Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Epilepsie und Arbeit - Herausforderungen und Fortschritte im Rehabilitationsrecht

Vortrag auf dem 24. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 16. bis 18. März 2015 in Augsburg



Sammelwerk / Reihe:

Psychische Störungen - Herausforderungen für Prävention und Rehabilitation


Autor/in:

Kohte, Wolfhard


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2015, Seite 224-225


Jahr:

2015



Link(s):


Link zu dem Beitrag im Tagungsband (PDF, 5 MB).


Abstract:


Einleitung:

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Neben wiederholten krampfartigen Anfällen können neuropsychologische, psychiatrische oder körperliche Begleiterscheinungen auftreten, die Menschen in der Teilhabe am Arbeitsleben beeinträchtigen können. Die Versorgungsmedizinischen Grundsätze sehen im Abschnitt 'Nervensystem und Psyche' bei epileptischen Anfällen einen Grad der Behinderung zwischen 40 und 100 vor, sodass in der Regel Schwerbehinderung anzuerkennen ist. Lange Zeit bestanden starke Vorurteile gerade beim Erleben von Epilepsieanfällen, die zu Stigmatisierungen und gesellschaftlicher Exklusion führten (Eller, Brodisch, 2013). Inzwischen sind die medizinischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse so weit fortgeschritten, dass bei entsprechender Aufklärung und Arbeitsplatzgestaltung eine effektive Teilhabe am Arbeitsleben realistisch ist.

Epilepsie und Teilhabe am Arbeitsleben:

Für diese Teilhabe sind richtungsweisend die BGI 585 (jetzt DGUV Information 250-001) 'Empfehlungen zur Beurteilung beruflicher Möglichkeiten von Personen mit Epilepsie', die differenzierte Hinweise zur Teilhabe am Arbeitsleben geben. Die Hinweise zur Gestaltung geeigneter Arbeitsplätze basieren auf einer zutreffenden Gefährdungsbeurteilung (§ 5 Arbeitsschutzgesetz). Nicht nur in der Verwaltung, sondern auch an vielen Maschinenarbeitsplätzen ist eine Tätigkeit trotz Epilepsie möglich, wenn die von der neuen Betriebssicherheitsverordnung verlangten Schutzvorschriften eingehalten werden. Weitere Informationen über nach § 33 SGB IX zu leistende Hilfsmittel liefert die Datenbank REHADAT. Die BGI-Informationen verweisen weiter auf organisatorische Vorkehrungen. Zu vermeiden sind unregelmäßige und lange Arbeitszeiten, da sie Anfälle hervorrufen können, sodass auch dieses Beispiel zeigt, dass die Anforderungen des Arbeitszeitrechts sorgfältig einzuhalten und riskante Arbeitszeitformen zu vermeiden sind. Weiter gehören zu den organisatorischen Vorkehrungen bei erkannter Epilepsiegefährdung Modelle kollegialer Verantwortung, Unterstützung und Assistenz.

Aufklärung, Information und Selbsthilfe:
Stigmatisierung mit den entsprechenden psychischen Problemen kann am besten durch Aufklärung und Information begegnet werden. Zu den Aufgaben der Rehabilitationsträger und Integrationsämter gehört nach dem heutigen Recht eine solche Aufklärung, die vor allem den Integrationsämtern geleistet wird. Sie kann im Einzelfall durch Integrationsfachdienste konkretisiert und betrieblich erläutert werden können. Bemerkenswert ist schließlich die Nutzung des Internet. Vor allem das Informationssystem REHADAT hat mit seinen Informationen zu 'Epilepsie und Arbeitsleben' den aktuellen Sachstand sowie die dazu ergangen Urteile so zusammengefasst, dass sie allgemein zugänglich und nutzbar sind. Ist ein Anfallsleiden diagnostiziert, und eine Behinderung erkannt, können neben Assistenzleistungen nach § 33 Abs. 6 SGB IX auch persönliche und pädagogische Hilfen erbracht werden (Busch, 2014). Dazu gehören Hilfen zur Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, mit Zustimmung der Leistungsberechtigten Information und Beratung von Vorgesetzten und Kollegen sowie Vermittlung von Kontakten zur Selbsthilfe, die nach § 29 SGB IX auch von Rehabilitationsträgern zu fördern ist (Kohte, 2013). Gerade im Bereich der Epilepsie gibt es starke Selbsthilfegruppen und ein Netzwerk 'Epilepsie und Arbeit', das von der DRV Bayern Süd bis zu den Wohlfahrtsverbänden reicht.

Zusammenfassung:

Damit zeigt sich bei dieser Krankheit, die lange ein Symbol für Exklusion war, dass sich die verschiedenen Elemente des SGB IX erfolgreich ergänzen. Präventiver Arbeitsschutz, gut zugängliche Information durch Rehabilitationsträger, Integrationsämter und Selbsthilfegruppen, sowie konkrete Rehabilitationsleistungen, die das gesamte Spektrum von § 33 SGB IX ausschöpfen, greifen ineinander, sodass heute Epilepsie kein Symbol für Exklusion mehr ist.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '24. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Psychische Störungen - Herausforderungen für Prävention und Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV396461


Informationsstand: 14.09.2015

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