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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Frauen mit Behinderung: behindert sein - behindert werden


Sammelwerk / Reihe:

Reader der landesweiten Aktionswoche Frauenbilder vom 25.2-24.03.2005 in NRW


Autor/in:

Niehaus, Mathilde


Herausgeber/in:

Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen (MGSFF)


Quelle:

Düsseldorf: Eigenverlag, 2005, Seite 172-174


Jahr:

2005



Abstract:


Unsere Bilder über Frauen mit Behinderung sind sowohl von unseren kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als auch von unseren (fehlenden) persönlichen Erfahrungen geprägt.

Im gesamten Bundesgebiet sind nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 8,8 Prozent der männlichen und 7,5 Prozent der weiblichen Bevölkerung schwer behindert. In Nordrhein-Westfalen kann mit 95 Schwerbehinderten je 1000 Einwohner von einer hohen Schwerbehindertenquote gesprochen werden. Die tatsächliche Zahl behinderter Menschen liegt aber wahrscheinlich sogar noch höher. Denn nicht alle, die beeinträchtigt oder gesundheitlich schwer eingeschränkt sind, lassen sich einen amtlichen Schwerbehindertenausweis ausstellen. Das trifft in besonderer Weise auf Frauen zu. Sie sind in der amtlichen Zählung unterrepräsentiert.

Zu bedenken ist, dass mit Schwerbehinderungen nicht nur die 'klassischen' Beeinträchtigungen gemeint sind, sondern auch Auswirkungen von Herz-Kreislauferkrankungen sowie Funktionseinschränkungen der Atemwege und der Wirbelsäule. Am häufigsten kommen Beeinträchtigungen der inneren Organe beziehungsweise Organsysteme mit einem Anteil von rund 27 Prozent vor, Einschränkungen und Beeinträchtigungen also, die für die Umwelt äußerlich kaum oder gar nicht erkennbar sind.

Im Gegensatz zu den amtlichen Kategorien der Ursachen (beispielsweise angeborene Behinderung, Arbeitsunfall oder Berufskrankheit, Verkehrsunfall, häuslicher oder sonstiger Unfall) werden in der 'Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit' (ICF) behindernde Umweltfaktoren, die die Beeinträchtigung der Teilhabe in Wechselwirkung mit den personalen Faktoren erst ausmachen, hervorgehoben. Dabei handelt es sich um Umweltfaktoren wie Einstellungen und Werte, Rechtssystem, Gesundheits- und Bildungssystem etc.

Dadurch wird deutlich, dass beispielsweise nicht nur Unfallschutzmaßnahmen präventiv sein können, sondern auch Sensibilisierungsmaßnahmen. Diskriminierende Haltungen, Einstellungen und Bilder gegenüber Frauen und Männern mit Behinderung verhindern ihre Teilhabe. Insofern ist hier ebenso ein Präventionsansatz - im Sinne von Barrieren in den Köpfen überwinden - zu sehen.

Die Anliegen behinderter Frauen werden gesellschaftlich allerdings nicht immer sichtbar. Ein Grund dafür sind die beschriebenen gesellschaftlich vorherrschenden Bilder über Menschen mit Behinderungen. Die in den letzten Jahren durchgeführten Studien und Gutachten zur Lebenssituation von Frauen und Mädchen mit Behinderungen ermöglichen andere Einblicke in die Lebenssituation und in die vielfältigen Risikolagen von behinderten Frauen. Sie verdeutlichen insbesondere die sozialen Schwierigkeiten und Abwertungen, mit denen sich diese Frauen im Alltag auseinandersetzen müssen.

Die negativen gesellschaftlichen Bewertungen des 'Behindertenstatus' trage dazu bei, dass viele Betroffene sich zurückziehen und sich als ein Einzelschicksal sehen. Das kann zu Begleiterscheinungen führen wie dem Verlust des Selbstwertgefühls, zu Hilflosigkeit und zur Verminderung sozialer Kontakte. Andererseits können die gesundheitlichen Einschränkungen oder Behinderungen nicht einfach unsichtbar gemacht werden. Positive Beispiele von selbstbewussten Frauen, die aus der Vereinzelung heraustreten und ihre Interessen öffentlich artikulieren, können Mut machen und Vorbild sein, aktiv zu werden.

Ein Netzwerk kann eine geeignete Plattform dafür sein. Es ist daher vor einigen Jahren zu Netzwerksgründungen gekommen. Auf der Bundesebene gibt es das Weibernetz www.weibernetz.de und in Nordrhein-Westfalen das Netzwerk von Frauen und Mädchen mit Behinderungen NRW. Durch einen ständig aktualisierten Internetauftritt unter der Adresse: http://www.netzwerk-nrw-de wird mit dem Angebot der Verlinkung zu anderen Internetangeboten auch medial die Vernetzung vorangetrieben.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS)
Homepage: https://www.mags.nrw/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV5007


Informationsstand: 03.06.2005

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