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Bibliographische Angaben zur Publikation

Aspekte der psychischen Befindlichkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes in der stationären Rehabilitation

Vortrag auf dem 24. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 16. bis 18. März 2015 in Augsburg



Sammelwerk / Reihe:

Psychische Störungen - Herausforderungen für Prävention und Rehabilitation


Autor/in:

Paape, Franziska; Hermann, T.


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2015, Seite 398-400


Jahr:

2015



Link(s):


Link zu dem Beitrag im Tagungsband (PDF, 5 MB).


Abstract:


Die Manifestation eines Typ-1-Diabetes (T1D) und das Leben mit einer chronischen Erkrankung bringen Herausforderungen und schwere Belastungen mit sich. Die ständige Selbstbehandlung fordert äußerste Disziplin, ist zeitintensiv und emotional belastend. In unserer Fachklinik stellt der T1D eine Hauptindikation dar. Im Reha-Alltag ist eine massive psychosoziale Belastung bei betroffenen Kindern und Jugendlichen, aber auch bei deren Eltern zu beobachten. Als Grund für den Antrag einer Rehabilitationsmaßnahme wird zudem bei vielen Jugendlichen eine Complianceproblematik angegeben. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Erfolge in der Diabetesbehandlung auch von der emotionalen Stabilität der Patienten abhängig sind (Lange, 2010). Wenn psychische Erkrankungen nicht erkannt und behandelt werden, kann dies negative Folgen für die Stoffwechsellage und Langzeitprognose haben. So wurden beispielsweise höhere HbA1C-Werte bei unter 25-jährigen T1D-Patienten mit depressiven Symptomen festgestellt (Plener et al., 2014). Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen mit T1D zählen neben den Anpassungsstörungen depressive Störungen und Angststörungen.

Die Befundlage hinsichtlich der Prävalenzraten ist uneinheitlich. Einerseits wird eine zwei- bis dreifach erhöhte Häufigkeit affektiver Störungen im Vergleich zu stoffwechselgesunden Jugendlichen (2 -27 % vs. 5-8 %) berichtet (Grey et al., 2002). Andere Studien zeigen, dass Jugendliche mit T1D nicht häufiger betroffen sind (siehe Lange, 2010). Plener und Kollegen (2014) führten mit der DPV-Datenbank eine Beobachtungsstudie durch und stellten bei 0,78 % der unter 25-jährigen T1D-Patienten depressive Symptome fest. Andere Aspekte der psychischen Befindlichkeit wie Ängste wurden bislang seltener untersucht. In einer Studie von Herzer und Hood (2010) zeigten 17 % der jugendlichen T1D-Patienten Angstsymptome. Auch Auffälligkeiten im Selbstbild sind denkbar, da die körperliche Gesundheit wesentlich zum Selbstbild beiträgt (Lange, 2010). Ziel dieser Untersuchung war es, Auffälligkeiten in der psychischen Befindlichkeit von T1D-Patienten in der stationären Rehabilitation objektiv zu erfassen. Im Rahmen einer Psychodiagnostik wurden bei T1D-Patienten depressive Symptome, Ängste und Selbstbildaspekte untersucht.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein beachtlicher Anteil der T1D-Patienten in der stationären Rehabilitation als besonders ängstlich, depressiv, impulsiv, wenig von sich überzeugt, unterlegen und minderwertig einschätzt. Complianceprobleme sind bei Jugendlichen, die sich so wahrnehmen und empfinden, leicht nachzuvollziehen. Im Vergleich zu den in der Einleitung beschriebenen Studienergebnissen scheinen unsere Befunde auf höhere Raten hinzuweisen. Dabei fällt beispielsweise der hohe Anteil an Patienten auf, bei denen wir depressive Symptome feststellten. Eine Ursache für die Unterschiede könnte die Anwendung standardisierter Testverfahren sein, die bei Plener und Kollegen (2014) nicht möglich war. Denkbar ist auch, dass es sich um eine vorselektierte Stichprobe handeln könnte, da womöglich überwiegend diejenigen Kinder und Jugendlichen zur stationären Rehabilitation kommen, die besonders emotional belastet sind.

Ausblick: Unser Ziel ist es, in einer Interventionsstudie die Auswirkung einer stationären Rehabilitationsmaßnahme auf das Vorliegen depressiver Symptome zu überprüfen. Wir erhoffen uns zudem, Zusammenhänge zwischen den Befindlichkeitsvariablen und diabetesrelevanten Outcomes (z. B. HbA1C) anhand einer größeren Stichprobe aufzeigen zu können. Insgesamt weisen die Ergebnisse bereits jetzt auf die Notwendigkeit und Relevanz einer psychologischen Behandlung der T1D-Patienten während der stationären Rehabilitationsmaßnahme zum Erzielen eines nachhaltigen Erfolgs hin.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '24. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Psychische Störungen - Herausforderungen für Prävention und Rehabilitation'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Forschung > Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Experten/R...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV396486


Informationsstand: 14.09.2015

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