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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Kommunale, verbandliche und schulische Praxis zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus durch Integrationsassistenz

Expertenpapier



Autor/in:

Heller, Monika; Hermann, Georg; Krug, Georges [u. a.]


Herausgeber/in:

Landschaftsverband Rheinland (LVR)


Quelle:

Köln: Eigenverlag, 2008, 30 Seiten: PDF


Jahr:

2008



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Abstract:


Menschen mit Autismus zeigen nicht nur isoliertes, autistisches Verhalten, sondern weisen in der Regel auch Mehrfachbehinderungen auf. Autistische Beeinträchtigungen sind sehr komplex und für den betroffenen Personenkreis selbst, wie für seine Bezugspersonen äußerst problematisch, da alle Bereiche der menschlichen Entwicklung, unter anderem soziale Interaktion, Kommunikation, Verhalten, Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung mehr oder weniger gestört sind.

Missverständnisse mit der Lebensumwelt sind deshalb vorprogrammiert und führen im Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Autismus immer wieder zu erheblichen Krisen. Autismus gilt in Fachkreisen als eine der schwerwiegendsten Behinderungen. Die Häufigkeit einer Behinderung durch Autismus liegt bei max. 1 ‰ der Bevölkerung.

Der erfolgreiche Besuch von Regel- und Förderschulen sowie ein gelingendes Freizeitleben ist bei Kindern mit Autismus nicht selten gefährdet. Seit den sechziger Jahren haben Eltern von Menschen mit Autismus ein Netz von Vereinigungen und Institutionen in Deutschland aufgebaut, damit auch ihre Kinder trotz der mit dieser schwerwiegenden Behinderung verbundenen Problemen am gesellschaftlichen Miteinander in allen Lebensbereichen teilhaben können.

Für vieles konnten sie im privaten Lebensumfeld, in der Öffentlichkeit und im Kontakt zu Behörden sensibilisieren, manche fachliche Unterstützung konnte durchgesetzt werden. Es gibt jedoch immer noch beträchtliche, weitgehend ungelöste Probleme. Hierzu gehört vor allem auch die Chancengleichheit im Bildungsbereich.

Um diese realisieren zu können, erfordert gerade die autistische Behinderung mit ihren komplexen Auswirkungen eine entsprechend gut konstruierte, interdisziplinäre Zusammenarbeit. So sind für die schulische Förderung von jungen Menschen mit Autismus unter anderem die örtlichen wie überörtlichen Träger der Jugend- und Sozialhilfe sowie die Städte, Kreise und Landschaftsverbände als Schulträger zuständig und zu einer funktionierenden, guten Kooperation im Sinne der Betroffenen aufgerufen.

Vor dem Hintergrund der gesetzlichen und rechtlichen Bestimmungen nach den Sozialgesetzbüchern VIII, IX, XII und dem Schulgesetz NRW definiert sich Integrationsassistenz für Schülerinnen/Schüler mit Autismus als ergänzende persönliche Assistenz, die neben dem organisierten, zielgerichteten, pädagogischen Intervenieren durch Lehr- und Lernprozesse der Institution Schule (sowohl der Regel- als auch Förderschule einschließlich ihres sonderpädagogischen Förderbedarfes) dem jeweilig zusätzlich individuell, behinderungsbedingt notwendigen Mehrbedarf der/des Betroffenen Rechnung trägt.

Somit wird durch eine situations- sowie alltagsorientierte Strukturhilfe erst eine angemessene Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus in Schulleben und Klassengemeinschaft - unabhängig von Art und Schwere der autistischen Beeinträchtigung - sichergestellt.

In der Jugendhilfe und sozialen Arbeit ist über Jahre die Realität zu beobachten, dass Eltern von Kindern mit Autismus in der Problematik stehen, bei der Antragstellung an die Kommunalverwaltung auf Einsetzung einer Integrationsassistenz, nach den vorhandenen gesetzlichen Grundlagen in den Sozialgesetzbüchern VIII, IX, XII für ihre Kinder nach einem geordneten Verwaltungsverfahren zeitnah und fachgerecht eine geeignete Förderung bewilligt zu bekommen.

Eltern von Kindern mit Autismus berichten oft von der Erfahrung, '… dass wir uns in langwierigen Verfahrensfragen zwischen den verschiedenen kommunalen Dienststellen (Jugendhilfe, Sozialhilfe, Gesundheitshilfe und den unterschiedlichen Schulbeteiligten) zerrieben fühlen …'. Schüler mit Autismus finden wir in allen Schulformen.

Für die beteiligten Fachdienste in den Kommunalverwaltungen als öffentliche Träger der Jugendhilfe, des Gesundheitswesens, der Sozialhilfe und als Schulträger sowie in der Zusammenarbeit mit den staatlichen Schulämtern und in den verschiedenen Schulformen treten dabei multiple Problemlagen auf. Vielfach ist festzustellen, dass in kommunalen Dienststellen die Bearbeitung der Anträge von Eltern auf Einrichtung einer Integrationsassistenz für ihr autistisches Kind einfach wegen der unbekannten Behinderungsart auf Probleme stößt.

Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, hat sich im Jahr 2005 ein interdisziplinär besetzter Expertenkreis der verschiedenen Institutionen in Nordrhein-Westfalen aus: Schule, Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Kommunalverwaltung, Bezirksregierungen, Schulministerium, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen sowie Förderinstituten für Kinder und Jugendliche mit Autismus zusammengefunden und für die kommunale, verbandliche und schulische Praxis eine 'Arbeitshilfe zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus durch Integrationsassistenz' entwickelt.

Eine abgestimmte Förderpraxis von Jugend- und Sozialhilfe sowie Gesundheitswesen, Schulpraxis und freien Trägern soll erreicht werden. Das Expertenpapier soll für die kommunale und verbandliche Praxis als Anregung und Diskussion bei der Weiterentwicklung bürgernahen Verwaltungshandelns verstanden werden.

[Aus: Information des Herausgebers]


Weitere Informationen:


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Dokumentart:


Graue Literatur / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Landschaftsverband Rheinland (LVR)
Homepage: https://www.lvr.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV5127


Informationsstand: 30.06.2010

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