Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Zur Arbeitsmarktabhängigkeit beruflicher Bildungsleistungen

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Streibelt, Marco


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 100-101


Jahr:

2014



Abstract:


Einleitung:

Berufliche Bildungsleistungen (BB) nehmen bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung (DRV) eine herausgehobene Stellung ein. Ausgerichtet auf Menschen, die aufgrund einer chronischen Erkrankung ihre ursprüngliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können, dienen sie der Befähigung zur gleichberechtigten
beruflichen Teilhabe dieser Menschen (Return to work, RTW). Es werden Integrationsleistungen (IN) und Qualifizierungsleistungen (QU) unterschieden. Im Zentrum letzterer steht die (teilweise) berufliche Neuausrichtung durch Erlangung einer neuen beruflichen Qualifikation. Integrationsleistungen bauen dagegen auf bestehenden Qualifikationen auf und versuchen, den Betroffenen durch das gezielte Training spezifischer Kompetenzen und eine enge Begleitung einen neuen Arbeitsplatz zu vermitteln. Durchschnittlich werden für Qualifizierungsleistungen bessere RTW-Ergebnisse berichtet, was häufig mit der unterschiedlichen Zielgruppe erklärt wird. Unklar ist jedoch, ob die unterschiedliche Ergebnisqualität auch in Abhängigkeit der jeweiligen Arbeitsmarktlage variiert.

Methoden:

Zu Beantwortung der Forschungsfrage wurde auf die durch die Bildungsträger dokumentierten Integrationsergebnisse beruflicher Bildungsleistungen im Anerkennungsverfahren der DRV Bund zurückgegriffen. Es wurden alle Personen eingeschlossen,
die ihre Bildungsleistung in den Jahren 2006 bis 2011 abschlossen. Ausgeschlossen wurden Daten von Standorten mit weniger als fünf Teilnehmenden. Die Arbeitsmarktlage wurde anhand der durchschnittlichen Arbeitslosenquote in Abhängigkeit von Bundesland und Abschlussjahr operationalisiert. Basierend auf vorangegangenen Arbeiten wurde die logarithmierte Arbeitslosenquote verwendet. Der Einfluss des Arbeitsmarktes auf das RTW wurde mittels eines hierarchischen Mehrebenenmodells (HMM) mit Logit-Verknüpfung geschätzt. Neben den Haupteffekten für die Arbeitslosenquote und die Leistungsart erfolgte die Prüfung differenzieller Effekte durch die Interaktion der beiden Informationen. Das Modell berücksichtigte zudem Alter, Geschlecht, Dauer der Leistung, Abschlussjahr und Abbruchquote als feste Effekte und den Standort als zufälligen Effekt.

Ergebnisse:

Insgesamt lagen für die Analyse die Daten von 6.345 Teilnehmenden an 133 Standorten vor. 40,7 Prozent von ihnen absolvierten eine Qualifizierungsleistung. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei Abschluss lag bei 10,0 Prozent. Eine erfolgreiche Wiedereingliederung wurde bei 52,4 Prozent in QU, dagegen nur bei 42,1 Prozent in Integrationsleistungen berichtet. Das HMM identifizierte eine erwähnenswerte Interaktion von Leistungsart und Arbeitslosenquote (p=.14). Bei durchschnittlicher Arbeitslosigkeit war die Teilnahme an Qualifizierungsleistungen mit einer 1,2-fach erhöhten Chance beruflicher Wiedereingliederung assoziiert. Bei Steigerung der Arbeitslosigkeit um einen logarithmierten Prozentpunkt verringerte sich das Chancenverhältnis zugunsten der Qualifizierungsleistungen um das 0,8-fache, das heißt um mehr als 20 Prozent QU. Bei maximaler Arbeitslosigkeit erhöhte die Teilnahme an Qualifizierungsleistungen die Chance beruflicher Wiedereingliederung nicht. Bei minimaler Arbeitslosigkeit ging die Teilnahme an einer Qualifizierungsleistung sogar mit einer rund 1,5-fach erhöhten Chance beruflicher Wiedereingliederung einher.

Diskussion:

Die Analyse belegt die unterschiedliche Arbeitsmarktsensitivität beruflicher Bildungsleistungen. Insbesondere der Erfolg von Qualifizierungsleistungen ist von der regionalen Arbeitslosenquote abhängig: Bei mehr als 15 Prozent konnten laut Modell nur 40 Prozent der Teilnehmenden beruflich reintegriert werden. Der Erfolg steigerte sich mit sinkender Arbeitslosigkeit bis auf 61 Prozent bei weniger als 5 Prozent Arbeitslosigkeit. Integrationsleistungen wiesen dagegen übergreifend eine weniger stark steigende RTW-Quote auf (39 Prozent bis 47 Prozent). Die Unterschiede können aufgrund der Adjustierung nicht auf das Alter oder Geschlecht der Teilnehmenden oder die unterschiedliche Dauer der Leistung bzw. unterschiedliche Abbruchquoten zurückgeführt werden. Dies hat insbesondere Implikationen für zukünftige Studien zu Einflussfaktoren auf RTW nach BB. Diese sollten den arbeitsmarktbezogenen Kontext in ihren Modellen berücksichtigen, wenn es um den Einfluss der Leistungsart geht, denn: In Zeiten schlechter Arbeitslosigkeit unterscheiden sich diese kaum, während bei guter Arbeitslosigkeit große Unterschiede der Leistungsarten nachweisbar sind.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362231


Informationsstand: 17.04.2014

in Literatur blättern