Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Search for work: Hochqualifizierte Menschen mit Behinderung als Verlierer auf dem Arbeitsmarkt? Teilhabebarrieren und Handlungsbedarfe

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Bauer, Jana; Niehaus, Mathilde


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 126-127


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention fordert die gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben für Menschen mit Behinderung auf einem offenen, integrativen und zugänglichen Arbeitsmarkt. Dies betrifft sowohl die Rückkehr zur Arbeit als auch den ersten Einstieg ins Erwerbsleben. Mit der Rückkehr ins Erwerbsleben haben sich bereits einige Studien zum Beispiel verschiedener Bildungsträger beschäftigt. Zum ersten Übergang insbesondere für die Zielgruppe hochqualifizierter Menschen mit Behinderung fehlen jedoch systematische Informationen. Bestehende Projekte sind entweder reine Praxisprojekte, regional begrenzt oder beziehen sich auf niedrigqualifizierte Menschen mit Behinderung. An dieser Forschungslücke setzt das vorliegende von 'Aktion Mensch' geförderte Pilotprojekt an, das die Situation hochqualifizierter Menschen mit Behinderung am Übergang ins Erwerbsleben explorativ analysiert: Wie gelingt die Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt? Welche Barrieren ergeben sich aus Sicht unterschiedlicher AkteurInnen? Wie können diese überwunden werden?

Fragestellung und Methodik:

Zur Beantwortung dieser Fragen werden im Sinne der Teilhabeforschung unterschiedliche Informationsquellen integriert: Öffentliche Daten und Statistiken liefern einen ersten Überblick über die Situation in Deutschland. Die Ergebnisse einer Zukunftswerkstatt (N = 20) und von Online-Interviews (N = 74) mit relevanten AkteurInnen ergänzen diese Informationen um Erfahrungen und Einschätzungen von ExpertInnen in eigener Sache. Die Zukunftswerkstatt und die Experteninterviews haben zudem aktivierenden und handlungsorientierten Charakter.

Ergebnisse:

Ein relevanter Anteil von circa sieben Prozent der Studierenden in Deutschland hat eine studienerschwerende Beeinträchtigung. Dieser sehr heterogenen Gruppe widmet sich die Studie 'beeinträchtigt studieren'. Studierende mit primär psychischen Beeinträchtigungen bilden die größte Subgruppe der Befragten (44,5 Prozent) gefolgt von Studierenden mit körperlichen chronischen Erkrankungen (19,5 Prozent) und Mehrfachbeeinträchtigung (9,8 Prozent). Die Beeinträchtigungen sind bei 94 Prozent der Befragten nicht auf den ersten Blick wahrnehmbar. Aus Arbeitslosendaten der Bundesagentur für Arbeit geht hervor, dass während AkademikerInnen in Deutschland insgesamt vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert haben, unter den schwerbehinderten AkademikerInnen die Arbeitslosigkeit zwischen 2009 und 2012 sogar angestiegen ist. Oder anders formuliert: Obwohl allgemein hohe Bildung als bester Schutz vor Arbeitslosigkeit gilt, scheint dies für schwerbehinderte Menschen nicht unbedingt der Fall zu sein. Hinweise darauf, welche Barrieren hier eine Rolle spielen, geben die Ergebnisse von Zukunftswerkstatt und Experteninterviews. So werden am häufigsten psychologische Barrieren (Stigmatisierung, Vorurteile, Berührungsängste, Leistungsdruck und so weiter) genannt. Hinzu kommen bürokratische Hürden, die insbesondere die Inklusionsmotivation auf Arbeitgeberseite beeinträchtigen, und Teilhabebarrieren hinsichtlich der Möglichkeiten hochqualifizierter Menschen mit Behinderung ihr Qualifikationsprofil so zu gestalten, wie es Menschen ohne Behinderung möglich ist. Neben bestehenden Barrieren wird jedoch auch von einer Vielzahl sehr positiver Erfahrungen berichtet.

Diskussion/Schlussfolgerungen:

Obwohl Deutschland bereits 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat, ist die Forschungslage zu ihrer Umsetzung sehr dünn. Insbesondere hochqualifizierte Menschen mit Behinderung standen bislang nicht im Fokus öffentlicher Diskussionen oder systematischer Forschungsprojekte. Die vorliegende Pilotstudie zeigt, dass diese Personengruppe trotz ihrer hohen Qualifizierung nicht gleichberechtigt am Erwerbsleben teilhat. Hierbei spielen psychologische und bürokratische Barrieren, aber auch Hürden im gesamten Bildungssystem eine Rolle. Zum Abbau psychologischer Barrieren, der Verdeutlichung der Leistungsfähigkeit der Zielgruppe und der Förderung von Chancengerechtigkeit im Qualifikationsprozess sind systematisch evaluierte Praxisprojekte, wie das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt 'PROMI - Promotion Inklusive' wichtige Bausteine. Dort werden in den Jahren 2013 bis 2018 an insgesamt 15 Hochschulen deutschlandweit 45 Promotionsstellen für schwerbehinderte AkademikerInnen geschaffen. Aber auch die Politik ist in der Verantwortung, die Gruppe hochqualifizierter Menschen mit Behinderung stärker in den Blick zu nehmen, ArbeitgeberInnen bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu unterstützen und die Barrierefreiheit des gesamten Bildungssystems voranzutreiben.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362243


Informationsstand: 17.04.2014

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