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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Betriebliche Eingliederung von an Depression erkrankten Beschäftigten

Mit der stufenweisen Wiedereingliederung nach § 74 SGB V und § 28 SGB IX



Autor/in:

Eierdanz, Axel


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

München: GRIN; print on demand, 2011, 150 Seiten


Jahr:

2011



Abstract:


Die verbreitetsten psychischen Störungen in der Europäischen Union sind Angst und Depression. Man rechnet damit, dass bis zum Jahr 2020 Depressionen in den Industriestaaten die zweithäufigste Ursache von Erkrankungen sein werden. Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass ca. 40 % der psychischen Störungen chronisch verlaufen.

Die Kosten psychischer Erkrankungen betragen schätzungsweise 3-4 % des Bruttoinlandsprodukts, hauptsächlich als Folge von Produktivitätsverlusten. Ursachen für diese Entwicklung seien hauptsächlich arbeitsbedingter Stress und psychische Probleme am Arbeitsplatz. Die Folge ist frühzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben durch Erwerbsminderung. Depressionen und Angststörungen verursachten dabei den mit Abstand höchsten Anteil dieser Produktivitätsverluste (vgl. BKK Gesundheitsreport 2008 S. 17f).

Die betriebliche Eingliederung von an Depression erkrankten Beschäftigten scheitert häufig an mangelnder Kooperation der Betriebe und der Sozialkostenträger. Hauptproblem ist dabei aus Sicht der Betriebe die mangelnde Informationstransparenz der Sozialkostenträger über entsprechende Unterstützungsangebote.

Die Eingliederung von erkrankten Beschäftigten durch das BEM (Betriebliches Eingliederungsmanagement) wurde in unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Niehaus et al. (2008 S. 9) schreiben den KK eine geringe Rolle im BEM zu, da für diese eher die Optimierung des Krankengeldfallmanagements im Vordergrund stehe. Die stufenweise Wiedereingliederung (WE) ist die häufigste Maßnahme auf Einzelfallebene im BEM (vgl. Niehaus et al. 2008 S. 56).

Eine Übersicht über weitere Studien zur Umsetzung des allgemeinen BEM in den Betrieben geben Freigang - Bauer & Gröben (2011 S. 19 f). Es werden Studien aus den Jahren 2007 bis 2009 genannt, in denen die Umsetzung des BEM bundesweit untersucht wurde. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das BEM eine Vielzahl hemmender Faktoren besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bezüglich der Umsetzung des BEM und insgesamt nur wenig fördernde Faktoren aufweist.

Freigang - Bauer & Gröben (2011 S. 9) haben in ihrer Arbeit eine Gruppe von 25 externen Experten und 130 innerbetrieblichen Akteuren zum Thema Eingliederung von Mitarbeitern mit psychischen Erkrankungen befragt. Die Krankenkasse (KK) wird darin von Seiten der Betriebe als erster Ansprechpartner für die Eingliederung von an Depression erkrankten Beschäftigten genannt (vgl. Freigang - Bauer & Gröben 2011 S. 10). Siegrist; Siegrist (2010) geben einen internationalen Literaturüberblick über das Thema 'Berufliche Wiedereingliederung von an Depression erkrankten Beschäftigten'.

Als Hauptprobleme beschreiben sie die hohe Fehlzeitenquote und die langen Krankheitszeiten als Folge depressiver Erkrankungen. Ein weiteres Problem ist die eingeschränkte Produktivität nach erfolgter beruflicher Wiedereingliederung. In der Konsequenz ergibt sich eine hohe Anzahl von Frühberentungen bei an Depression erkrankten Beschäftigten (vgl. Siegrist & Siegrist 2010 S. 6). Als Gründe für diese Steigerung sehen sie die um durchschnittlich 50 % gestiegenen psychosozialen Arbeitsbelastungen. Als Fazit für den Erfolg eines positiven Krankheitsverlaufs und der beruflichen Reintegration der an Depression erkrankten Beschäftigten betrachten sie die frühzeitige Vernetzung von medizinischer und beruflicher Rehabilitation (vgl. Siegrist & Siegrist 2010 S. 4). Als Handlungsoption für die KK führen sie die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) an, hier insbesondere die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsorganisation und die Schulung von Führungsverhalten. Durch Prozessoptimierung im Versorgungsmanagement sollen die Diagnostik und die Behandlung von psychischen Erkrankungen durch die KK verbessert werden(vgl. Siegrist & Siegrist 2010 S. 54f).

In dieser Arbeit ist, im Gegensatz zu den oben genannten Studien, ausschließlich die Perspektive von vier Krankengeldfallmanagern (KGFM) einer kleinen Betriebskrankenkasse zum Thema 'Betriebliche Eingliederung von an Depression erkrankten Beschäftigten mit der WE' Gegenstand einer qualitativen Untersuchung. Zu diesem Zweck wurden Experteninterviews mit vier KGFM einer Betriebskrankenkasse (BKK) durchgeführt.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Perspektive der KGFM einer BKK zu dem Thema 'Betriebliche Eingliederung von an Depression erkrankten Beschäftigten mit der stufenweisen Wiedereingliederung nach § 28 SGB IX i.V. m. §74 SGB V (WE)' zu eruieren. Neben der Sichtweise zu oben genanntem Thema soll das konkrete Vorgehen der KGFM durch die vorliegende Untersuchung erhoben werden. Das Anliegen bei der Auswahl des Themas war es, die Lage der an Depression erkrankten Beschäftigten aus Sicht der KGFM näher zu beleuchten, sowie die Sichtweise und die Handlungsmotive der KGFM für ihre Arbeit mit depressiv erkrankten Beschäftigten hinsichtlich der Wahrnehmung ihrer Aufgaben und Möglichkeiten im organisatorischen und institutionellen Rahmen einer gesetzlichen Krankenkasse zu erfassen. Dabei soll auch die Zusammenarbeit der KK mit den AG und den Rehabilitationsträgern aus Sicht der KK erhoben werden. Zur Erarbeitung des theoretischen Bezugsrahmens (vgl. Punkt 3) dieser Arbeit wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt.

[Aus: Autorenreferat]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 167 SGB IX Prävention/Betriebliches Eingliederungsmanagement | REHADAT-Recht
§ 44 SGB IX Stufenweise Wiedereingliederung | REHADAT-Recht
§ 74 SGB V Stufenweise Wiedereingliederung | REHADAT-Recht




Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


GRIN Verlag / Open Publishing GmbH
Homepage: https://www.grin.com/de/

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Referenznummer:

R/NV5573


Informationsstand: 06.11.2012

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