Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Zwischen Schönfärberei und Aussonderung


Autor/in:

Eckert, Detlef


Herausgeber/in:

Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD)


Quelle:

Die Stütze, 1994, Heft 3/4, Seite 6-7, Berlin: Eigenverlag


Jahr:

1994



Abstract:


Eine Vielzahl von Veröffentlichungen, Stellungnahmen und Meinungsäußerungen vermittelt oft den Eindruck, dass sich die heutige Lebenssituation schwerbehinderter Menschen im Vergleich zu DDR-Zeiten wesentlich verbessert habe. Dabei wird darauf verwiesen, es wären 'durch die Überleitung des Schwerbehindertengesetzes die Voraussetzungen für eine bessere Eingliederung der Schwerbehinderten in das Arbeitsleben geschaffen' worden.

Tatsächlich drücken alle Landesregierungen in Ostdeutschland mit Bravour ein Konzept der Ausgliederung schwerbehinderter Menschen aus Arbeit und Beruf durch. Während im Oktober 1990 in Ostdeutschland noch mindestens 198.000 Schwerbehinderte in Betrieben des 1. Arbeitsmarktes beschäftigt waren, sank diese Anzahl - trotz der 'bewährten Gesetzgebung' - bis Oktober 1991 auf rund 132.000 und bis Oktober 1992 auf rund 92.000.

In der Arbeitslosenstatistik spiegelt sich der Abbau von über 50 Prozent aller Arbeitsplätze für Schwerbehinderte in den neuen Bundesländern nur bedingt wider. Nach einem Höhepunkt von über 31. 000 gemeldeten schwerbehinderten Arbeitslosen im Jahre 1992 stagniert die Zahl nun bei etwa 28. 000. Alle übrigen arbeitslos gewordenen Schwerbehinderten tauchen dank der Überleitung der früheren DDR-Invalidenrente in eine Erwerbsunfähigkeitsrente (die eine Erwerbstätigkeit nur bis zu einem maximalen Zuverdienst von 440 DM/Monat zulässt) beziehungsweise der Möglichkeit zum Vorruhestand nicht mehr in der Statistik auf. Nicht erfasst sind auch diejenigen, die seit der Wende in Werkstätten für Behinderte untergekommen sind. Das Schwerbehindertengesetz hat sich in der gegenwärtigen Fassung weitgehend als unwirksam erwiesen.

In den alten Bundesländern waren beispielsweise 1989 im Durchschnitt etwa 125.000 Schwerbehinderte arbeitslos. Der einigungsbedingte Boom führte auch in diesem Bereich des Arbeitsmarktes vorübergehend zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit. In den Jahren 1992 und 1993 wuchs die Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter wieder rasch bis auf über 157.000 im Februar 1994 an (diese Zahlen beziehen sich allein auf die alten Bundesländer).

Die Bundesregierung beschloss sowohl 1992 als auch 1993 beschäftigungspolitische Sondermaßnahmen zur Förderung der Einstellung Schwerbehinderter und appelliert an die soziale Verantwortung der Unternehmen, nun doch bitte schwerbehinderte Menschen einzustellen. Der Effekt dieser Maßnahmen ist indes kaum spürbar. Für den Osten bleibt festzuhalten, dass viele Menschen mit Behinderung nunmehr ein Recht auf Hilfe, dagegen aber keine Arbeit mehr haben.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland e.V. (ABiD)
Homepage: https://www.abid-ev.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA0322


Informationsstand: 16.08.1994

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