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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Krankheiten vermeiden - bevor es zu spät ist ...


Autor/in:

Thimmel, Rainer


Herausgeber/in:

Arbeitskammer des Saarlandes


Quelle:

Arbeitnehmer, 2004, 52. Jahrgang (Heft 7), Saarbrücken: Eigenverlag, ISSN: 0334-8223


Jahr:

2004



Abstract:


Prävention zielt darauf ab, eine Arbeitsunfähigkeit in den Griff zu bekommen, einer erneuten vorzubeugen, drohende Behinderungen abzuwenden und damit Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitsplätze zu sichern. Das Sozialgesetzbuch sieht eine Palette von Möglichkeiten vor.

Prävention ist in aller Munde. Die verschiedenen Sozialversicherungszweige weisen eigene Präventionsregelungen auf, so für die Bereiche der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung. Beide Versicherungszweige haben in den letzten Jahren für den betrieblichen Bereich eine präventive Aufgabenerweiterung erfahren. Und nun steht auch noch ein Präventionsgesetz auf der Tagesordnung der Gesundheitspolitiker.

Aber was heißt eigentlich Prävention?
Prävention ist Vermeidung von Krankheiten im Sinne von Vorbeugen statt Heilen. Daher ist es gerechtfertigt, wenn auch das SGB IX, also das Schwerbehindertenrecht, einen Präventionsparagrafen enthält. Denn es ist sozial und ökonomisch sinnvoller, möglichst frühzeitig zu handeln und es somit gar nicht erst zu einer Behinderung beziehungsweise Schwerbehinderung kommen zu lassen. Das Neue am Gesetz ist: Es geht nicht nur um bereits von Behinderung beziehungsweise Schwerbehinderung Betroffene und darum, wie personen-, verhaltens- oder betriebsbedingten Kündigungen dieser Gruppe vorgebeugt werden kann. Der Präventionsparagraf 84 richtet sich im Absatz 2 gezielt an alle Beschäftigten, die von einer chronischen Erkrankung und damit potenziell von einer (krankheitsbedingten) Behinderung bedroht sind.

Als Indikator für eine frühzeitige Intervention wurde in der Neufassung des Gesetzes eine Krankheitsdauer von mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit (43 AU-Tage) im Jahr festgelegt, also ein Zeitpunkt, ab dem in aller Regel die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers nicht mehr 'greift'. Interventionen bedürfen allerdings der Zustimmung der Betroffenen.

Um zu verhindern, dass Krankheiten chronisch werden, wird ein betriebliches Eingliederungsmanagement im Sinne einer Fallsteuerung in Gang gesetzt. Durch ein gemeinsames Hilfsangebot von betrieblichen und gegebenenfalls überbetrieblichen 'Gesundheitsakteuren' soll der Gesundheitsstatus der Betroffenen verbessert werden, um eine Rückkehr ins geregelte, das heißt ein Arbeitsleben ohne oder mit verminderten Fehlzeiten zu sichern!

Das betriebliche Eingliederungsmanagement beginnt mit der Einschaltung des Betriebs- beziehungsweise Personalrats, beziehungsweise bei schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen auch der Schwerbehindertenvertretung. Es verbindet damit Maßnahmen der Integration mit (medizinischen und beruflichen) Rehabilitations- und Primärpräventionsmaßnahmen (Gesundheitsförderung) im Sinne des Erhalts einer gesunden Beschäftigungsfähigkeit über das gesamte Arbeitsleben hinweg. Neben Reha-Servicestelle und Integrationsamt sind u.a. auch der Betriebs- beziehungsweise Werksarzt angesprochen oder auch die betriebliche Sozialberatung. Inzwischen werden sogar Fortbildungen zu neuen Berufsbildern wie Gesundheits-, Reha- oder auf neudeutsch Disability-Manager angeboten, die hier das Fallmanagement nach dem Vorbild anderer Bereiche (zum Beispiel Fallmanagement der Krankenkassen im Rahmen der integrierten gesundheitlichen Versorgung) übernehmen sollen, um Betroffene durch das Dickicht der notwendigen Gesundheitsleistungen und -anbieter zu lotsen und entsprechende Hilfen zu ermöglichen.

Rehabilitation gewinnt an Bedeutung
Das betriebliche Eingliederungsmanagement wird den Betrieben zusätzlich über einen möglichen Bonus der Rehaträger (Beispiel Berufsgenossenschaften) beziehungsweise Integrationsämter schmackhaft gemacht. So ist betriebliche Gesundheitsförderung 'quasi durch die Hintertür' auch über das Schwerbehindertenrecht möglich geworden. Betriebe und Dienststellen können damit inzwischen eine breite Palette von Fördermöglichkeiten nutzen, um ein effektives und - durch die Einbeziehung des Schwerbehindertenrechts - ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement aufzubauen und damit in puncto Gesundheit und langfristige Beschäftigungs- und Betriebssicherung einen Schritt nach vorne zu machen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 167 SGB IX Prävention/Betriebliches Eingliederungsmanagement




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


arbeitnehmer - Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes
Homepage: https://www.arbeitskammer.de/publikationen/zeitschrift-arbei...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2328


Informationsstand: 22.07.2019

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