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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Verringerung von Maßnahmeabbrüchen bei Rehabilitandinnen und Rehabilitanden mit hoher Resignationstendenz in der beruflichen Rehabilitation mit Hilfe eines psychologischen Gruppenprogramms

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Baumann, Ricardo


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 302-304


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Der Abschluss der Maßnahme stellt bei beruflichen Bildungsleistungen ein wesentliches Merkmal der Ergebnisqualität dar (DRV, 2009). Im vom BMAS geförderten Modellprojekt 'Förderung arbeitsbezogener Bewältigungsmuster' mit Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in zweijährigen Qualifizierungen konnte bereits gezeigt werden (Baumann et al., 2012), dass Personen, die zu Beginn der Reha einen resignativen Bewältigungsstil (AVEM-BMuster, siehe Schaarschmidt, 2008) aufweisen und an einer auf das AVEM-Muster abgestimmten Intervention teilnehmen, später im betrieblichen Praktikum bessere Bewertungen hinsichtlich ihrer Belastbarkeit erhalten als Personen mit B-Muster der Kontrollgruppe. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse erscheint die Frage naheliegend, ob das Interventionsangebot bei dieser Personengruppe auch einen Beitrag zur Verminderung des Abbruchsrisikos leisten kann.

Methodik:

Die Daten der Untersuchung wurden von 2009 bis 2012 in den Berufsförderungswerken in Hamburg und Köln im Rahmen des oben genannten Projektes erhoben. Zum Start (T0), in der Mitte (T1) und am Ende von drei aufeinanderfolgenden Qualifizierungsjahrgängen wurden alle Rehabilitandinnen und Rehabilitanden gebeten, an einer Fragebogenuntersuchung teilzunehmen. Die sechs Kohorten wurden jeweils komplett so zu Interventions- und Kontrollbedingung zugewiesen, dass zwei möglichst gleich große Gruppen entstanden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten nach allen Fragebogenerhebungen ihr AVEM-Ergebnis zusammen mit Interpretationshinweisen in schriftlicher Form ausgehändigt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Interventionsgruppe erhielten nach der ersten und zweiten Fragebogenerhebung zusätzlich zum AVEM-Ergebnis das Angebot, ein Feedbackgespräch und im Falle eines vorliegenden B-Musters eine B-Muster-spezifische Gruppenintervention wahrzunehmen.

Nach Ende der ursprünglich vorgesehenen Qualifizierungsdauer wurden die Maßnahmeabbrüche erhoben. Es wurde auch geprüft, inwieweit das Ausmaß der Musterzugehörigkeit eine Rolle für das Abbruchsrisiko spielt. Als Vollausprägung des Musters wurde eine mindestens 95 %ige Zugehörigkeit zu einem Muster definiert. Eine Tendenzausprägung liegt dagegen dann vor, wenn eine Person in Bezug auf ein Muster mehr prozentuale Anteile aufweist als in Bezug auf alle anderen Muster. Um Personen der Kontrollgruppe, die zu T0 ein BMuster aufwiesen, hinsichtlich der Abbruchshäufigkeiten mit B-Muster T0 der Interventionsgruppe zu vergleichen, erfolgten Chi-Quadrat-Tests.

Für den Vergleich zwischen Interventions- und Kontrollgruppe wird bei Personen der Interventionsgruppe als Einschlusskriterium nicht die tatsächliche Teilnahme an Interventionsbausteinen vorausgesetzt, sondern die Zuweisung zur Interventionsgruppe vor Beginn der Qualifizierung. Der Grund dafür ist, dass Konfundierungen vermieden werden sollen, die sich daraus ergeben würden, dass die Teilnahme an Interventionsbausteinen einen längeren Verbleib im Bfw voraussetzt als die Kontrollbedingung. Als Maßnahmeabbruch wird das Ausscheiden aus der Ausbildung definiert. Zurückstufungen, Berufsrichtungs- oder Bildungsträgerwechsel werden als Nichtabbrüche gewertet.

Ergebnisse:

In der Kontrollgruppe brachen 67 Tn (13,9 %) von insgesamt 482 Tn die Maßnahme ab. Es zeigen sich folgende AVEM-Muster-bezogene Abbruchsquoten: G-Vollausprägung (n=21): 14,3 %, G-Tendenz (n=107): 10,3 %, S-Vollausprägung (n=27): 25,9 %, S-Tendenz (n=102): 12,7 %, A-Vollausprägung (n=15): 13,3 %, A-Tendenz (n=110): 12,7 %, B-Vollausprägung (n=59): 32,2 %, B-Tendenz (n=163): 17,8 %. Bei einer Abbruchsquote von 13,9 % in der Kontrollgruppe ergeben sich lediglich für voll ausgeprägte B-Muster signifikante Abweichungen der Anzahl beobachteter (19) von der Anzahl erwarteter Abbrüche (8) (Chi²=16,516, df=1, p=0,000).

In der Interventionsgruppe haben 9 von 81 Tn mit voll ausgeprägtem B-Muster die Maßnahme abgebrochen (11,1 %). Im Vergleich mit voll ausgeprägten B-Mustern der Kontrollgruppe ergibt sich ein signifikanter Unterschied (Chi²=9,492, df=1, p=0,002). Im Vergleich mit der Gesamtstichprobe der Interventionsgruppe (n=550, 15,1 % Abbrüche) ergeben sich keine signifikanten Unterschiede (Chi²=1,005, df=1, p=0,316). Geschlechtsspezifische oder Bfw-spezifische Effekte können nicht nachgewiesen werden. Von den 81 Tn mit voll ausgeprägtem B-Muster der Interventionsgruppe haben 79 ein Feedbackgespräch nach T0 wahrgenommen, 47 Tn an mindestens einem Gruppenmodul teilgenommen und 42 Tn ein Feedbackgespräch nach T1 wahrgenommen.

Diskussion:

Die Ergebnisse deuten einerseits darauf hin, dass sich anhand des AVEM eine Personengruppe (Tn mit voll ausgeprägtem B-Muster) mit erhöhtem Abbruchsrisiko identifizieren lässt und andererseits, dass sich Abbruchsrisiken dieser Gruppe mit einem spezifischen Interventionsangebot reduzieren lassen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357360


Informationsstand: 05.06.2013

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