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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Behinderte Menschen auf dem Arbeitsmarkt

Zugangschancen und Hindernisse



Sammelwerk / Reihe:

Sociology in Switzerland: Sociology of Work and Organization


Autor/in:

Güttinger, Franziska


Herausgeber/in:

University of Zurich - Sociology Institute of Zurich


Quelle:

Zürich: Eigenverlag, Online-Ressource, 1998


Jahr:

1998



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Abstract:


Die Ausführungen zeigen, dass weder eindeutig ist, wer als behindert gilt, noch dass genaue Aussagen darüber gemacht werden können, wie viele Erwerbstätige als behindert eingestuft werden. Leider kann aufgrund der fehlenden Statistiken auch nichts über bisherige Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt ausgesagt werden, aus welchen sich allenfalls zukünftige Trends für dieses Segment von Arbeitnehmern erarbeiten ließen. Eindeutig ist jedoch die Richtung, in die die Bestrebungen von Institutionen und Behindertenorganisationen gehen. Sie fordern eine vermehrte Integration von Behinderten in die Gesellschaft und die Arbeitswelt. Die Bedürfnisse von behinderten Menschen sollen in größerem Maße in Betracht gezogen werden, wobei ihnen ein Mitspracherecht zugestanden werden muss, um ihre Anliegen auch selbst zu formulieren und nicht bevormundet zu werden.

In der Schweiz werden körperlich beeinträchtigte Menschen immer noch marginalisiert und es bestehen im Gegensatz zu anderen Ländern keine rechtlichen Grundlagen gegen spezifische Diskriminierungen. Ein Vorstoss in diese Richtung hat der selbst behinderte Nationalrat Suter unternommen. Er unterbreitete eine parlamentarische Initiative in Form einer allgemeinen Anregung, die die Gleichstellung von Behinderten in der Bundesverfassung verankern soll. In der vorgeschlagenen Formulierung eines Verfassungsartikels geht es unter anderem um die Gleichstellung von Behinderten in Schule, Ausbildung und Arbeit, Verkehr, Kommunikation und Wohnen. Zudem werden Maßnahmen zur Beseitigung von diesbezüglichen Ungleichheiten verlangt.

Die Situation von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt verdeutlicht, dass ein Handlungsbedarf besteht, diese in vielen Lebensbereichen noch immer benachteiligte Gruppe von Menschen ins allgemeine Bewusstsein zu rufen. Doch das Dilemma zwischen sozialer Verantwortung und wirtschaftlichen Gegebenheiten zeigt sich ganz besonders bei diesem Bevölkerungssegment. Die IV, deren Grundsatz 'Eingliederung vor Rente' lautet, bemüht sich offensichtlich, Behinderte beruflich einzugliedern. Doch in der heutigen Zeit, wo nur Stellenabbau und nicht soziale Maßnahmen in Betrieben den Shareholder Value in die Höhe treiben, stehen die Chancen für nicht der Norm entsprechende ArbeitnehmerInnen noch schlechter. Zugleich 'produziert' die gegenwärtig vorherrschende wirtschaftliche Haltung zunehmend neue IV-Fälle. Dabei handelt es sich um Personen, die aufgrund ihrer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit ausgemustert werden oder um solche, die ihre Arbeitslosigkeit nicht verkraftet haben und von körperlichen und psychischen Beschwerden ergriffen werden.

Die Frage, ob die neuen Technologien, die in die Arbeitswelt Einzug hielten, mehr Arbeitsplätze für Behinderte geschaffen haben, kann im quantitativen Sinne so nicht beantwortet werden. Je nach Sektor und Berufssegment sind die Veränderungen als positiv oder negativ zu bewerten. Die Beschäftigung von Behinderten in der Industrie wird immer schwieriger, da durch neue Technologien und Arbeitskonzepte Arbeitsplätze mit sich wiederholenden, einfachen Handgriffen zusehends wegfallen. Die Chance für behinderte Arbeitnehmer mit entsprechender Ausbildung, Interesse und Fähigkeiten besteht vor allem im Dienstleistungs- beziehungsweise Bürobereich. Hier können viele körperlich Behinderte mit guter Ausbildung durchaus mit Nichtbehinderten konkurrenzieren, vorausgesetzt, der Arbeitsplatz ist auf ihre spezielle Behinderung angepasst. Dasselbe gilt für Telearbeitsplätze, die von der beruflichen Perspektive her als eine Chance für körperlich Beeinträchtigte gesehen werden können.

Trotz der technisch vorhandenen Möglichkeiten bleibt die berufliche Integration für viele körperlich behinderte Personen, die durchaus in den freien Arbeitsmarkt eingliedert werden könnten, ein Wunschtraum. Unsere (schweizerische) Arbeitsgesellschaft ist noch zu wenig für die Hindernisse und Probleme von behinderten Mitmenschen sensibilisiert. Positive Maßnahmen, wie sie auch im Zusammenhang mit der Gleichbehandlung der Geschlechter gefordert werden, könnten im gleichen Zug für behinderte ArbeitnehmerInnen getroffen werden. In dieser Hinsicht ist in der Schweiz noch viel Arbeit zu leisten. Für Anregungen und Wege der Verwirklichung lohnt sich auch jeweils ein Blick über die Landesgrenze.



Abrufdatum: 24. Oktober 2003


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Soziologisches Institut der Universität Zürich
Andreasstraße 15
CH-8050 Zürich
SCHWEIZ
Homepage: http://socio.ch

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA1112


Informationsstand: 24.10.2003

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