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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Was kann Megaredo zum MBOR-Screening beitragen?

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Jolivet, Benedicte; Fischer, Harald


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 445-446


Jahr:

2013



Abstract:


Einleitung:

Von Programmen zur Etablierung einer gezielten medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) erhofft man sich eine Verbesserung der beruflichen Integration von Rehabilitanden. Ziel dieses Beitrags ist anhand unseres langjährig etablierten Dokumentationssystems für gastroenterologische Patienten Megaredo (MEtabolisch GAstroenterologisch REha-spezifische DOkumentation) (Rosemeyer et al., 2000), einen Überblick zu bekommen, welcher Bedarf an MBOR bei Patienten einer Fachklinik für Gastroenterologie und Stoffwechsel sich ergibt.

Methode:

Das so genannten 'Würzburger Screening' (Löffler et al., 2009) dient zur Erkennung von Bedarf und Motivation zur MBOR. Manche Items (zum Beispiel zu Rentenantrag, Wiederaufnahme der Tätigkeit nach Abschluss der Reha) sind in ähnlicher Form in Megaredo vorhanden. Retrospektiv haben wir drei Patienten-Jahrgänge unserer Klinik (2009-2011) analysiert.

In Anlehnung an das 'Würzburger Screening' wurden die Patienten wie folgt kategorisiert:
- Kein MBOR-Bedarf: Patient berufstätig, beabsichtigt seine Tätigkeit nach der Reha wiederaufzunehmen
- MBOR-Bedarf vorhanden: Alle arbeitslosen Patienten, alle Patient mit EU-Rente und berufstätige Patienten, die bei der Frage 'Lässt Ihr Gesundheitszustand aus ihrer Sicht eine Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit wieder zu' mit 'nein' oder 'weiß nicht' geantwortet haben.
- Motivation zur MBOR vorhanden, wenn vom Arzt als 'motiviert zur Arbeitswiederaufnahme' eingestuft und/oder der Patient gibt als Reha-Ziel 'Ich möchte Hilfen, um weiter oder wieder arbeiten zu können' an.

Ergebnisse:

Von Januar 2009 bis Dezember 2011 wurden 6.929 Patienten im Bereich Gastroenterologie und Stoffwechsel aus der Klinik entlassen. Bei 5.348 (77 %) Patienten war eine sozialmedizinische Beurteilung erforderlich. Es handelte sich zu 49 % um gastroenterologischen Patienten (18 % onkologisch) und zu 51 % um Patienten mit Stoffwechsel-Erkrankungen (31 % Diabetes, 20 % Übergewicht). Bei 4.632 (87 %) Patienten sind die verschiedenen Items ausreichend beantwortet, so dass der MBOR-Bedarf definiert (s. o.) werden kann. 1.874 Patienten, entspr. 35 % der Stichprobe, wurden als MBOR-bedürftig und -motiviert eingestuft.

Der Bedarf war insgesamt bei 55 % vorhanden, bei den onkologischen Patienten am höchsten (62 %) und bei den Patienten mit Diabetes am niedrigsten (49 %). Bei den Bedürftigen war die Motivation bei 73 % vorhanden, bei den adipösen Patienten am höchsten (81 %) und bei den onkologischen Patienten am niedrigsten (62 %). Der MBOR-Bedarf war häufiger bei ungelernten Arbeitern (73 %), bei Migranten (71 %) und bei Rehabilitanden, die mit ihrer aktuellen (oder zuletzt ausgeübten) Tätigkeit unzufrieden waren (69 %). Bei den MBOR-Bedürftigen sind die Motivierten im Vergleich zu den Nicht-Motivierten 3 Jahre jünger (48 J. vs 51 J.; p<0,001) und häufiger berufstätig (58 % vs 30 %; p<0,001).

Bei vorhandenen Bedarf und fehlender Motivation wurden die Patienten in 40 % der Fälle arbeitsunfähig für die letzte Tätigkeit (unter 3 Std.) entlassen. Als langjährig etablierte Maßnahme zu Unterstützung der sozialmedizinische Wiedereingliederung wird von der Sozialarbeiterin eine Gruppenbetreuung (so genannte 'Sozialgruppe') bei langen AU-Zeiten und/oder Arbeitslosigkeit regelhaft durchgeführt. Die Teilnahmequote an dieser Sozialgruppe war bei den Patienten ohne Bedarf (laut Screening) 13 %, bei Patienten mit Bedarf und ohne Motivation 28 % und bei bedürftigen und motivierten Patienten 60 % (p<0,001). Die Einleitung einer stufenweisen Wiedereingliederung während der Reha erfolgte bei 7 % aller Berufstätigen, bei 9 % wenn MBOR-Bedarf und -Motivation vorhanden waren und nur bei 1 % der nicht motivierten Patienten.

Schlussfolgerung:

Anhand von Megaredo ist ein Screening auf sozialmedizinische Problemfälle möglich. Etwa ein Drittel unserer Patienten in den Indikationen Gastroenterologie und Stoffwechsel scheint danach für MBOR-Maßnahmen geeignet, was mit der Bedarfsanalyse in der Literatur (MBOR Praxishandbuch der DRV) übereinstimmt. Eine prospektive Erhebung, um die Zuverlässigkeit des Instruments zu evaluieren, erscheint uns sinnvoll.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

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Referenznummer:

R/NV357386


Informationsstand: 05.06.2013

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