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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Dialog zwischen Richtern und medizinischen Sachverständigen zum Thema: Auswirkungen des SGB IX auf Gutachtensaufträge und Begutachtung am 27. und 28. März 2003 in Kassel

Tagungsdokumentation



Sammelwerk / Reihe:

Dialog zwischen Richtern und medizinischen Sachverständigen


Autor/in:

Gagel, Alexander; Schian, Hans-Martin; Seger, Wolfgang [u. a.]


Herausgeber/in:

Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln (IQPR)


Quelle:

Köln: Eigenverlag, 2003, 52 Seiten


Jahr:

2003



Abstract:


Assessmentdenken
Assessmentdenken ist methodenorientiert und verfolgt das Ziel, die Transparenz und Qualität von Gutachten zu verbessern. Mit dem Gutachten wird der Auftrag einer Einschätzung erteilt. Um Ermessensspielräume gering zu halten und Gutachterprozesse ökonomisch zu gestalten wird zunehmend über den Einsatz von Instrumenten (Assessmentinstrumenten) in diesem Prozess der Einschätzung (Assessment) nachgedacht. Dabei ist davon auszugehen, dass über die Instrumente eine gewisse Systematisierung und Standardisierung der Gutachtenprozesse und eine Präzisierung der gutachterlichen Stellungnahme erreicht wird und darüber hinaus die Objektivität verbessert wird. Zur Präzision der Aussage über die Leistungsfähigkeit in Bezug auf den Arbeitsmarkt ist der Einsatz von Profilvergleichsverfahren, die einen Vergleich der menschlichen Fähigkeiten mit den Arbeitsanforderungen ermöglicht, sinnvoll.

Im engeren Sinne wird unter Assessment die Anwendung eines Verfahrens zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit verstanden. Im weiteren Sinne ist Assessment eine mehrdimensionale Situationsanalyse. Unter einem Assessmentzirkel wird das Zusammenspiel von Assessment, Assignment (Strategieauswahl), Intervention und Evaluation verstanden. Profilvergleichssysteme wie IMBA sind in der Lage, in einer strukturierten Form Anforderungen von Arbeitsplätzen abzubilden. Somit bestände hier die Möglichkeit, den unscharfen Begriff des allgemeinen Arbeitsmarktes über Referenzprofile zu konkretisieren.

Bedeutung der ICF
Die ICF weist mit ihrem mehrdimensionalen Ansatz zur Beschreibung von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit darauf, dass sich Begutachtungen nicht ausschließlich auf die Beschreibung von Funktions- und Strukturstörungen und der Darstellung des Krankheitsbildes beschränken dürfen, vielmehr gilt es das Aktivitäts- und Partizipationsbild des Betroffenen und die Kontextfaktoren einzubeziehen.

Die ICF zielt auf eine einheitliche Begriffsverwendung - interdisziplinär als auch international. Folglich ist es wichtig, dass diese Terminologien auch bei den Sozialleistungsträgern aufgenommen werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) hat ein Grundkonzept für eine trägerübergreifende, an die ICF-orientierte Begutachtung vorgelegt.

Psychosomatische Begutachtung
Epidemiologische Untersuchungen zeigen deutlich die zunehmende Bedeutung psychosomatischer Erkrankungen. Kaum ein sozialmedizinisches Gutachten kann die Erkrankung beziehungsweise die Erwerbsminderung alleine auf somatische Faktoren zurückführen. In Fällen psychosomatischer Erkrankungen ist insbesondere die psychosoziale Leistungsfähigkeit zu beurteilen.

Eine psychosomatische Begutachtung ist sinnvoll, wenn u.a. eine deutliche Diskrepanz zwischen den organischen Befunden und dem subjektiven Erleben der Beschwerden beziehungsweise ein hoher Leidensdruck im Verhältnis zum Ausmaß der Beschwerden vorliegt. Langandauernde Belastungen im Beruf oder im familiären und sozialen Umfeld können ebenfalls eine psychosomatische Begutachtung anzeigen.

Problematik der Stundenregelung in § 43 SGB VI Inwieweit und mit Hilfe welcher Instrumente die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Betroffenen in quantitativer Hinsicht möglich ist, wird schon lange diskutiert. Der unscharfe Beurteilungsmaßstab 'allgemeiner Arbeitsmarkt' erschwert die Aufgabe für den Gutachter. Daher sollte einerseits versucht werden, über die systematische Erfassung der tatsächlichen Anforderungen auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt eine Präzision des Beurteilungsmaßstabes herzustellen. Andererseits zeigt sich, dass die gutachterliche Aussage optimiert werden kann, indem verstärkt Verfahren der Aktivitäts- und Partizipationsdiagnostik, bei denen der Betroffene an simulierten Arbeitsplätzen (zum Beispiel FCE-Verfahren wie ERGOS, EFL) oder am realen Arbeitsplatz (Arbeitsplatzerprobung) beobachtet wird, eingesetzt werden. In welchen Fällen eine derartige Zusatzuntersuchung indiziert ist, muss jedoch noch über die praktische Erprobung exakter bestimmt werden. Sicherlich kann ein derartiger Aufwand nicht bei jeglichen Antrags- und Fragestellungen ökonomisch sein.

Rehabilitativer Ansatz im Rentenverfahren
Das neue Gesetz zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen SGB IX fordert verstärkt auch im Rentenverfahren nach noch vorhandenen Rehabilitationsmöglichkeiten zu suchen. Der Rentenantrag soll Anlass sein den Bedarf in Bezug auf alle Leistungen zur Teilhabe und Prävention trägerübergreifend zu überprüfen. Hierbei sind die Wahl- und Mitbestimmungsrechte der behinderten Menschen zu berücksichtigen und das bisherige Verfahren ist darauf auszurichten. Um die trägerübergreifende und schnelle Gewährung von Leistungen zur Teilhabe sicher zu stellen, ist eine enge Zusammenarbeit und Koordination der verschiedenen Rehabilitationsträger von Nöten. Auch die Gutachten müssen sich verstärkt mit den rehabilitativen Ressourcen der Versicherten beschäftigen und so die vorhandenen Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale aufzeigen. Im Rahmen der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass den rehabilitativen Gedanken des SGB IX bisweilen die im Rentenrecht viel engeren Voraussetzungen für Leistungen zur Teilhabe gegenüber dem SGB IX entgegenstehen.

SGB IX Verfahrensvorschrift und die Rechtmäßigkeit des Verwaltungsaktes
Herr Peter Kummer stellte in seinem Vortrag die Konsequenzen für das gerichtliche Verfahren beziehungsweise Urteil bei Nichteinhaltung der §§ 8 und 14 V SGB IX im Verwaltungsverfahren dar. Insgesamt muss festgestellt werden, dass sich im gerichtlichen Verfahren nur sehr begrenzt Konsequenzen ergeben, wenn die Verwaltungsvorschriften missachtet wurden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerk / Graue Literatur / Tagungsdokumentation




Bezugsmöglichkeit:


Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation GmbH (iqpr)
an der Deutschen Sporthochschule Köln
Homepage: https://www.iqpr.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/NV7179


Informationsstand: 05.12.2003

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