Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Vorbereitung auf die Reha: Auswirkungen leicht verständlicher Informationen

Poster auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Höder, Jürgen; Deck, Ruth


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 231-232


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Bevor sie eine Reha antreten (besser noch: bevor sie den Antrag stellen), sollten potenzielle Rehabilitanden über wesentliche Aspekte der Reha eingehend und verständlich aufgeklärt werden. So steht es im Patientenrechtegesetz, es geschieht jedoch kaum. Hausärzte wissen selbst nur wenig über die Reha. Die Informationsblätter und Broschüren der Rentenversicherung sind für Personen mit einfacher Schulbildung kaum zu verstehen oder lassen Inhalte vermissen, die Experten und Rehabilitanden als wesentlich ansehen. Dasselbe gilt für das Informationsmaterial der typischen Reha-Einrichtung. Die drei größten Krankenkassen verfügen über kein nennenswertes Infomaterial. Auch bei verschiedenen Gesundheitsportalen im Internet, bei Selbsthilfegruppen, der sehr weit verbreiteten 'Apotheken Umschau' und einschlägigen ärztlichen Verbänden findet man wenig bis nichts Brauchbares. Vor diesem Hintergrund haben wir neues Informationsmaterial entwickelt und geprüft, wie es sich auswirkt.

Material und Methode:

Das Infomaterial besteht aus einer 16-seitigen Broschüre und einer Website (www.vor-derreha.de). Die Broschüre informiert über sechs Themen, die von Experten und Rehabilitanden für besonders wichtig gehalten wurden, beispielsweise Sinn der Reha, Bedeutung der Nachsorge. Gemäß Analyse mit verschiedenen Lesbarkeitsindizes sind die Texte für Personen mit Hauptschulabschluss verständlich. Die Website enthält darüber hinaus Videomaterial mit einer Gesamtdauer von 90 Minuten, verteilt auf 37 Filme. Darin geben Rehabilitanden und Experten mündlich Auskunft über die relevanten Themen. Außerdem gibt es ein kleines Lexikon, das 176 rehatypische Ausdrücke verständlich erklärt. Ein Reha-Quiz mit erläuterter Auflösung, eine Kommentarfunktion und Links zu anderen Internetseiten runden den Auftritt ab. Dieses Material prüften wir in einer kontrollierten, randomisierten Studie. Die Kontrollgruppe erhielt das übliche Infomaterial, die Interventionsgruppe zusammen mit der Einladung durch die Einrichtung zusätzlich die Broschüre und den Hinweis auf die Website. Zu Reha-Beginn erfassten wir bei orthopädischen Rehabilitanden beider Gruppen das Reha-Wissen mit einem Multiple-Choice-Test und die persönlichen Reha-Ziele, ferner mit dem IMET die Beeinträchtigungen infolge der Krankheit sowie soziodemografische Daten. Die Interventionsgruppe gab zusätzlich an, wie weit sie das neue Infomaterial genutzt hat und wie sie es bewertet. Vier Monate danach erfragten wir Nachsorgeaktivitäten und eine Einschätzung der Zielerreichung. Die folgende vorläufige Auswertung (November 2013) beruht auf den vollständigen Daten der Kontrollgruppe (zu t1 N = 466, t2 N = 348) sowie ersten t1-Daten aus der Interventionsgruppe (N = 96).

Ergebnisse:

In der Interventionsgruppe gaben 81 Prozent an, die Broschüre ganz oder teilweise gelesen zu haben. Von diesen beurteilten jeweils 78 Prozent die Broschüre als leicht oder sehr leicht verständlich, angenehm oder sehr angenehm zu lesen sowie sehr, ziemlich oder teilweise nützlich. Für 64 Prozent waren die Informationen neu, ziemlich oder teilweise neu. Jeder Sechste verfügte über keinen Internetzugang. Von den übrigen 80 haben 24 Prozent die Seite vor-der-reha.de besucht und einige oder alle Texte gelesen. Diese Zahl ist zurzeit zu klein für weitere sinnvolle Analysen. Interventions- und Kontrollgruppe unterschieden sich signifikant im Alter, Anzahl vorangegangener Reha-Maßnahmen und Haushaltseinkommen. Nach statistischer Kontrolle dieser Einflussgrößen ergab sich in der univariaten Varianzanalyse ein Unterschied zwischen den Gruppen im Wissenstest (p < .002). Im Mittel konnte die Interventionsgruppe etwa eine Frage mehr richtig beantworten. Die Auswirkungen auf Art und Erreichung der Reha-Ziele sowie auf Nachsorgeaktivitäten werden zurzeit untersucht.

Diskussion:

Die Broschüre wird weitgehend angenommen und positiv beurteilt. Das Internet dagegen wurde nur von einer Minderheit genutzt. Hier zeigt sich ein Unterschied zu Befunden an psychosomatischen Rehabilitanden, vermutlich bedingt durch ein höheres Durchschnittsalter in der Orthopädie. Wir nehmen jedoch an, dass die Nutzung in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen wird. Die Intervention wirkte sich positiv, aber gering auf das Wissen der Rehabilitanden aus. Schriftliche Informationen können Gespräche, die ja auch vom Gesetz gefordert werden, nicht ersetzen, vermutlich aber sinnvoll ergänzen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362261


Informationsstand: 17.04.2014

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