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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Verzahnung medizinischer und beruflicher Rehabilitation: Welche Rehabilitanden benötigen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben?

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Zander, Janett; Grünbeck, Peter; Lindow, Berthold [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 88-90


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund und Fragestellung:

Der Grundsatz der gesetzlichen Rentenversicherung (RV) lautet nach dem Neunten Sozialgesetzbuch 'Rehabilitation vor Rente'. Diesen setzt die RV um, indem ihren Versicherten durch rehabilitative medizinische oder berufliche Leistungen nach Erkrankungen eine Rückkehr in das Erwerbsleben ermöglicht wird. Mit der Rehabilitation soll insbesondere einer vorzeitigen Berentung vorgebeugt werden. Eine Rehabilitation kann sich von einer medizinischen Rehabilitation über eine Leistung zu Teilhabe (LTA) erstrecken. Aus sozialmedizinischer Sicht ist eine LTA indiziert, wenn ein Missverhältnis von Belastung am Arbeitsplatz und Beanspruchung des Versicherten und seiner Leistungsfähigkeit vorliegen. An dieser Stelle ist es von Interesse, in welcher Größenordnung anhand der Daten aus dem ärztlichen Reha-Entlassungsbericht, der den Charakter eines sozialmedizinischen Gutachtens besitzt, Bedarfsgruppen für eine berufliche Rehabilitation vorliegen und ob diese von den medizinischen Reha-Einrichtungen als solche erkannt werden. Gibt es unter Berücksichtigung soziodemografischer Faktoren oder verschiedener Reha-Einrichtungen Auffälligkeiten? Hierzu gab es bisher keine umfassenden empirischen Untersuchungen.

Methodik:

Für die Auswertungen wurden Daten aus dem Reha-Entlassungsbericht und der Reha-Statistik-Datenbasis der RV zu Grunde gelegt, die im Jahr 2010 ihre orthopädische (n=370.088) beziehungsweise psychosomatische (n=116.381) Rehabilitation beendet haben. Zur Operationalisierung wurden vier mögliche LTA-Bedarfsgruppen definiert: Gruppe A: Rehabilitanden mit 'gespaltenem' Leistungsvermögen (Leistungsfähigkeit (letzter Beruf) unter 6 Stunden und Leistungsfähigkeit (allgemeiner Arbeitsmarkt) 6 Stunden und mehr, Gruppe B: Rehabilitanden mit einer Arbeitsunfähigkeit (AU) vor Reha über 3 Monate AU, Gruppe C: Negatives Leistungsvermögen: Einschränkungen Bewegungs- und Haltungsapparat, Gruppe D: Negatives Leistungsvermögen: Einschränkungen geistig/psychische Belastbarkeit.

Über alle Bedarfsgruppen wurde untersucht, ob die Reha-Einrichtungen eine LTA-Prüfung empfohlen hat (1), ob innerhalb eines Jahres nach Ende der Reha ein Antrag auf LTA gestellt wurde (2), ob (1) und (2) vorliegt und ob ein Antrag auf LTA bewilligt wurde (4). Zusätzlich wurden die Bedarfsgruppen A-D nach bestimmten soziodemografische Daten (Alter, Geschlecht, AHB bei orthopädischen Rehabilitanden), Versorgungsform (ambulant/stationär) und jeweils sechs stationäre und ambulante orthopädische und psychosomatische Reha-Einrichtungen untersucht.

Ergebnisse:

Bei der Größenordnung der möglichen Bedarfsgruppen ergibt sich ein differenziertes Bild: Am häufigsten werden bei mehr als einem Drittel der orthopädischen Rehabilitanden Einschränkungen des Leistungsvermögens des Bewegungsapparates (Gruppe C) angegeben. Bei den psychosomatischen Rehabilitanden dagegen sind bei fast jedem zweiten Rehabilitanden längere AU-Zeiten (Gruppe B) zu verzeichnen. Etwa jeder vierte Rehabilitand ist von psychisch bedingten Einschränkungen (Gruppe D) betroffen.

Die Gruppe A mit einem 'gespaltenem' Leistungsvermögen betrifft mit 19 Prozent überwiegend die orthopädischen Rehabilitanden, gefolgt von den psychosomatischen Rehabilitanden (11 Prozent). In der Gruppe A variiert der Anteil der beiden Rehabilitandengruppen bezüglich einer LTA-Empfehlung wie folgt: Orthopädische AHB-Rehabilitanden (42 Prozent) bekommen häufiger eine LTA-Empfehlung als psychosomatische Rehabilitanden (29 Prozent); in der Orthopädie erhalten die Männer (51 Prozent) häufiger eine LTA-Empfehlung als die Frauen (39 Prozent), während es in der Psychosomatik keine geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt; bei beiden Indikationen werden mit zunehmenden Alter weniger LTA-Empfehlungen ausgesprochen; bei beiden Indikationen erfolgen in der ambulanten Reha mehr LTA-Empfehlungen als in der stationären Reha; das LTA-Empfehlungsverhalten in den einzelnen orthopädischen und psychosomatischen Einrichtungen ist sehr unterschiedlich.

Schlussfolgerungen und Ausblick:

Die vier definierten Bedarfsgruppen sind über die beiden betrachteten Indikationen unterschiedlich groß. Die Begründung hierfür liegt auch in der jeweiligen Indikation: Psychosomatische Rehabilitanden haben beispielsweise längere AU-Zeiten vor der Reha, möglicherweise hervorgerufen durch die Chronizität der Erkrankung verbunden mit speziellen Versorgungsproblemen (Therapeuten am Wohnort). Eine besondere Bedeutung kommt der Gruppe A mit dem 'gespaltenen' Leistungsvermögen zu. Hier wird von den Reha-Einrichtungen anhand sozialmedizinischer Kriterien die Leistungsfähigkeit im letzten Beruf und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eingeschätzt. Für die Gruppe A werden die höchsten Anteile von LTA-Empfehlungen ausgesprochen. Mit steigendem Alter reduziert sich der Anteil ausgesprochener LTA-Empfehlungen, dies verweist unter anderem auf die altersspezifische Einschätzung zur Arbeitsmarktprognose. Die große Varianz in den LTA-Empfehlungen zwischen einzelnen Reha-Einrichtungen legt eine systematische Rückmeldung und Diskussion der Vorgehensweisen im Rahmen der externen QS und des internen QM nahe.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362225


Informationsstand: 17.04.2014

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