Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Prädiktoren diskrepanter patientenseitiger und ärztlicher Leistungseinschätzungen in der orthopädischen und psychosomatischen Rehabilitation

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Höhne, S.; Michel, A.; Radoschewski, Friedrich Michael


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 325-327


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Wesentliches Ziel der Rentenversicherung ist der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der beruflichen Teilhabemöglichkeit der Rehabilitanden. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben wird durch sozialmedizinische Gutachten der Rehabilitationsärzte abgegeben. Ein wichtiges Kriterium dafür ist auch die subjektive Einschätzung des Rehabilitanden selbst, da patientenseitige Angaben zur Beurteilung der (beruflichen) Leistungsfähigkeit einen hohen Vorhersagewert darstellen können (Morfeld et al., 2008). In diesem Zusammenhang wurde die Fragestellung untersucht, welche patientenseitigen Eigenschaften und Merkmale unterschiedliche subjektive und ärztliche Leistungseinschätzungen erklären können.

Methodik und Stichprobe:

An der Studie 'Sozialmedizinische Leistungseinschätzung von Rehabilitanden mit ungünstiger subjektiver Prognose' (SoLeR), die von der DRV Bund gefördert wird, haben 929 Patienten teilgenommen. Die Befragten aus jeweils zwei orthopädischen (n=482) und psychosomatischen (n=447) Einrichtungen wiesen ein Durchschnittsalter von 51,3 Jahren (SD=7,7) auf, fast drei Viertel der rekrutierten Rehabilitanden waren weiblich. Zu Reha-Beginn und Reha-Ende wurden mit unterschiedlichen Befragungsinstrumenten (u. a. SF-36 von Bullinger, Kirchberger, 1998; WAI von Tuomi et al., 2001) patientenseitige Merkmale und Einstellungen erfasst. Parallel wurde die sozialmedizinische Leistungseinschätzung der Reha-Mediziner mit Hilfe der Daten aus den anonymisierten Reha-Entlassungsberichten erhoben. Die Leistungsfähigkeit wurde außerdem zu beiden Befragungszeitpunkten von den Patienten selbst eingeschätzt. Mittels deskriptiver Analyseverfahren wurde die Fragestellung untersucht.

Ergebnisse:

Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen patientenseitiger und ärztlicher Leistungseinschätzung zu Reha-Ende (n=750). Bei einem Drittel der Patienten war die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit diskrepant zu der Beurteilung der Ärzte. Während sich davon 18 Patienten als voll leistungsfähig einschätzten aber von den Ärzten gegenteilig beurteilt wurden, gaben 368 Patienten eine geminderte Einschätzung der Leistungsfähigkeit an, von denen 63 % ärztlicherseits als voll leistungsfähig eingestuft wurden.

Beim Vergleich dieser Gruppe mit der Patientengruppe, die keine Diskrepanzen hinsichtlich des ärztlichen Urteils aufwies, ließen sich nicht nur im Hinblick auf soziodemografische Merkmale Unterschiede feststellen:
- Frauen stimmten signifikant weniger mit der Leistungsbeurteilung der Ärzte überein als Männer (p=0,036).
- Patienten, die aktuell nicht erwerbstätig waren, wiesen häufiger eine Diskrepanz zur ärztlichen Einschätzung der Leistungsfähigkeit auf als Erwerbstätige (p=0,04).
- Die Einschätzungen von Ärzten und Rehabilitanden waren in den psychosomatischen Einrichtungen wesentlich seltener übereinstimmend (p=0,00) als in den orthopädischen Einrichtungen.
- Patienten, die ihren Gesundheitszustand und ihre Arbeitsfähigkeit selbst als schlecht einschätzten, stimmten weitaus seltener (p=0,00) mit der Leistungseinschätzung des Arztes überein als diejenigen, die ihren Gesundheitszustand und ihre Arbeitsfähigkeit mit gut bewerteten.

Auffälligkeiten hinsichtlich des Alters, des Wohnortes, des Beziehungsstatus, des Schul- und Berufsabschlusses sowie des Einkommens konnten (auch in Subgruppenanalysen) nicht festgestellt werden.

Diskussion und Ausblick:

Das Geschlecht, der Erwerbsstatus und der Indikationsbereich stellen wichtige Prädiktoren diskrepanter Leistungseinschätzungen dar. Ungünstige subjektive Einschätzungen der Patienten zu ihrem Gesundheitsstatus und ihrer Arbeitsfähigkeit können in hohem Maße Abweichungen zwischen patientenseitigen und ärztlichen Einschätzungen erklären. Die komplexeren Bewertungen von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit mit den Instrumenten SF-36 und WAI weisen hohe Übereinstimmungen mit den eindimensionalen Skalen auf. Weitere Ergebnisse zur Stabilität der Einschätzung der erwerbsbezogenen Leistungsfähigkeit und der Erwerbstätigkeit werden sich aus der bis November 2012 laufenden katamnestischen Erhebung (sechs Monate nach Reha-Ende) ergeben und berücksichtigt.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357372


Informationsstand: 05.06.2013

in Literatur blättern