Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Erwerbsminderungsrenten wegen psychischer Erkrankungen und demografische Entwicklung

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Zielke, Manfred


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 327-328


Jahr:

2013



Abstract:


Problemstellung:

Seit mehreren Jahren ist eine Zunahme von Erwerbsminderungsrenten (EM-R) infolge von psychischen Erkrankungen zu beobachten. Dies gilt sowohl hinsichtlich der absoluten Fälle als auch bei den relativen Anteilen im gesamten Frühberentungsgeschehen. Als Ursachen für diese Entwicklung werden ein Diagnose-Shifting im Begutachtungsverfahren und/oder eine fortschreitende Verminderung des Leistungsvermögens und der korrespondierenden Erwerbsfähigkeit infolge von zunehmenden Belastungen der Arbeitswelt angenommen. Die diesbezüglichen Bewertungen einer solchen Entwicklung variieren je nach Interessenlage der 'Stakeholder' in der Gesundheitsversorgung und können allenfalls als Gedankenspiele verstanden werden.

Methodik und Zielsetzung:

Auf der Basis der Rentenstatistik der gesetzlichen Rentenversicherung wird eine Häufigkeitsanalyse der EM-R wegen einer Depression (ICD-10:F3) in den für Frühberentungen kritischen Altersjahrgängen (48-52 Jahre) durchgeführt und in Relation gesetzt zu den demografischen Entwicklungen bei den Erwerbstätigen (50-54 Jahre) in den korrespondierenden Altersjahrgängen.

Ergebnisse:

Das mittlere Zugangsalter von EM-R wegen einer Depression beträgt bei langjährigen Verlaufsbetrachtungen (Zielke, 1993) und ebenfalls im aktuellen Beobachtungszeitraum etwa 50 Jahre. Der Zuwachs an EM-R wegen einer F3-Erkrankung ist hinsichtlich der Fallzahlen (17.306 Fälle in 2005, 27.588 Fälle in 2010) und der relativen Anteile im Frühberentungsgeschehen (10,6 % in 2005, 15,3 % in 2010) deutlich nachweisbar. Die demografische Entwicklung der Geburten im Zeitraum von 1955 bis 1960 zeigt geburtenstarke Jahrgänge (Baby-Boomer-Jahrgänge), die nunmehr zwischen 2005 und 2010 in die erwerbsminderungskritischen Zeitfenster gelangen. Die Anzahl der RV-Versicherten in der Altersspanne von 50 bis 54 Jahren nimmt im Beobachtungszeitraum von 2005 (n=3.915.824) bis 2010 (n=4.438.186) kontinuierlich zu. Der Zuwachs an EM-R wegen Depressionen verläuft nahezu deckungsgleich zu dem Anwachsen der Anzahl der nunmehr 50- bis 54-jährigen Erwerbstätigen. Die entsprechende Korrelation beträgt R=0,987.

Bewertung und Folgerung:

Erwerbsminderungsrenten infolge von Depressionen als häufigste psychische Erkrankung nehmen im Beobachtungszeitraum tatsächlich und deutlich zu. Die bisher auf der Ebene vager Vermutungen vertretenen Gründe hierfür spielen allenfalls eine marginale Rolle. Da die geburtenstarken Jahrgänge nunmehr in Risikofenster für Erwerbsminderungsrenten infolge psychischer Erkrankungen gelangen, ist dieser Zuwachs nahezu ausschließlich der demografischen Entwicklung geschuldet.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357373


Informationsstand: 05.06.2013

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