Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Partizipation blinder, sehbehinderter und mehrfach behinderter Hochschulabsolventen in Deutschland: Der Einfluss von Beratung

Eine empirische Studie



Sammelwerk / Reihe:

HdBA-Bericht, Band 4


Autor/in:

Bach, Heinz Willi


Herausgeber/in:

Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA); University of Applied Labour Studies


Quelle:

Mannheim: Eigenverlag, 2011, 528 Seiten


Jahr:

2011



Link(s):


Link zu der Studie (PDF | 7,19 MB)


Abstract:


Obwohl sie trotz großer Handicaps Hochschulstudiengänge erfolgreich abgeschlossen haben, bestehen für blinde, (hochgradig) sehbehinderte oder mehrfach behinderte Stellensuchende große Probleme bei der Arbeitsuche. Nicht nur Arbeitgeber, sondern auch die Beratungs- und Vermittlungsfachkräfte der Einrichtungen der öffentlichen Arbeitsvermittlung in Deutschland scheinen oftmals eher behinderungsbedingte Defizite im Vordergrund zu sehen, statt den Blick auf die teils außergewöhnlichen Leistungen und Fähigkeiten zu richten, ohne die ihre Kunden das Hochschulstudium nicht erfolgreich hätten absolvieren können. So werden vielfach trotz umfangreicher Möglichkeiten des Einsatzes arbeitsmarktpolitischer Instrumente Chancen zur beruflichen Integration nicht genutzt.

Disability studies sind in Deutschland weitgehend terra incognita. Auch theoretische Grundlagen zur Frage: 'Welche Erfahrungen machen schwer behinderte Menschen bei der Arbeitsuche?' fehlen weitgehend. Am Beispiel der Gruppe sehgeschädigter Hochschulqualifizierter soll exemplarisch das Dunkelfeld berufliche Partizipation durch Beratung und Vermittlung aus der Sicht der Betroffenen erhellt werden. Anlass dazu gaben Schilderungen betroffener Stellensuchender gegenüber Selbsthilfeorganisationen, die große Unterschiede hinsichtlich Qualität, Effektivität, Nutzen und Erfolg der Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten der Einrichtungen der öffentlichen Arbeitsvermittlung vermuten lassen.

Angesichts des sehr niedrigen Standes der Forschung wurden mittels schriftlicher und telefonischer Befragung Befunde zur Wahrnehmung von Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen der öffentlichen Arbeitsvermittlung erhoben. Das Erhebungsinstrument beinhaltete sowohl quantitative wie auch qualitative Elemente. Schwerpunkt der Befragung war die subjektive Wahrnehmung aus Kundensicht. Diese konnte jeweils mit weiteren Aussagen in Bezug gesetzt werden. Auch wenn der geringe Umfang der Stichprobe repräsentative Aussagen nicht zulässt, geben die erhobenen Daten doch ein sehr differenziertes Bild der Arbeitsuche blinder und sehbehinderter Akademiker.

Es werden sehr unterschiedliche Erfahrungen mit den Einrichtungen der öffentlichen Arbeitsvermittlung mitgeteilt, was Qualität, Effektivität, Nutzen und Erfolg der Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten betrifft (4 und 5). Die Antworten zu den Fragen zur Wirksamkeit der Beratungen aus Sicht der Klienten zeigen zum Teil äußerst ernüchternde und Besorgnis erregende Resultate (4.3).

Die meisten Befragten fühlten sich von den Beratenden akzeptiert und respektiert. Wie sehr ihnen Mut gemacht wurde und insbesondere, wie sehr sie sich unterstützt fühlten, streute sehr stark danach, welche Institution sie beurteilten (4.4.3). Die Beratenden empfanden die Behinderung zunehmend als Problem bei den Vermittlungsbemühungen, je stärker die Sehschädigung ausgeprägt war, so war der Eindruck der Befragten. Bei der Einschätzung der beruflichen Kompetenz ergab sich ein solches Bild nicht, vielmehr spielten hier Genderunterschiede eine größere Rolle (4.4.4).

Die meisten Befragten fühlten sich hinsichtlich ihrer Kompetenz und Motivation von den Beratenden zutreffend eingeschätzt. Signifikante Unterschiede hinsichtlich der Intensität der Sehschädigung ergaben sich nicht. Frauen fühlten sich in höherem Maße zutreffend eingeschätzt. Weitere Unterschiede ergaben sich je nach der Institution, mit der Kontakt bestand (4.4.5). Fortbildung im Beruf wurde von den Befragten in auffällig geringem Umfang wahrgenommen (3.3.2).


Weitere Informationen:


Englisches Abstract

Abstract:


Even though they have successfully graduated from college or university despite great handicaps, job seekers who are blind or visually impaired or have multiple disabilities have major problems when looking for a job. Not only employers but also counselors from public employment services in Germany frequently seem to focus more on disability-related deficits than on the often extraordinary achievements and capabilities of their applicants, clients, which enabled them to complete their studies successfully. Therefore opportunities for occupational integration many times are not used although extensive labor market policy instruments could be taken advantage of.

Disability studies, for the most part, are unknown territory in Germany. Basic theoretical information on the question 'What do severely physically challenged persons experience when seeking employment?' is largely not available. Looking at the segment of university graduates with a visual impairment as an example, the objective is to shed light on the 'dark' area of occupational participation through counseling and placement services, as seen from the perspective of the persons concerned. This examination was prompted based on descriptions by affected job seekers who were in contact with self-help organizations. These descriptions suggested that there were vast differences in the quality, efficiency, value and success of the counseling and placement activities provided by public employment services.

Due to the fact that very little research has been done in this area, surveys were conducted in writing and by telephone to gather information on how the counseling and placement services of the public employment agencies were perceived. The data collection instruments included quantitative as well as qualitative elements. The focal point of the survey was the subjective perception from the standpoint of the client. This perception could then be put into relation with other items. Even though the small scope of the sample does not permit a representative assessment, the collected data does paint a much differentiated picture of the job search of graduates who are blind or visually impaired.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Projekt Berufliche Partizipation blinder, sehbehinderter und mehrfach behinderter Hochschulabsolventen in Deutschland - der Einfluss von Beratung




Dokumentart:


Buch/Monografie / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA)
Homepage: http://www.hdba.de/start/

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Referenznummer:

R/NV6798


Informationsstand: 19.10.2011

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