Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche und psychische Belastungen bei Krebspatienten und die Rückkehr zur Arbeit nach stationärer Rehabilitation

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Böttcher, Hilke M.; Steimann, Monika; Ullrich, Anneke [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 428-429


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund:

Krebspatienten im erwerbsfähigen Alter berichten häufig, dass die Rückkehr zur Arbeit einen hohen Stellenwert hat (Böttcher et al., 2012). Zur Unterstützung der beruflichen Rückkehr sind berufsspezifische Rehabilitationsprogramme notwendig (de Boer et al., 2011). Patienten mit psychischen und beruflichen Belastungen sollten früh identifiziert und intensiviert beraten werden. Dabei erscheint es sinnvoll, vor allem psychosoziale und berufsbezogene Aspekte zu berücksichtigen, an denen die Patienten arbeiten können. Bislang existiert allerdings nur wenig Literatur darüber, welchen Zusammenhang subjektive Faktoren wie beispielsweise die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit tatsächlich mit der Rückkehr zur Arbeit haben (de Boer et al., 2008; Mehnert, Koch, 2012). Ziel der Untersuchung war es, das Ausmaß an Belastungen zu erheben sowie subjektive Parameter zu identifizieren, welche die Rückkehr zur Arbeit erschweren könnten.

Methode:

Zu Beginn der stationären Rehabilitation (T1) sowie ein halbes (T2) und ein Jahr (T3) nach Ende der Maßnahme beantworteten die Patienten den Fragebogen zur Erhebung beruflicher Gratifikationskrisen (ERI), das Screening Instrument Beruf und Arbeit in der Rehabilitation (SIBAR) und den Fragebogen zur Erhebung arbeitsbezogener Erlebens- und Verhaltensmuster (AVEM). Weiterhin wurden psychische Belastung und Lebensqualität erhoben (unter anderem EORTC QLQ-C30) sowie medizinische und soziodemografische Daten. Die Auswertung erfolgte anhand von T-Tests, Chi2-Tests sowie logistischer Regression. Die Rückkehr zur Arbeit ein Jahr nach der Rehabilitation wurde anhand der T1- Daten vorhergesagt. Für die Regressionsanalyse wurden fehlende Daten zu Beginn der Rehabilitation anhand von Median, Modus oder Mittelwert imputiert.

Ergebnisse:

477 Patienten nahmen zu Beginn der Rehabilitation an der Befragung teil, ein Jahr nach der Maßnahme beantworteten noch 336 Patienten den Fragebogen. Insgesamt sind 22 % der Patienten ein Jahr nach Ende der Rehabilitation nicht zur Arbeit zurückgekehrt. Die nicht zurückgekehrten Patienten berichten zu T1 im Vergleich zu den wieder arbeitenden Patienten eine schlechtere Lebensqualität (signifikant niedrigere Werte auf allen EORTC QLQ-C30 Funktionsskalen außer bezüglich der sozialen Funktion: p=0.001 bis p=0.016). Ein höherer Anteil der nicht zurückgekehrten Patienten weist zu Beginn der Rehabilitation das Risiko einer beruflichen Gratifikationskrise (ERI: p<0,001) sowie einer Frühberentung auf (SIBAR: p<0,001). Weiterhin sind signifikant mehr Nichtrückkehrer im Vergleich zu wieder arbeitenden Patienten zu T1 beruflich weniger leistungsfähig (SIBAR: p<0,001) und geben eine berufliche Belastung an (SIBAR: p<0,001). Bezüglich arbeitsbezogener Erlebensmuster berichten die noch nicht zurückgekehrten Patienten von einer niedrigeren Distanzierungsfähigkeit im Beruf (AVEM: p=0,008) und einer geringeren Lebenszufriedenheit (p=0,015). Arbeitslosigkeit zu Beginn der Rehabilitation (OR 6.63, p<0,001) sowie ein erhöhtes Frühberentungsrisiko (OR 3.46, p<0,001) und eine subjektiv empfundene eingeschränkte (OR 3,50, p=0,001) berufliche Leistungsfähigkeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, nicht zur Arbeit zurückzukehren.

Schlussfolgerungen:

Insgesamt ist die Rückkehrrate von 78 % nach onkologischer Rehabilitation sehr hoch. Patienten, die nicht zur Arbeit zurückkehren, weisen zu Beginn der Maßnahme sowohl eine höhere psychische wie auch berufliche Belastung auf. Dies macht deutlich, dass ein frühes Screening hinsichtlich subjektiver Parameter helfen kann, Patienten zu identifizieren, die Schwierigkeiten bei der Rückkehr zur Arbeit haben könnten. Ein besonderer Schwerpunkt in der Beratung sollte der Umgang mit beruflichen Problemen sowie das Erlernen von neuen Verhaltensstrategien sein, um mit schwierigen berufsbezogenen Situationen umzugehen. Da die eigene Einschätzung der beruflichen Leistungsfähigkeit bei der Wahrscheinlichkeit der beruflichen Rückkehr eine Rolle spielt, sollte besprochen werden, inwiefern diese realistisch eingeschätzt wird und wie ein leistungsgerechter Wiedereinstieg gestaltet werden kann. Darüber hinaus erscheint es sinnvoll, Patienten, die zu Beginn der Rehabilitation arbeitslos sind, gezielt an Beratungsstellen weiterzuverweisen, die die Patienten auch über die Rehabilitationsmaßnahme hinaus bei der Arbeitssuche unterstützen können.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV357383


Informationsstand: 05.06.2013

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