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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Ich bin jetzt Chef

Die Idee des Persönlichen Budgets in einer stationären Einrichtung für Menschen mit Behinderung



Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Nußbicker, Rainer


Quelle:

Bielefeld: Bethel, 2007, 98 Seiten: mit CD, ISBN: 978-3-935972-17-8


Jahr:

2007



Abstract:


Drei Jahre lang stand das Wohnheim am Stadtring in Bielefeld-Brackwede im Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses. Die stationäre Einrichtung für Menschen mit Behinderung war die einzige in Deutschland, die sich am Modellversuch PerLe beteiligte. Mit PerLe, das heißt Persönliches Budget und Lebensqualität, wurde das Persönliche Budget erstmals in einem Wohnheim erprobt. Die Technische Universität Dortmund hat das Projekt, das 2006 endete, begleitet und die Ergebnisse ausgewertet. Jetzt liegt der Abschlussbericht vor.

Zwei wichtige Fragen konnten mit dem Modellversuch PerLe beantwortet werden: zum einen, ob das Persönliche Budget geeignet ist für stationär betreute Menschen, die in der Regel schwerer und komplexer behindert sind als ambulant betreute Klienten; zum anderen, ob es überhaupt möglich ist, Leistungen aus der All-inclusive-Versorgung einer stationären Einrichtung für das Persönliches Budget herauszulösen. Ja, lautet die Antwort auf beide Fragen. Von 2003 bis 2006 haben sich 18 von 24 Bewohnerinnen und Bewohnern im Wohnheim am Stadtring erfolgreich an dem Projekt beteiligt. In dieser Zeit wurden sie durch Fortbildungen intensiv auf ihre neue Rolle als Auftraggeber vorbereitet.

Beim Persönlichen Budget sind die Nutzerinnen und Nutzer die Chefs. Ihnen steht ein Geldbetrag zur Verfügung, mit dem sie sich die Leistungen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, wie Begleitung zu Sportveranstaltungen, ins Kino oder zum Schwimmen, von den Anbietern ihrer Wahl einkaufen. Sie können die Leistungen beim Team im Wohnheim bestellen oder aber auf einen externen Dienst zurückgreifen. Um zu bestimmen, welches Hilfeangebot das Beste für sie ist, benötigen die meisten Budgetnehmer Beratung. In der Regel erhalten sie diese von ihren Bezugspersonen. - Das ist für die Mitarbeitenden ein unglaublicher Rollenkonflikt und eine paradoxe Situation. Sie gefährden ihren eigenen Arbeitsplatz, wenn sie die Leistungen externer Anbieter empfehlen, so Teamleiterin Susanne Sellin. - Je besser ich also berate, desto mehr säge ich an meinem Stuhl.

Obwohl es keine Stellengarantie für die Mitarbeitenden im Wohnheim am Stadtring gab, haben sie die Bewohnerinnen und Bewohner selbst gegen ihre eigenen Interessen professionell beraten. - Die Budgetberatung ist sehr wichtig. Es hat sich gezeigt, dass die Bewohner dabei auf Menschen zurückgreifen wollen, denen sie vertrauen. Das sind die Mitarbeitenden im Wohnheim, so Susanne Sellin. Trotz zum Teil erheblicher Umstellungsprozesse, die im Rahmen von PerLe vollzogen wurden, bewerten sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeitenden das Modell positiv. Selbstsicherer und zufriedener seien die Budgetnehmerinnen und Budgetnehmer geworden. - Das Klima im Wohnheim ist besser. Wir haben sogar mehr Zeit für jeden einzelnen Bewohner, betont Susanne Sellin.

Mit Beginn des Jahres 2008 hat jeder behinderte Mensch einen Rechtsanspruch auf das Persönliche Budget. - Als Lernfeld für die Budget-Idee empfehle ich den Leistungserbringern das PerLe-Modell, sagt Dr. Gudrun Wansing von der Technischen Universität Dortmund. Denn das, was im Betheler Wohnheim am Stadtring jetzt schon Wirklichkeit sei, nämlich die Differenzierung und Individualisierung von stationären Leistungen als auch ihre Verknüpfung mit ambulanten Diensten und privaten Hilfen, sei zukunftweisend.

Unterstützt wurde das Projekt vom Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) und dem Bundesverband ev. Behindertenhilfe e.V. (BeB).


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Projekt Personenbezogene Unterstützung und Lebensqualität (PerLe 1) | REHADAT-Forschung




Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Bethel-Verlag
Homepage: https://www.bethel.de/service/bethel-verlag.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV4041


Informationsstand: 26.03.2008

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