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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Differenzielle Rehabilitation bei pathologischem PC-/Internet-Gebrauch: Ergebnisse zur Teilhabe am Erwerbsleben im Viergruppenvergleich mit Suchtkranken, pathologischen Glücksspielern und psychosomatisch Kranken

Vortrag auf dem Zweiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 4. bis 6. März 2013 Mainz



Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?


Autor/in:

Schuhler, Petra; Sobottka, Bernd; Flatau, M. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2013, Seite 497-499


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Patienten mit pathologischem PC-/Internet-Gebrauch werden - bei steigenden Fallzahlen - seit circa 10 Jahren im Rahmen stationärer medizinischer Rehabilitation behandelt. Ein Vergleich dieser Patienten mit Patienten anderer psychischer Erkrankungen kann das fachliche Verständnis für das neue Krankheitsbild und adäquate rehabilitative Maßnahmen schärfen, wie es sich ein zweijähriges Forschungsprojekt (Schuhler et al., 2012), zur Aufgabe gemacht hat: Das relativ neue Krankheitsbild pathologischer PC-/Internet-Gebrauch wird hinsichtlich relevanter diagnostischer, symptomatologischer, sowie persönlichkeitsbezogener und sozial-beruflicher Merkmale verglichen mit drei anderen großen Patientengruppen, nämlich Suchtkranken, pathologischen Glücksspielern und psychosomatisch Kranken mit anderen psychischen Störungen im Rahmen der stationären Reha-Behandlung in den Indikationsgebieten Sucht und Psychosomatik.

Der steigenden Behandlungsnachfrage steht derzeit noch geringes klinisches oder gar rehabilitatives Wissen auf empirischer Basis gegenüber. Das Projekt richtete sich deshalb darauf, das komplexe Krankheitsbild zu erhellen und neben der Erarbeitung nosolgischer und pathognomonischer Einordnungsgesichtspunkte die beruflich-soziale Situation der Patienten mit pathologischem PC-/Internet-Gebrauch zu analysieren. Aus den Forschungsergebnissen werden deshalb die Resultate berichtet, die sich im differenziellen Vergleich mit dem Spannungsfeld zwischen spezifischer beruflich sozialer Belastetheit und Integrationsanforderung beschäftigen.

Methodik:

Teilrandomisiert wurden 400 Patienten und Patientinnen der Kliniken Münchwies und Schweriner See in die Studie einbezogen und je 100 Patienten pro Untersuchungsgruppe für die Studie gewonnen. Als Untersuchungsmerkmale wurden neben Symptomatologie, Depressivität, Impulsivität, Persönlichkeitsvariablen und Merkmale der Selbstwert- und Beziehungsregulierungsfähigkeit im Viergruppenvergleich erfasst: Alter, Geschlecht, Schulabschluss, berufliche Stellung, die Partnerschaftssituation, Erwerbsstatus, Ausbildung, monatliches Einkommen, Arbeitsunfähigkeitszeiten, therapeutisches Urteil bei Entlassung, Entlassungsart, Prognose, die sozialmedizinische Leistungsbeurteilung bei Entlassung.

Ergebnisse:

Patienten der PC-Gruppe sind signifikant jünger als die Patienten jeder der drei anderen Gruppen. In der Gruppe PC liegt ein höherer Männeranteil vor, auch im Vergleich zu den Glücksspielern, bei denen die Männer weit in der Überzahl sind. Die Gruppe PC weist bedeutend häufiger qualifiziertere schulische Abschlüsse auf, die Patienten sind aber am häufigsten arbeitslos bzw. sind trotz des Durchschnittsalters von 30 Jahren noch in erschwerten, prolongierten Ausbildungsverläufen. Entsprechend hat die Gruppe PC weitaus weniger Einkommen zur Verfügung als die Patienten der drei anderen Untersuchungsgruppen. Hinsichtlich der Merkmale ‚therapeutisches Urteil bei Entlassung', ‚Entlassungsart' und ‚Prognose' weist die Untersuchungsgruppe PC die günstigsten Ergebnisse im Gruppenvergleich auf. Hinsichtlich des rehabilitativ bedeutsamen Merkmals ‚Leistungsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit' wird in der PC-Gruppe am häufigsten vollschichtige Leistungsfähigkeit am Ende der Behandlung erlangt. Die Patienten der Gruppe PC weisen bei Entlassung ebenfalls weniger Leistungseinschränkungen auf, obwohl die prästationären AU-Zeiten ebenso hoch ausgeprägt sind wie die der anderen Patientengruppen. Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit für den allgemeinen Arbeitsmarkt wird bei der PC-Gruppe in allen Fällen vollschichtige Leistungsfähigkeit erreicht. Dies unterscheidet sie signifikant von den Suchtkranken und psychosomatisch Kranken.

Diskussion:

Der ausgeprägten prästationären Problematik hinsichtlich der beruflichen Leistungsfähigkeit bei Patienten mit pathologischem PC-/Internet-Gebrauch - wodurch die Erkrankung wenn nicht immer ausgelöst, aber doch wesentlich aufrechterhalten wird - stehen besonders günstige Rehabilitationseffekte bei Behandlungsende gegenüber. Diese hohe Zielerreichung hängt aber davon ab, dass spezifische psychotherapeutische Maßnahmen im multimodalen Reha-Programm durchgeführt werden (Baumeister, 2010; Schuhler, Vogelgesang, 2011; 2012). Zusammenhänge zwischen Arbeitserleben und -verhalten in Verbindung mit der Computer/Internet-Erkrankung sind im Reha-Verlauf in besonders sorgfältiger Weise zu erarbeiten, um eine berufliche Perspektive erschließen zu können. Dabei haben die Projektergebnisse (Schuhler et al., 2012) gezeigt, dass zur Erreichung dieser Zielsetzung, zentrale Merkmale sozial-interaktiver Beziehungsregulations- und Selbststeuerungsfähigkeit, sowie der Handlungsfähigkeit, prioritär im psychotherapeutischen Plan zu berücksichtigen sind.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '22. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Teilhabe 2.0 - Reha neu denken?' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

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Referenznummer:

R/NV357389


Informationsstand: 05.06.2013

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