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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufsbezogene psychosomatische Rehabilitation für Pflegeberufe

Vortrag auf dem Dreiundzwanzigsten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2014 Karlsruhe



Sammelwerk / Reihe:

Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation


Autor/in:

Köllner, Volker; Eckert, Andreas; Freiberg, A. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2014, Seite 448-450


Jahr:

2014



Abstract:


Hintergrund:

Berufe im Bereich der Alten- und Krankenpflege sind mit einer erhöhten Morbidität für psychische Störungen (vor allem depressive Störungen), aber zum Beispiel auch für chronische Schmerzen (vor allem chronischer Rückenschmerz) und einem hohen Risiko für ein gesundheitsbedingtes vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf belastet, was den Fachkräftemangel in diesem Bereich erheblich verstärkt. Schon früh wurden deshalb Programme zur Prävention und Therapie entwickelt, die im Sinne eines stärkeren Berufsbezuges auch in die psychosomatische Rehabilitation integriert werden sollen. Aufgrund des hohen Anteils von Rehabilitanden aus Pflegeberufen mit ähnlicher berufsbezogener Problematik entstand in unserer Klinik die Idee eines berufsgruppenspezifischen Behandlungskonzepts, um spezifisch auf die berufsbezogene Problematik eingehen und Selbsthilferessourcen nutzen zu können.

Methodik:

Zentrales Element des in Tabelle 1 dargestellten Rehabilitationskonzeptes ist die Kombination einer berufsgruppenhomogenen Therapiegruppe in fester Kombination mit Tanztherapie. Die Gruppenleiterin ist psychodynamisch und verhaltenstherapeutisch qualifiziert, was es erlaubt, sowohl Zusammenhänge der beruflichen Problematik mit der Biographie und unbewussten Konflikten zu bearbeiten als auch konkrete Lösungsstrategien für den beruflichen Alltag zu erarbeiten und zum Beispiel in Rollenspielen zu erproben. Die Tanztherapie wirkt als Erfahrungsraum, der in der Therapiegruppe reflektiert werden kann (zum Beispiel 'Wie viel Raum nehme ich mir?' 'Wie behaupte ich meinen Standpunkt?'). Die Ausdrucks- und Beziehungsaufgaben in der Gruppe sind so konzipiert, dass typische Konfliktsituationen in pflegerischen Berufen unmittelbar erlebt und danach bewusst reflektiert werden können. Weitere Ziele der Tanztherapie sind die Schulung der Körperwahrnehmung und die spielerische Erprobung neuer Verhaltensweisen in der Bewegung und der Begegnung mit anderen. Hinzu kommen weitere problem- oder störungsspezifische Therapiebaustein Zur Diagnostik und Evaluation wurden routinemäßig AVEM, Health-49 und BDI-II eingesetzt. Eine systematische Auswertung der Daten im Vergleich zu Rehabilitanden aus anderen Berufsgruppen ist in Vorbereitung. Hier soll das Konzept zunächst an Fallbeispielen dargestellt werden.

Ergebnisse:

Während der seit Anfang 2012 laufenden Pilotphase des Projekts nahmen über 150 Rehabilitanden an dem Programm teil. Im Vergleich zur Gesamtpopulation der Klinik war ein signifikant höherer Frauenanteil auffällig. Häufigste Diagnosen bei dieser Berufsgruppe waren depressive Störungen im psychischen- und chronische Kreuzschmerzen im somatischen Bereich. Einige Rehabilitandinnen hatten zunächst Vorbehalte ('ich bin doch wegen meiner Schmerzen hier und nicht weil ich Altenpflegerin bin' oder 'was ist denn hier anders als beim Gespräch in der Stationsküche?'), erlebten aber schnell, dass der gemeinsame berufliche Erfahrungshintergrund die Therapiegruppe effektiver machte und das Selbsthilfepotential der Gruppe stärkte. Gerade RehabilitandInnen mit depressiver Symptomatik neigten zunächst dazu, ihre Symptomatik als persönliches Versagen zu erleben und schuldhaft zu verarbeiten. Der Kontakt mit den MitpatientInnen ermöglichte es ihnen, zu erleben, dass sie mit ihrer Problematik nicht alleine sind und dass gerade in Pflegeberufen als Folge der Ökonomisierung im Gesundheitswesen und des Mangels an Fachkräften eine Leistungsverdichtung stattgefunden hat, die sich auf der individuellen Ebene nur schwer abfangen lässt und die ohne adäquate Abgrenzungs- und Selbstfürsorgestrategien depressogen wirkt.

Diskussion und Schlussfolgerungen:

Das Konzept eines berufsgruppenspezifischen Rehabilitationsangebotes wurde von den TeilnehmerInnen gut angenommen und - gelegentlich nach anfänglicher Skepsis - sehr positiv bewertet. Durch die Fokussierung auf eine Berufsgruppe konnten berufliche Problemlagen sehr gezielt thematisiert, eigene Anteile reflektiert und Lösungswege mit Hilfe der Kompetenz der MitpatientInnen erarbeitet werden. Von besonderer Bedeutung war hierfür die Aktivierung von Ressourcen und Selbsthilfepotential. Individuell unterschiedliche Eingangsdiagnosen konnten durch die Kombination mit einer zweiten, störungsspezifischen Therapiegruppe gezielt behandelt werden. Da die Kombination von zwei Gruppen zum Grundkonzept der Klinik gehört, entstehen im Pflegekonzept keine zusätzlichen Kosten. Das Konzept lässt sich gut auf andere Reha-Einrichtungen, aber auch auf andere Berufsgruppen mit spezifischen Problemmustern (zum Beispiel Lehrkräfte, Beschäftigte im Bank- oder Versicherungswesen, ErzieherInnen) übertragen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '23. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Arbeit - Gesundheit - Rehabilitation' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Forschungsportal der Deutschen Rentenversicherung
Homepage: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortal...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV362281


Informationsstand: 25.07.2014

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