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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wie hast du's mit der Arbeitsfähigkeit? Fähigkeitserleben und Arbeitsplatzprobleme bei Patienten mit psychischen Erkrankungen


Autor/in:

Muschalla, Beate


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 2020, 68. Jahrgang (Heft 2), Seite 120-130, Stuttgart: Thieme, ISSN: 1661-4747 (pirnt); 1664-2929 (online)


Jahr:

2020



Abstract:


Ziel:

Chronische psychische Erkrankungen zeigen sich nicht nur in Krankheitssymptomen, sondern auch Krankheitsfolgen, das heißt krankheitsbedingten Fähigkeitsbeeinträchtigungen und dadurch hervorgerufenen Teilhabeproblemen, wie beispielsweise Arbeitsunfähigkeit. Dies entspricht einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis (ICF; WHO, 2001). Für die differenzierte Beschreibung von Fähigkeitsbeeinträchtigungen werden eigene Messinstrumente benötigt. Ein Beispiel ist das Mini-ICF-APP (Linden et al., 2009, 2015), das sich als Fremdratinginstrument in der sozialmedizinischen Begutachtung bei psychischen Erkrankungen als ein Standard etabliert hat.

Methodik:

Parallel zum Fremdrating wurde das Mini-ICF-APP-S als Selbstratingfragebogen entwickelt, das 13 psychische Fähigkeiten ('Soft Skills') erfasst. Im vorliegenden Beitrag werden Daten aus einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik (N = 1134 Patient_innen) berichtet. Patient_innen ohne Arbeitsplatz, Patient_innen mit Arbeitsplatz und Problemen, und Patient_innen mit Arbeitsplatz ohne Probleme werden hinsichtlich ihrer selbsterlebten Fähigkeitsprofile verglichen.

Ergebnisse:

Patient_innen ohne Arbeitsplatz haben die ausgeprägtesten sozialmedizinischen Problemlagen, gefolgt von Patient_innen mit Arbeitsplatzproblemen. Je ausgeprägter das Arbeitsplatzproblem, desto schwächer schätzen sich Patient_innen in ihren Fähigkeiten ein. Patient_innen ohne Arbeitsproblem hatten teilweise bessere Ergebnisse in kognitiven Leistungsproben als Patient_innen mit Arbeitsproblem oder ohne Arbeitsplatz. Alle drei Patient_innengruppen hatten im vergleichbaren Umfang psychotherapeutische Vorbehandlungen. Im Fähigkeitsprofil waren Proaktivität, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit und Flexibilität am häufigsten problematisch. Dyadische Beziehungen oder die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen wurden von den Patient_innen selten als problematisch erlebt.

Diskussion:

Die Unterschiede in den Fähigkeitsausprägungen zeigen, dass Patient_innen ihr eigenes Fähigkeitsprofil differenziert beschreiben können. Schlussfolgerung: Das Mini-ICF-APP-S ist ökonomisch einsetzbar und kann in Diagnostik, Therapieplanung und auch ergänzend in der sozialmedizinischen Beurteilung Verwendung finden. Mittels diagnostisch-therapeutischer Gespräche über 'Fähigkeiten' ist es möglich, gleichzeitig niederschwellig, aber auch verhaltensnah, konkret und ressourcenorientiert mit Patient_innen zur Thematik Arbeitsfähigkeit ins Gespräch zu kommen.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Wie hast du's mit der Arbeitsfähigkeit? Fähigkeitserleben und Arbeitsplatzprobleme bei Patienten mit psychischen Erkrankungen


Abstract:


Aim:
Chronic mental disorders are not only present with symptoms, but also negative consequences on activities / capacities and life participation. This is especially relevant in the context of work. Diagnosis and treatment of mental disorders, which are often long-term disorders, must therefore be based on a bio-psycho-social understanding of illness according to the ICF (WHO, 2001). Differentiated description of capacities needs specific measurements. An established instrument for the description of 13 psychomental capacities, which is often used for work ability description and judgement, is the Mini-ICF-APP (Linden et al., 2009, 2015).

Method:
In parallel to the Mini-ICF-APP, a self-rating version has been developed, the Mini-ICF-APP-S. This article reports data from 1134 patients with chronic mental disorders. Patients with workplace problems, patients without workplace problems and patients without workplace are compared concerning their self-reported capacity profiles.

Results:
Patients without workplace and patients with workplace problems have the most serious social-medical problems. The stronger the workplace problem, the lower do the patients report their capacities. Patients without workplace problem had partly better results in a cognitive ability test as compared to patients with workplace problem or without workplace. All three patient groups were with similar frequencies in a psychotherapeutic treatment. In their capacity profiles, the most often impaired capacities were proactivity, endurance, assertiveness, and flexibility. Dyadic relationships of capacity to adjust to rules or routines were seldomly perceived as impaired.

Discussion:
The variance of rating in the capacity profiles shows that patients described their capacity profiles differentiatedly (rather than giving the same scoring in several dimensions). Conclusion: The Mini-ICF-APP can be used economically in diagnostics, therapy planning and social-medicine decision making (work ability decisions). By focusing on "capacities” (instead of symptoms), clinicians and occupational physicians may introduce the topic work ability to their patients. Speaking about capacities offers a concrete, behavior-oriented, and potentially resource-oriented view on work-related health problems and findings solutions.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie
Homepage: https://econtent.hogrefe.com/loi/ppp

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA1317


Informationsstand: 22.06.2020

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