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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

MBOR - Indikation und Evaluation anhand des Fragebogens Indikatoren des Reha-Status (IRES-3)

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Schlittenhardt, Daniel; Schiel, A.; Rossberg, K. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 59-61


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Für Rehabilitanden mit besonderer beruflicher Problemlage (BBPL) wird am RehaKlinikum Bad Säckingen eine intensivierte medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation angeboten.Als BBPL gelten in diesem Kontext lange oder häufige Arbeitsunfähigkeitszeiten, eine negative subjektive berufliche Prognose sowie die Absicht, einen Rentenantrag zu stellen. Wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Verbesserung der beruflichen Integration durch den Einbezug des Arbeitgebers (zum Beispiel telefonische Kontakte mit Zustimmung des Rehabilitanden, Diskussion von Modifikationen am Arbeitsplatz). Im Rahmen eines telefonisch durchgeführten Case Managements im Anschluss an die Reha-Maßnahme wird geprüft, ob weitere Unterstützungs- oder Informationsangebote notwendig sind.

Konzept:

Die interdisziplinär durchgeführte MBOR-Maßnahme findet in halb-offenen Gruppen statt. Aufbauend auf einer berufsspezifischen Diagnostik sind alle Behandlungsbausteine auf die spezifische, individuelle berufliche Problemlage des Rehabilitanden ausgerichtet, zum Beispiel berufsspezifische Physio-, Ergo und Sporttherapie (Belastungserprobung mittels EFL, Arbeitsplatztraining, Arbeitsmedizinische Trainingstherapie) oder berufsbezogene psychoedukative Patientenschulungen. Die medizinische Eingangsdiagnostik umfasst neben einer orthopädischen auch eine internistische Funktionsdiagnostik (Labor, EKG, gegebenenfalls Belastungs-EKG, Echokardiographie). Um kognitive und behaviorale Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit der beruflichen Situation zu diagnostizieren, wird außerdem der Fragebogen 'Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster' (AVEM) eingesetzt, der neben der berufsspezifischen Diagnostik eine Überleitung zum Modul der berufsspezifischen Psychoedukation herstellt.

Ergänzend wird bei individuellem Bedarf eine vertiefende Psychodiagnostik verwendet. Mit Hilfe von Screening-Ergebnissen aus dem IRES, dem Würzburger Screening und der SPE-Skala (Subjektive Erwerbsprognose) findet eine ausführliche berufsbezogene Diagnostik statt. Die Indikation zur Teilnahme am MBOR-Programm wird anhand des Fragebogens 'Indikatoren des Reha-Status (IRES-3)' gestellt, der seit ca. fünf Jahren routinemäßig bei Aufnahme und Entlassung bei allen PatientInnen des RehaKlinikums erhoben wird.

Der Fragebogen wurde in Anlehnung an die ICF entwickelt und erfasst mit 144 Items die vier Dimensionen des somatischen, funktionalen und psychosozialen Status sowie des Gesundheitsverhaltens. Die PatientInnen erhalten den Fragebogen zusammen mit der Benachrichtigung über den Zeitpunkt der Reha-Maßnahme und schicken ihn mit ihrer Anmeldung ausgefüllt zurück. Die Fragebögen werden dann umgehend in das internetbasierte Dateneingabe- und Auswertungsprogramm 'IRES-online' eingegeben, in dem ein so genanntes 'Patientenprofil' abgerufen werden kann.

In diesem Profil wird für die 27 Einzelskalen des IRES-3 jeweils der Prozentrang grafisch dargestellt, den der Skalenwert des betreffenden Patienten in der Normstichprobe des IRES einnimmt. Falls im Bereich der 'Funktionsfähigkeit im Beruf' (Beanspruchung am Arbeitsplatz, berufliche Sorgen, Arbeitszufriedenheit) beziehungsweise im Bereich des 'psychischen Befindens' extrem auffällige Belastungen bestehen, wird im Profil zusätzlich auf eine mögliche Indikation von medizinisch-beruflichen beziehungsweise psychologischen Maßnahmen hingewiesen. Die endgültige Indikation der entsprechenden Maßnahmen wird dann vom behandelnden Arzt getroffen.

Methodik und Ergebnisse:

Die Evaluation der MBOR erfolgt gleichfalls mit dem IRES-Fragebogen über einen Vergleich der Aufnahme- mit den Entlassungswerten und zusätzlich mit einer einfachen 'Berufsfit-Skala' (visuelle Analogskala 0 - 10), die ebenfalls bei Aufnahme und Entlassung erhoben wird. Bei einer Zwischenauswertung, in die n=139 Patient(inn)en einbezogen wurden, ergab sich auf der 'Berufsfit-Skala' eine durchschnittliche Verbesserung mit einer Effektstärke (standardized response mean) von SRM = 1.08, die als 'starker' Effekt zu interpretieren ist. Im IRES-Fragebogen zeigten sich in fast allen Bereichen (mit Ausnahme des Bereichs 'soziale Integration') extrem stark ausgeprägte Eingangsbelastungen: 80 bis 90 Prozent der PatientInnen wiesen zu Reha-Beginn Belastungswerte auf, wie sie in der normalen Bevölkerung bei maximal 10 Prozent vorkommen. Beim Vergleich der Aufnahme- mit den Entlassungswerten des IRES zeigten sich auf allen Skalen hochsignifikante Verbesserungen, die im IRES-Summenscore mit einer Effektstärke von SRM = 0,93 das Ausmaß 'starker' Effekte erreichten. 70 Prozent der PatientInnen hatten sich in einem relevanten Ausmaß (> 0,5 SRM) verbessert, 27 Prozent blieben quasi unverändert (± 0,5 SRM) und 2,5 Prozent hatten sich relevant verschlechtert.

Fazit:

Trotz dieser sehr guten Verbesserungen ist zu beachten, dass viele PatientInnen im Summenscore des Reha-Status und in einigen anderen Skalen auch bei der Entlassung noch Belastungswerte aufwiesen, die zwar nicht mehr im 'extrem auffälligen', aber immer noch im 'sehr auffälligen' Bereich liegen. Dies ist angesichts der oft langjährig chronifizierten Krankheitsbilder zwar nicht verwunderlich, fordert aber doch zu einer Intensivierung der Nachsorge und möglicherweise zu einer Verkürzung des Intervalls zwischen den Reha-Maßnahmen heraus.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362211


Informationsstand: 17.04.2014

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