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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Persönliche Budgets für behinderte Menschen

Evaluation des Modellprojektes Selbstbestimmen nach Maß für behinderte Menschen



Sammelwerk / Reihe:

Schriftenreihe Dialog sozial, Band 4


Autor/in:

Kaas, Susanne


Herausgeber/in:

Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit Rheinland-Pfalz (MASFG)


Quelle:

Baden-Baden: Nomos, 2002, 213 Seiten, ISBN: 3-7890-8058-6; 978-3-7890-8058-6


Jahr:

2002



Abstract:


In Teil I Grundlagen stellt Susanne Kaas den sozialpolitischen und rechtlichen Kontext des Modellprojektes dar. Sie skizziert die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung und gibt einen Überblick über die landesspezifische rechtliche und sozialpolitische Ausgangssituation in Rheinland-Pfalz. Damit gibt sie eine bedeutsame Blickrichtung vor: der Impuls für persönliche Budgets als Instrument der Sozialpolitik geht bereits seit vielen Jahren von der Selbsthilfebewegung betroffener Menschen und ihrer Angehöriger aus. Die sozialpolitischen EntscheidungsträgerInnen agierten hier also in gewissem Sinne reaktiv oder nachholend, nicht wie vielfach dargestellt impulsgebend.

Teil II ist der Dokumentation des rheinland-pfälzischen Modellprojektes 'Selbst bestimmen - Hilfe nach Maß für Behinderte' gewidmet. Die Grundidee wird wie folgt beschrieben: 'Im Rahmen des Modellprojekts wird ein persönliches Budget für behinderte Menschen in Verbindung mit einem regionalen Budgetierungssystem eingeführt.

Das persönliche Budget wird als ambulante Eingliederungshilfe verstanden, die der sozialen Eingliederung behinderter Menschen - ihrer Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft - dienen soll. Es wird geistig, körperlich und seelisch wesentlich behinderten Menschen angeboten, die bereits in einem Heim leben oder vor der Entscheidung stehen, in ein Heim zu gehen' (53). Vier der insgesamt 36 Kreise in Rheinland-Pfalz konnten für eine Teilnahme gewonnen werden. Insgesamt 365 Menschen mit Behinderung wurden begutachtet, wobei lediglich 119 Personen letztendlich am Modell teilnahmen.

Die reichhaltig und sehr detailliert aufgeführten statistischen Aussagen der Studie basieren also auf eher bescheidenem empirischen Material. Dies legt die Frage nahe, warum der Schwerpunkt der Evaluation methodisch nicht auf einen qualitativen anstatt fast durchgängig quantitativen Zugang gelegt wurde. 32 ProjektteilnehmerInnen wurden zusätzlich mittels eines standardisierten Interviewleitfadens befragt, wobei leider auch diese Auswertung quantifizierend vorgenommen wird. Es fragt sich, ob Dimensionen wie subjektives Wohlbefindens und Verbesserung der Lebenszufriedenheit hiermit erfasst werden können - was die Menschen oder gar wie sie es erzählt haben, erfahren wir nicht.

In Teil III erfährt das Modellprojekt eine kritische Würdigung und Handlungsempfehlungen werden formuliert. Einige Thesen, die über die spezifischen Bedingungen des Modellprojektes hinausgehen, möchte ich hier herausgreifen. So die These, dass Kosteneinsparungen durch persönliche Budgets möglich sind, sofern dieses Instrumentarium in den Kontext der Entwicklung im stationären Bereich gestellt wird. 'Wesentlich für die Funktionsfähigkeit persönlicher Budgets', so das Ergebnis der Studie, sind 'ein differenziertes und flächendeckendes Angebot an ambulanten Hilfen sowie geeignete Wohnangebote, die den behinderten Menschen eine selbstständige Lebensführung erlauben' (163).

Darüber hinaus, so Kaas, ist ein flächendeckendes Beratungsnetz sowohl für Budgetempfänger als auch für Interessenten am persönlichen Budget notwendig. Zudem wird - auch dies ein Kernpunkt der sozialpolitischen Debatte - angemahnt, dass ein transparentes Instrumentarium zur exakten Ermittlung des Hilfebedarfs behinderter Menschen unabdingbar ist. Damit spiegeln sich im Modellprojekt einige zentrale Fragen, die für die Zukunft der Politik von und für Menschen mit Behinderung entscheidend sein werden.

Der Band richtet sich in erster Linie an Fachfrauen und -männer der Behindertenpolitik, ist aber auch betroffenen Menschen zu empfehlen, da er einen Einblick in die Möglichkeiten persönlicher Budgets gibt.

Obgleich das Modellprojekt selbst empirisch einige evidente Fragen aufwirft, leistet Susanne Kaas einen wichtigen und interessanten Beitrag zu der Diskussion, welche behindertenpolitischen Entwicklungen in Deutschland anstehen. Die Erfahrungen in Rheinland-Pfalz sollten auch deshalb kritisch gewürdigt und reflektiert werden, weil persönliche Budgets in naher Zukunft aus der sozialpolitischen Landschaft nicht mehr wegzudenken sein werden. Lesenswert also für alle, die die Maxime der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in die Praxis umsetzen wollen.

[Rezension bei http://www.socialnet.de, Abrufdatum: 28. Oktober 2003]


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Nomos Verlagsgesellschaft
Homepage: https://www.nomos-shop.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV6707


Informationsstand: 18.09.2003

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