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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Mir ist nichts Menschliches fremd - Leistungssteuerung in der beruflichen Rehabilitation

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Mohnberg, Inka; Lay, Waltraud; Radoschewski, Friedrich Michael


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 90-92


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) umfassen ein breites Leistungsangebot, das von Hilfen zur Erlangung oder Erhaltung eines Arbeitsplatzes, Leistungen zur Auswahl von Leistungen, Berufsvorbereitung bis hin zu beruflicher Anpassung und Weiterbildung reicht. Erste Analysen des Längsschnittdatensatzes 'SUF Abgeschlossene Rehabilitation im Versicherungsverlauf 2002-2009' des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung zeigten, dass rund 40 Prozent der Rehabilitanden mehr als eine LTA erhalten haben. Diese Perspektive rückt den Fokus von der Betrachtung einzelner Leistungen auf Versorgungsprozesse im Bereich der LTA, den zu Grunde liegenden Bedarfslagen und Fragen der bedarfsgerechten Steuerung der Leistungen im Verlaufe individueller Reha-
Prozesse.

Fragestellung:

Zielsetzung der qualitativen Untersuchungsphase des von der Deutschen Rentenversicherung Bund geförderten Projektes 'Leistungsketten und Leistungsallokation in der Rehabilitation der Rentenversicherung' (LEIKA) ist es, über unterschiedliche Datenquellen systematisch weitere Informationen über die Entstehung und Steuerung von Leistungsabfolgen in der Rehabilitation zu gewinnen. Eine zentrale Fragestellung ist, welche Prozesse und Faktoren, die in der beziehungsweise für die Entscheidungsfindung und Leistungssteuerung eine wesentliche Rolle spielen.

Methodik:

Dazu wurden neben formalen Dokumentenanalysen und inhaltlichen Aktenanalysen insgesamt 16 leitfadengestützte Experteninterviews mit Reha-Fachberatern bei drei Rentenversicherungsträgern durchgeführt. Die Mehrzahl der Interviews fand am Arbeitsort der Befragten statt, drei Interviews wurden als Telefoninterview realisiert. Die Auswertung orientierte sich an der interpretativen Auswertungsstrategie für leitfadenorientierte Experteninterviews. Es wurden zusätzlich Techniken der Grounded Theory eingesetzt. Die Auswertung erfolgte mit Hilfe des Programms MAXQDA10.

Ergebnisse:

Die Beratungen durch die Reha-Fachberater dienen der Sachinformation der Versicherten, wie auch der Ergänzung bereits vorhandener Angaben im persönlichen Gespräch. 'Sich ein Bild von dem Versicherten machen', aber zugleich 'Schubladendenken vermeiden' kann als eine Beschreibung für eine möglichst umfassende Berücksichtigung der gesundheitlichen Situation, der Funktionsfähigkeit des Versicherten sowie umwelt- und personbezogener Faktoren in Bezug auf die Einschätzung der Bedarfslage, der weiteren Beratung und Leistungssteuerung gesehen werden. Unterschiedliche Konstellationen führen zu individuellen Bedarfslagen, Möglichkeiten aber auch Grenzen. Einzelnen Faktoren kann eine besonders große Bedeutung zukommen, so dass trotz der theoretischen Möglichkeit des Erhalts bedarfsgerechterer beziehungsweise zielführenderer Leistungen diese mangels Vereinbarkeit mit der Lebenssituation der Betroffenen oder mangels Angebots nicht zustande kommen können. Hier müssen Kompromisslösungen gefunden werden. Das betrifft zum Beispiel eine eingeschränkte Mobilität durch Fehlen eines Führerscheins und Wohnen in einer ländlichen Region oder die Sorge für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige bei gleichzeitig fehlenden Teilzeitangeboten. Die Motivation des Versicherten gilt als wichtige Voraussetzung für eine positive Erfolgsprognose.

Einer gemeinsamen Entscheidungsfindung in Bezug auf Zielstellung und Maßnahme wird eine hohe Bedeutung zugemessen. Schwierige Entscheidungsprozesse entwickeln sich insbesondere dann, wenn Neigung und Eignung konfligieren. Das kann dann der Fall sein, wenn Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit mit den Anforderungen der von den Versicherten gewünschten Berufstätigkeit nicht übereinstimmen und eine nachhaltige Integration deshalb nicht abzusehen ist. In der Interaktion mit Versicherten stellen die Beratung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Bewältigungsprozesse, die sich für die Versicherten aus ihren gesundheitlichen Einschränkungen und der einhergehenden biographischen Umbruchsituation ergeben, besondere Herausforderungen dar.

Diskussion:

Entscheidungen von Reha-Fachberatern können in einem Spannungsfeld stehen. Dabei geht es darum, die individuelle Lebenssituation des Versicherten, ihre gesundheitliche Situation, ihre Vorstellungen und Neigungen, die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die Bewältigung der LTA, wie auch die Aussicht auf langfristige Integrationschancen durch eine Leistung sowie deren faktische Realisierbarkeit auszutarieren. Reha-Assessments, Arbeitserprobungen und Berufsfindungen, aber auch ausreichend Zeit für Information und Entscheidungsfindung werden als wichtige Elemente für die gemeinsame Erarbeitung von Alternativen bei divergierenden Einschätzungen angesehen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362226


Informationsstand: 17.04.2014

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