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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Assessments in der neurologischen Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen

Wissenschaftliches Projekt mit Unterstützung des Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung - BMGS



Autor/in:

Deppe, Wolfgang; Spranger, Matthias [u. a.]


Herausgeber/in:

Neurologisches Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche Friedehorst


Quelle:

Bremen: Eigenverlag, Online-Ressource, 2007, 83 Seiten: PDF


Jahr:

2007



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Abstract:


Der Bericht wurde vorgelegt vom Verein zur Förderung der Qualitätssicherung in der neurologischen Frührehabilitation von Kindern und Jugendlichen e.V.

Die neurologische Frührehabilitation hat sich in den letzten Jahren als erfolgreiche Behandlungsform von Patienten mit schwersten Schädigungen des Nervensystems auch für Kinder und Jugendliche etabliert. Zur Steuerung und Qualitätssicherung des Rehabilitationsprozesses und zu dessen ökonomischer Erfassung sind zuverlässige patientenbezogene Assessments zu einzelnen Aspekten oder zur übergreifenden Abbildung unerlässlich.

Im Rahmen eines vom Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung unterstützten Projektes wurde auf der Grundlage der International Classification for Functioning, Disability and Health (ICF) die Fülle bereits existierender Assessmentverfahren auf ihre jeweilige Validität, Objektivität, Reliabilitat und Praktikabilität überprüft und den verschiedenen Domänen und Items der ICF zugeordnet.

Daraus ist eine Synopse von empfohlenen Assessmentverfahren mit Angaben zu Gütekriterien und Literatur entstanden, die in einem gesonderten umfangreichen Anhang wiedergegeben wird. Darauf aufbauend wurden Empfehlungen erarbeitet für einen im klinischen Alltag praktikablen Verfahrensablauf zur reliablen und validen Erfassung des Schweregrades der Beeinträchtigung, der relevanten Kontextfaktoren und der individuellen Rehabilitationserfolge bei Patienten mit angeborenen und erworbenen Hirnschädigungen.

Eine von der WHO vorgeschlagene ICF-Shortlist wurde auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in der neurologischen Rehabilitation adaptiert. Die von der WHO eingeführten Qualifier wurden aufgrund gravierender methodischer Mängel durch eine praktikablere Dichotomisierung in 'geschädigt' und 'ungeschädigt' ersetzt.

Damit stellt diese adaptierte ICF-Checkliste für Kinder und Jugendliche eine geeignete Matrix für die Identifizierung von Schädigungen, Einschränkungen, Ressourcen und von therapeutischen Zielbereichen in der neurologischen Rehabilitation dar. Sie kann ein sehr sinnvolles Instrument der Prozesssteuerung in der neurologischen Rehabilitation werden. Wegen der fehlenden Operationalisierung, Quantifizierung und Veränderungssensitivität auf Item-Ebene ist sie jedoch nicht als eigenständiges Assessmentverfahren geeignet.
Bei der vergleichenden Analyse der vorhandenen Verfahren ergaben sich folgende Erkenntnisse:

- Die bisher zur Verfügung stehenden Assessmentverfahren genügen nicht durchgängig wissenschaftlichen Standards und praktischen Anforderungen an Objektivität, Zuverlässigkeit, Empfindlichkeit und Differenzierungsfähigkeit:

- Gängige, bereits in der Praxis der Rehabilitation gegenüber Kostenträgern verwendete oder von diesen vorgegebene Überblicks-Assessmentverfahren weisen zum Teil schwerwiegende methodische Mängel auf (Barthel-Index, Frühreha-Barthel-Index) und sind nicht in der Lage, die Vielfalt betroffener Bereiche angemessen wiederzugeben.

Sie sind allein am aktuellen Hilfebedarf orientiert und geben keinerlei Informationen über für das Kindes- und Jugendalter auch prognostisch besonders wichtige Bereiche wie Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit, Kommunikation, Emotionalität, Verhaltensanpassung und familiäre Integration.

- Es ist mit den bisher zur Verfügung stehenden Assessmentverfahren nicht durchgängig möglich, die durch die ICF definierten Bereiche und Faktoren umfassend, dem Schädigungsausmaß angemessen und altersgerecht abzubilden. Besondere Schwachstellen liegen im frühen Kindesalter, bei schweren Schädigungen, im Bereich der Motorik (zum Beispiel Handmotorik/Feinmotorik), der Emotionalität, der Partizipation in der Gesellschaft und bei den Kontextfaktoren. Hier besteht weiterer erheblicher Entwicklungsbedarf.

- Vergleichweise valide und differenziert lassen sich schon jetzt sprachliche und kognitive Funktionen sowie Aktivitäten der Alltagsbewältigung erfassen und differenzieren.

- Die vorhandenen Assessmentverfahren wurden für die Bedürfnisse der neurologischen und psychologischen (Entwicklungs-)Diagnostik oder aus der Rehabilitationspraxis, nicht jedoch aus der Systematik der ICF heraus entwickelt. Dadurch ist ein Bezug auf die ICF häufig schwierig und nur wenig passgenau möglich.

Die große Zahl der mit dieser Arbeit empfohlenen Assessmentverfahren hat ihren Grund und Sinn darin, für die Vielfalt von Altersgruppen, individueller Betroffenheit, Schädigungsmuster und Schweregrade eine individuell zugeschnittene und angemessene Erfassung zu leisten, die den jeweiligen gesundheitlichen Störungen, aber auch Ressourcen patientenzentriert gerecht wird.

Daher ist auch unter angemessener Berücksichtigung gesundheitsökonomischer Erfordernisse die Einführung oder Entwicklung eines verbindlichen, einheitlichen, übergreifenden Assessmentverfahrens ohne Rückgriff auf andere Assessmentverfahren auf der Ebene einzelner ICF-Domänen für die Belange der neurologischen Kinder- und Jugendlichenrehabilitation weder sachgerecht noch zweckmäßig.

In Abhängigkeit von der Fragestellung (zum Beispiel Erfassung von Schädigungsgrad und patientenseitigen Ressourcen, Identifizierung von Entwicklungspotential und Förderbedarf, Interventions-Evaluation, Rehabilitationsverlauf, ökonomischer Ressourcenverbrauch) erscheint es in den meisten Fällen jedoch möglich, aus den Empfehlungen der vorliegenden Arbeit geeignete Assessmentverfahren auszuwählen.

Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Arbeit können zukünftige Anstrengungen sich darauf richten, eine modifizierte Version der ICF-Checkliste zu einem Globalassessment auszubauen, das auf den Ergebnissen von ausgewählten, individuell geeigneten EinzelAssessments beruht.

Der Bericht ist Auszug des Abschlussberichtes eines vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung geförderten Modellprojektes (Förderkennzeichen: GRR - 58640 -2 /11). Bei Interesse können weitere Information dem vollständigen Abschlussbericht entnommen werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Stiftung Friedehorst
Homepage: https://www.friedehorst.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV6938


Informationsstand: 29.01.2010

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