Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Bedarf und Inanspruchnahmeverhalten von Stufenweiser Wiedereingliederung nach Medizinischer Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Bürger, Wolfgang; Streibelt, Marco


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 109-111


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Stufenweise Wiedereingliederungen (STW) gewinnen für die Gesetzliche Rentenversicherung immer mehr an Bedeutung. Seit der gesetzlich fixierten Zuständigkeit 2004 steigen die Fallzahlen, die durchschnittliche Dauer und die Fallkosten pro Tag deutlich an. Alleine in den Jahren von 2007 bis 2012 ist nahezu eine Verdoppelung der STW-Fallzahlen auf 30.000 Fälle zu beobachten, zeitgleich sind die mittlere Dauer von STW um 10 Prozent (45.8 auf 50.4 Tage) und die durchschnittlichen Übergangsgeldzahlungen pro Tag um 17 Prozent gestiegen.

So wendete die DRV Bund im Jahre 2012 etwa 75 Millionen Euro für STW-Übergangsgeldzahlungen auf. STW sind zwar insgesamt erfolgreich, dies gilt aber vor allem für Versicherte im Alter unter 55 Jahren, mit langen Fehlzeiten von mehr als 3 Monaten beziehungsweise hohem Risiko für eine nicht erfolgreiche Wiedereingliederung. Allerdings ist die Evidenz methodisch eingeschränkt. Angesichts der Bedeutung von Empfehlungen zur STW fördert die DRV Bund derzeit eine umfangreiche prospektive Studie mit dem Ziel, verlässliche Informationen über geeignete Zielgruppen und differenzielle Effekte hinsichtlich der Wiedereingliederungsquoten für eine STW zu Lasten der Deutschen Rentenversicherung zu erhalten.

Fragestellung:

Es wird der Frage nachgegangen, wie hoch der Bedarf für STW anhand verschiedener Kriterien ist und wie dieser mit den tatsächlichen Inanspruchnahmequoten korrespondiert.

Methodik:

In einer repräsentativen Querschnittsbefragung wurden 34.406 berufstätige Versicherte der DRV Bund im Alter bis maximal 59 Jahre mit einem standardisierten Erhebungsinstrument vor Antritt ihrer medizinischen Rehabilitation befragt, die eine medizinische Rehabilitation (normales Heilverfahren) in den Indikationsbereichen Psychosomatik, Kardiologie, Orthopädie, Neurologie oder Onkologie bewilligt bekamen. An standardisierten Erhebungsinstrumenten wird unter anderem das Screening-Instrument SIBAR eingesetzt, das ab einem Cut-off-Wert von 8 als Indikator für eine bedeutsam erhöhte Frühberentungswahrscheinlichkeit gilt. Die Indikation zu einer Stufenweisen Wiedereingliederung aus der Perspektive der Versicherten wurde mithilfe von Fragen nach dem Zutrauen zur Rückkehr an den Arbeitsplatz nach Abschluss der Rehabilitation erfasst. Dabei wird berechnet, ob das Angebot einer stufenweisen Wiedereingliederung die subjektive Wiedereingliederungsprognose verbessern könnte.

Ergebnisse:

Die Rücklaufquote betrug 47.6 Prozent. In die vorliegenden Auswertungen wurden 15.541 Versicherte, von denen auch Angaben aus dem Reha-Entlassbericht vorlagen, eingeschlossen. 32.8 Prozent der Gesamtstichprobe erfüllten die formalen Zugangsvoraussetzungen für eine STW (arbeitsunfähig, aber für die letzte Tätigkeit mindestens 3-stündig belastbar entlassen).
9.3 Prozent der Versicherten der Gesamtstichprobe führten eine STW durch. Die Inanspruchnahmequote für eine STW lag bei Versicherten mit Vorliegen der formalen Zugangsvoraussetzungen bei 28.1 Prozent. Betrachtet man ausschließlich die Versicherten, die die formalen Zugangsvoraussetzungen für eine STW erfüllten, weisen 80.7 Prozent Fehlzeiten von mehr als 12 Wochen im Jahr vor der Rehabilitation auf. 38.3 Prozent hatten zusätzlich einen SIBAR-Wert von mindestens 8 Punkten. 28.4 Prozent erfüllten das Kriterium der subjektiven STW-Indikation, das heißt sie meinten vor Beginn der medizinischen Rehabilitation, dass sich ihre subjektive Erwerbsprognose durch die Möglichkeit einer STW verbessern würde. In der Gesamtstichprobe korrelierte die Inanspruchnahme einer STW vor allem mit der Erfüllung der formalen Zugangsvoraussetzungen, gefolgt vom AU-Kriterium, kaum dagegen mit dem SIBAR-Kriterium der erhöhten Frühberentungswahrscheinlichkeit oder der subjektiven Indikation für eine STW.

Diskussion und Schlussfolgerung:

Die Bedarfsschätzungen ergaben auf der Basis der verschiedenen Kriterien unterschiedliche Quoten an Versicherten, für die eine STW indiziert wäre. Derzeit sagt neben den formalen Zugangsvoraussetzungen noch am ehesten das Vorliegen längerer Fehlzeiten vorher, ob ein Versicherter eine STW durchführt. Andere potenzielle Bedarfskriterien wie subjektive Einschätzungen der Versicherten im Sinne einer verbesserten Wiedereingliederungsprognose bei Durchführung einer STW oder ein erhöhtes Frühberentungsrisiko laut SIBAR sind demgegenüber in ihrer Bedeutung für den Zugang zu einer STW deutlich nachgelagert. Auch wenn die Erfüllung der formalen Zugangsvoraussetzungen und des Kriteriums längerer Fehlzeiten eigentlich als Basisvoraussetzungen für die Empfehlung einer STW gelten könnten, werden diese bei der Einleitung einer STW offenbar nicht regelhaft beachtet. Zusätzliche gegebenenfalls sinnvolle Indikationskriterien werden bislang kaum berücksichtigt. Im Rahmen der hier vorgestellten prospektiven Studie sind zukünftig Ergebnisse zu erwarten, welche Zugangskriterien sich als Indikationskriterien im Sinne der Verbesserung der Wiedereingliederungswahrscheinlichkeit am besten eignen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362235


Informationsstand: 17.04.2014

in Literatur blättern