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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wiedereingliederung in das Erwerbsleben nach Becken- und Acetabulumfrakturen

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Krischak, Gert; Holstiege, Jakob; Kaluscha, Rainer [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 359-360


Jahr:

2014



Abstract:


Einleitung:

Becken- beziehungsweise Acetabulumfrakturen sind meist schwere Verletzungen mit erheblichen Auswirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit. Besonders häufig betroffen sind junge Erwachsene zwischen dem 2. und 3. Lebensjahrzehnt. Bislang werden vor allem Untersuchungen geführt, die auf eine Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit in der Akutphase abzielen. Jedoch stellt sich für die überlebenden Patienten nach der Akutphase ein langwieriger und oft komplizierter Prozess zur Reintegration in das berufliche und soziale Umfeld ein. Während Behandlungsalgorithmen und ihre Auswirkungen auf das klinische Ergebnis gut erforscht sind, ist jedoch bislang nicht untersucht, wie sich langfristig die Erwerbsfähigkeit nach Abschluss der Akutbehandlung entwickelt und welche Faktoren sich begünstigend oder negativ auf die Prognose auswirken. Anhand von Routinedatenanalysen der Gesetzlichen Rentenversicherung wurden diese Fragestellungen erstmals untersucht, und zugleich Prädiktoren für die Heilungsverläufe nach Becken- und Acetabulumfrakturen identifiziert.

Methoden:

Auf Grundlage der Reha-Statistik-Datenbasis (RSD) der DRV Baden-Württemberg für das Berichtsjahr 2011 wurde eine retrospektive Kohortenstudie durchgeführt. Eingeschlossen wurden alle in den Jahren 2004-2009 abgeschlossenen medizinischen Erstrehabilitationen (Alter ? 63 Jahre), die eine als Becken- oder Acetabulumfraktur kodierte Hauptentlassungsdiagnose aufwiesen. Mittels binärer logistischer Regression wurde der Wiedereintritt in das Erwerbsleben modelliert. Rehabilitanden galten als wieder erwerbstätig, wenn sie mindestens einen monatlichen Beitrag aufgrund versicherungspflichtiger Beschäftigung im Zeitfenster 13-24 Monate nach Maßnahmenende aufwiesen. Dabei fanden die Merkmale Alter, Geschlecht, Diagnosegruppe, die Art der Rehabilitationsmaßnahme sowie die Anzahl der Beschäftigungsmonate 24-13 Monate vor Maßnahmenbeginn (PRE-Intervall) als erklärende Variablen Berücksichtigung.

Ergebnisse:

Insgesamt konnten 249 Rehabilitanden (Ø-Alter: 43,5±6,4 Jahre; 78 Prozent männlich) in die Analyse eingeschlossen werden (Acetabulum=92, Becken=157). Lediglich 63 Prozent waren zwischen einem und zwei Jahren nach Rehabilitation wieder erwerbstätig. Damit wurde ein Rückgang der Erwerbstätigkeit um 16,6 Prozent bei Becken- und 20,8 Prozent bei Acetabulumfraktur
festgestellt. Bei näherer Untersuchung waren insgesamt 47,0 Prozent für 12 Monate erwerbstätig, dagegen 8,8 Prozent zwischen 6 und 11 Monaten und 7,6 Prozent zwischen 1 und 5 Monaten. In der adjustierten Analyse konnten die Beschäftigungsmonate im PRE-Intervall und das Alter als statistisch signifikante Prädiktoren für die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit identifiziert werden. Im Vergleich zu Personen der Altersgruppe 51-63 Jahren (Referenzkategorie) wiesen 18-30-Jährige eine etwa dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit (OR=3,1; 95 Prozent-KI=1,2-7,9) für einen Wiedereintritt in die Erwerbstätigkeit auf (31-40 Jahre OR=1,1; 95 Prozent-KI=0,5-2,5/ 41-50 Jahre OR=2,2; 95 Prozent-KI=0,9-4,9). Das OR für Becken- gegenüber Acetabulumfrakturen betrug 1,1 (95 Prozent-KI=0,6-2,0).

Schlussfolgerungen:

Die Becken- beziehungsweise Acetabulumverletzung ist eine schwere Verletzung und hat deutliche Effekte auf die Rückkehr in das Erwerbsleben. Etwas mehr als ein Drittel der Patienten ist bis zu zwei Jahren nach Verletzung noch vollständig aus dem Erwerbsleben ausgegliedert, bei circa einem Sechstel wird das ursprüngliche sozialversicherungspflichtige Entgelt (durch Teilerwerb oder Berufswechsel) nicht erreicht. Da für die Patienten vor allem die Lebensqualität und die Rückkehr in das Berufsleben Meilensteine der Genesung sind, besteht erheblicher Versorgungsbedarf zur Verbesserung der Reintegration dieser Patienten. Das Risiko der Über-Fünfzigjährigen ist hierbei deutlich erhöht, so dass hier als Konsequenz für diese Altersgruppe so früh wie möglich die Hinzuziehung eines Reha-Fall-Managements/Case-Managements erfolgen sollte, um den Prozess der beruflichen Wiedereingliederung möglichst frühzeitig und günstig zu beeinflussen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362275


Informationsstand: 17.04.2014

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