Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Ein internetbasiertes Problemlösetraining zur Reduktion psychischer Beanspruchung bei belasteten Arbeitnehmern - Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten Studie

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Boß, Leif; Thiart, H.; Heber, E. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 247-249


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Die Prävalenz von Depressionen bei Arbeitnehmern ist hoch. Diese sind nicht nur mit einer eingeschränkten Lebensqualität, sondern auch mit hohen sozioökonomischen Kosten aufgrund einer eingeschränkten beruflichen Leistungsfähigkeit und Frühberentungen verbunden. Während bei Betroffenen ein erhöhtes Beanspruchungserleben schon häufig früh im Berufsleben auftritt, dauert die Aufnahme einer entsprechenden Behandlung häufig mehrere Jahre. Niedrigschwellige Angebote, wie beispielsweise internetbasierte Gesundheitsinterventionen, haben möglicherweise das Potenzial, Betroffene schon früher als traditionelle Versorgungsangebote zu erreichen, und können so möglicherweise verhindern, dass es zur Entwicklung einer voll ausgeprägten psychischen Störung kommt. Die Ausrichtung von Problemlösetrainings ist lebensbereichsübergreifend, daher können sie sowohl auf private als auch berufliche Probleme angewandt werden. Inzwischen liegen verschiedene Studien zur Wirksamkeit von internetbasierten Therapieangeboten für Betroffene mit Depression vor. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen allerdings keine Studien zur Evaluation solcher Interventionen bei belasteten Arbeitnehmern vor. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, die Effektivität eines internetbasierten Problemlösetrainings (iPLT) bei psychisch beanspruchten Arbeitnehmern zu überprüfen.

Methode:

In dieser randomisiert kontrollierten Studie wurden 150 Arbeitnehmer mit depressiven Beschwerden (ADS > 16) zufällig einem iPLT oder einer Warte-Kontrollgruppe (WKG) zugewiesen. iPLT bestand aus fünf Lektionen basierend auf systematischen Problemlösetechniken, Strategien zur Bewältigung von Rumination sowie Verhaltensaktivierung in Bezug auf wichtige Werte im Leben. Selbstberichtsdaten wurden vor Trainingsbeginn (T1), nach 7 Wochen (T2) sowie 3 und 6 Monate (T3, T4) später erfasst. Primäres Zielkriterium war die Reduktion depressiver Symptomatik (ADS). Sekundäre Zielkriterien umfassten unter anderem die Anzahl der Teilnehmer mit Response, emotionale Erschöpfung (MBI), allgemeine Selbstwirksamkeit (SWS), arbeitsbezogene Selbstwirksamkeit (SWS-L), Problemlösekompetenzen (SPSI), körperliche und psychische Lebensqualität (SF-12) sowie Absentismus.

Ergebnisse:

Die Ergebnisse der Intent-to-Treat Analysen zeigen, dass iPLT-Teilnehmer eine signifikant geringere depressive Symptomatik nach 7 Wochen (p < .01), sowie deutlich häufiger einen Response zeigten (iPLT: 49.3 Prozent WKG: 21.3 Prozent, p = .01; NNT = 3.5) als Teilnehmer der WKG. Die Interventionsgruppe zeigte sich zudem überlegen hinsichtlich sekundärer Zielkriterien wie allgemeiner Selbstwirksamkeit, arbeitsbezogener Selbstwirksamkeit, Problemlösefähigkeit, wahrgenommenen Stresses, emotionaler Erschöpfung. Es fanden sich keine signifikanten Effekte auf Absentismus (AU Tage 6-Monats-Katamnese: iPLT: M = 1.18, SD = 4.27; WKG:M = 2.76, SD = 7.75; siehe Tabelle 1 für Effektstärken und 95 Prozent-Konfidenzintervalle). Die Erfolge wurden bis zu den 3- und 6-Monats-Katamnesen aufrechterhalten.

Schlussfolgerung:

iPLT ist effektiv in der Reduktion depressiver Symptome bei belasteten Arbeitnehmern. Die Intervention zeigte sich nicht wirksam hinsichtlich der Reduktion von AU-Zeiten. Allerdings war die Anzahl von AU-Tagen in der Stichprobe äußerst gering. Daher kann von einem eventuellen Bodeneffekt ausgegangen werden. Solche Interventionen könnten ein sinnvolles niedrigschwelliges Angebot zur Ergänzung der Leistungsangebote im Rahmen der Routineversorgung darstellen. Die Stichprobe stellte eine im Mittel hoch gebildete Gruppe dar. Zukünftige Studien sollten daher das Potenzial solcher Interventionen bei Arbeitnehmern mit geringem sozioökonomischem Status evaluieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362262


Informationsstand: 17.04.2014

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