Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Erfolge der Umschulung in der beruflichen Rehabilitation

Die Beteiligung von Frauen



Autor/in:

Blaschke, Dieter


Herausgeber/in:

Bundesanstalt für Arbeit (BA)


Quelle:

Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste - ibv, 1994, Nummer 52, Seite 4033-4038, Nürnberg: Eigenverlag, ISSN: 0723-8525


Jahr:

1994



Abstract:


Berufliche Umschulungen machten 1987-1992 circa 40 Prozent aller Reha-Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung aus. Gemäß dem Arbeitsförderungsgesetz AFG werden solche berufsfördernden Leistungen zu Rehabilitation gewährt, die wegen Art oder Schwere der Behinderung erforderlich sind, um die Erwerbsfähigkeit der körperlich, geistig oder seelisch Behinderten entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu bessern, herzustellen oder wiederherzustellen und die Behinderten möglichst auf Dauer beruflich einzugliedern.

Kostenträger ist in 80 Prozent der Rehabilitationsmaßnahmen die Bundesanstalt für Arbeit BA, 64 Prozent der Teilnehmer schlossen ihre Umschulungsmaßnahme auf Anhieb mit Erfolg ab. Um eine Aussage über den Erfolg der Umschulungen zu machen, wird im Folgenden die Gruppe der Reha-Teilnehmer, die ihre Umschulung vorzeitig beendet haben, als 'Quasi-Vergleichsgruppe' herangezogen: Die Beschäftigungsquote, das heißt der Anteil der Teilnehmer, die mindestens einmal einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen, betrug für die ersten beiden der Umschulung folgenden Jahre 84 Prozent bei den Frauen und 89 Prozent bei den Männern.

In den beiden folgenden Jahren stieg der Anteil noch einmal um je 3 Prozent an. Die Beschäftigungsquote bei den Abbrechern lag dagegen mit 55 Prozent bei den Frauen und 66 Prozent bei den Männern deutlich niedriger, steigerte sich jedoch in den nächsten 2 Jahren noch um 7 Prozent beziehungsweise 8 Prozent. Das Beschigungsvolumen noch einmal um 1 Prozent beziehungsweise 4 Prozent. Demgegenüber brachten es Frauen, die die Umschulung vorzeitig beendeten, nur auf 31 Prozent, die Männer auf 37 Prozent. Auch hier stieg das Volumen in den folgenden 24 Monaten noch einmal um 2 Prozent beziehungsweise 4 Prozent.

Das Ergebnis der beruflichen Eingliederung ist von verschiedenen Faktoren abhängig: Zum einen muss die allgemeine Konjunkturlage berücksichtigt werden. Je niedriger die Arbeitslosigkeit, desto besser ist auch die Eingliederungsquote der Rehabilitanden. Für den betrachteten Zeitraum war die Verbesserung der Beschäftigungssituation relativ deutlich. Zum anderen gibt es mehrere bedeutsame individuelle Risikofaktoren. Je älter die Personen und je größer die Defizite ihrer schulischen Bildung oder beruflichen Ausbildung, desto geringer sind die Wiedereingliederungsraten. Auch der Berufsverlauf spielt eine Rolle. Je schlechter die letzte Stellung im Beruf war und je länger die Dauer der Arbeitslosigkeit war, desto schlechter die Chancen. Schlechter sind auch die Chancen derer, die schwerbehindert sind. Weitere individuelle Probleme lassen sich vermuten, wenn Teilnehmer in mehreren Vormaßnahmen waren, bevor die eigentliche Umschulung beginnen konnte.

In der 10. Novelle des Arbeitsförderungsgesetzes erscheint erstmals der Zusatz: 'Frauen sollen entsprechend ihrem Anteil an den Arbeitslosen gefördert werden.' Somit kann der schon lange bestehenden Frage nach einer möglichen Unterrepräsentation von Frauen in der beruflichen Rehabilitation mit noch größerer Berechtigung nachgegangen werden. Dabei stellt sich jedoch die Frage nach einer geeigneten statistischen Bezugsgröße,denn ohne diese besteht die Gefahr, dass bei Frauen und Männern der Maßstab der Erforderlichkeit von Hilfen von dem Maß ihrer Betroffenheit von Arbeitslosigkeit als Gruppe abhängt.

Diese Suche nach einer statistischen Bezugsgröße wirft folgende Fragen auf:
- Sind Frauen in gleicher Weise wie Männer solchen Bedingungen unterworfen, die zu jenen Behinderungen führen, die sich auf die Berufsausübung nachteilig auswirken?
- Sind unter den Personen in einem bestimmten Beruf (die in einem bestimmten Alter sind und gleich lange in diesem Beruf gearbeitet haben) die Anteile der Männer und der Frauen mit bestimmten Behinderungen etwa gleich groß?
- Sind diese Behinderungen in etwa gleicher Weise hinderlich für die Ausübung des Berufes beziehungsweise einer Berufstätigkeit?
- Sind diese Behinderungen durch Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation in gleicher Weise ausgleichbar?
- Ist schließlich zum Beispiel eine berufliche Umschulung nach der AReha die für die betreffende Person angemessene Maßnahme?

Diese Fragen sind sehr schwer zu beantworten, da die notwendigen Datengrundlagen als auch eine Präzisierung, in in welcher Weise von einer Behinderung zu sprechen ist, wenn über die Anerkennung als Rehabilitand entschieden werden soll, fehlen.

In jedem Fall ist die tatsächliche Entwicklung der Frauenquote an der Gesamtzahl der abhängigen Erwerbspersonen bemerkenswert stetig von 33,7 Prozent im Jahr 1960 auf 41,1 Prozent im Jahr 1990 gestiegen. Ebenso stieg der Frauenanteil für berufliche Umschulungen in der Rehabilitation von 33,5 Prozent im Jahr 1982 auf 38,7 Prozent im Jahr 1990. Offensichtlich gilt der Satz 'Frauen dringen nur langsam in die Berufswelt der Männer ein.' ebenso für die berufliche Rehabilitation.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Das Erscheinen des Info-Dienstes wurde im Jahr 2003 eingestellt.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA0346


Informationsstand: 26.04.1995

in Literatur blättern