellen Bedarf an LTA identifizierte, wurde der Reha- Beratungsdienst informiert. Bei einem positivem Votum durch diesen füllte der behandelnde Arzt den neu erstellten Vordruck 'Ärztlicher Zwischenbericht (MBOR)' aus, der u. a. Angaben zum bisherigen Reha-Verlauf, funktionalen Einschränkungen am Arbeitsplatz sowie schulischen und beruflichen Werdegang des/der RehabilitandIn enthält. Auf Grundlage dieser Informationen wurde seitens der DRV Bund - bei Vollständigkeit der Unterlagen - innerhalb einer 2- Tages-Frist
über den LTA- Bedarf entschieden und das Ergebnis der Rehabilitationseinrichtung sowie der Reha-Fachberatung mitgeteilt. Ziel war, bereits während der medizinischen Rehabilitation den weiteren Werdegang mit den betroffenen RehabilitandInnen zu besprechen und eine klare berufliche Perspektive zu entwickeln.

Ergebnisse:

In die Ergebnisanalyse gingen 51 Fälle ein, die bis zum 30.09.2012 im Rahmen des Projektes erfasst wurden. Die Laufzeit von der Antragserfassung bis zur Entscheidung umfasste durchschnittlich 13 Tage. Bei Vollständigkeit der Unterlagen konnte eine durchschnittliche Laufzeit von 2 Tagen erreicht werden. Der Vergleichswert bei LTA- Anträgen nach medizinischer Rehabilitation mit Erledigungsdatum in 2011 umfasste 40 Tage. Die Bewilligungsquote der Anträge auf LTA der RehabilitandInnen lag im Projekt bei 85 %. Im Jahr 2010 lag der Vergleichswert bei LTA-Anträgen nach medizinischer Rehabilitation bei 52 %. Eine Analyse des Rehabilitationsverlaufes nach medizinischer Rehabilitation (Zwischenanalyse für n=28) ergab folgendes: 46 % der RehabilitandInnen erhielten eine Bildungsmaßnahme, 32 % einen grundsätzlichen Bescheid über Eingliederungszuschüsse, bei 11 % erfolgte
eine innerbetriebliche Umsetzung, 7 % stellten einen Antrag auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit und 4 % nahmen direkt wieder eine Beschäftigung auf.

Diskussion und Schlussfolgerung:

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine solche Prozessoptimierung die bisherige Praxis verbessert, indem sowohl die Laufzeit bis zur Entscheidung über LTA verkürzt wie auch die Qualität der Auswahl potenzieller LTA-Fälle in den Einrichtungen verbessert wird. Der bisherige Projektverlauf stellt hierfür wichtige Erfolgsfaktoren, aber auch Umsetzungshürden und Optimierungspotenziale heraus. Von entscheidender Bedeutung ist die Verwendung des neu entwickelten MBOR-Zwischenberichtes. Im Regelfall sind in diesem Vordruck alle für die Entscheidungsfindung relevanten Informationen dokumentiert. Bedeutsam sind weiterhin die Kernkompetenzen von ÄrztInnen in den Einrichtungen; besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Anwendung einer intensivierten berufsbezogenen Diagnostik auf Basis von Functional Capacity Evaluation (FCE) Systemen. Zusätzlich scheint eine Bündelung potenzieller LTA-Fälle auf wenige AnsprechpartnerInnen im Sinne einer 'Stationsbindung' in der Rehabilitationseinrichtung von Vorteil zu sein. Das Projektergebnis weist insgesamt die erwarteten positiven Effekte auf. Folglich ist es lohnenswert und sollte perspektivisch weiter verfolgt sowie auf weitere Einrichtungen mit MBOR-Abteilungen ausgebaut werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357343


Informationsstand: 05.06.2013

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