Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Maßnahmedauer und Rehabilitationserfolg bei Integrationsmaßnahmen für psychisch erkrankte RehabilitandInnen - Vergleich zweier Maßnahmeformate

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Eichert, Hans-Christoph


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 102-103


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

In der beruflichen Rehabilitation psychisch Kranker spielen Integrationsmaßnahmen mit früher betrieblicher Integration eine wichtige Rolle. Auch die von der Arbeitsagentur ausgeschriebene Maßnahme 'Berufliche Reintegration psychisch Kranker' (BeRepK) folgte diesem Ansatz, allerdings mit wesentlich kürzeren Teilnahmezeiten und Betriebspraktika. In diesem Beitrag wird sie hinsichtlich Konzept, Teilnehmerstruktur und Rehabilitationserfolg mit einem ähnlichen, durch die DRV Bund anerkannten Integrationsseminar (IS) verglichen, über das an anderer Stelle bereits berichtet wurde. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich deutlich kürzere Teilnahmezeiten auf das Rehabilitationsergebnis auswirken.

Maßnahmekonzepte:
Beiden Konzepten sind die Orientierung an den individuellen beruflichen Zielen der TeilnehmerInnen, der Bezug zum regionalen Arbeitsmarkt, die regionale Vernetzung sowie eine intensive begleitende Einzelbetreuung gemeinsam. IS dauert ein Jahr und besteht aus zwei Modulen. Modul 1 dauert vier Monate und dient der Bestandsaufnahme, der Entwicklung einer Berufsperspektive und der Planung des individuellen Seminarverlaufs. Es beinhaltet psychologische Diagnostik, Unterricht und Training. Modul 2 dauert acht Monate und beinhaltet Teilqualifizierung und Praktika (3 Monate). Zeitlicher Verlauf und inhaltliche Ausrichtung richten sich nach dem individuellen Bedarf der TeilnehmerInnen. Anschließend findet eine sechsmonatige Nachbetreuung statt. BeRepK dauert acht Monate und besteht ebenfalls aus zwei Modulen. Modul 1 dauert drei Monate und gleicht hinsichtlich Zielsetzung und Inhalten weitgehend IS. Modul 2 dauert fünf Monate und findet in stark verkürzten Praktika (4 Wochen) statt. Eine Nachbetreuung ist nicht obligatorisch.

Methodik:

Verglichen wurden exemplarisch Teilnehmerstruktur und Rehabilitationserfolg des Abschlussjahrgangs 2012 (IS: N=29; BeRepK: N=20). Der Rehabilitationserfolg wurde direkt nach Maßnahmeende (MZP1), nach sechs (MZP2) und 12 Monaten (MZP3) erhoben. Die Auswertung erfolgte dem Datenniveau entsprechend mit nicht-parametrischen Verfahren.

Ergebnisse:

Die Teilnehmerstruktur unterscheidet sich signifikant hinsichtlich Alter, Familienstand (IS: häufiger geschieden, BeRepK häufiger ledig, Arbeitslosigkeitsdauer vor Maßnahmebeginn. Ein tendenzieller Unterschied ergab sich hinsichtlich des letzten Berufsfeldes, das bei IS häufiger im sozialen Bereich lag. Keine signifikanten Unterschiede ergaben sich hinsichtlich Geschlecht, Schul- und Berufsbildung, gesundheitlicher Situation sowie angestrebtem Zielberufsfeld und Integrationsform. Rehabilitationserfolg. Der Anteil erfolgreicher TeilnehmerInnen war an MZP1 bei IS tendenziell größer. An MZP2 waren IS-TeilnehmerInnen doppelt so häufig in versicherungspflichtiger Beschäftigung, BeRepK-TeilnehmerInnen dagegen häufiger in Umschulung und geringfügiger Beschäftigung. Bei MZP3 waren diese Unterschiede noch deutlicher. Bei IS zeigten sich signifikante mittlere Korrelationen zwischen allen MZP, nicht aber bei BeRepK. Die individuelle Teilnahmedauer korrelierte in der Gesamtstichprobe signifikant positiv mit dem Rehabilitationserfolg bei MZP1 sowie MZP3.

Schlussfolgerungen:

Hinsichtlich der Ausgangsfragestellung kann man feststellen:
1. Der Rehabilitationserfolg ist bei IS an MZP1 tendenziell größer,
2. der Integrationsanteil in versicherungspflichtige Beschäftigung ist bei IS an MZP2 und MZP3 deutlich höher und
3. die Stabilität des Rehabilitationserfolgs ist bei IS höher.

Eine Rolle beim geringeren Rehabilitationserfolg in BeRepK könnte die längere Dauer der Arbeitslosigkeit vor Maßnahmebeginn spielen. Andererseits ist das Durchschnittsalter, das ebenfalls ein relevanter Faktor beim Rehabilitationserfolg ist, bei IS deutlich höher. Der Zusammenhang zwischen individueller Teilnahmedauer und Rehabilitationserfolg in der Gesamtstichprobe verweist darauf, dass auch die kürzere Dauer der Maßnahme und ihrer Bestandteile verantwortlich für den geringeren Rehabilitationserfolg in BeRepK ist. In der Praxis hat sich vor allem die extrem kurze Praktikumsdauer bei BeRepK als problematisch erwiesen, da es für TeilnehmerInnen deutlich schwieriger ist, sich im Praktikumsbetrieb zu etablieren. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die generelle Verkürzung von Integrationsmaßnahmen eher negativ auf deren nachhaltigen Rehabilitationserfolg auswirken.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362232


Informationsstand: 17.04.2014

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