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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

ViSiCAST: Übersetzung in und Generierung von virtueller Gebärdensprache im Fernsehen und Internet


Autor/in:

Schulmeister, Rolf


Herausgeber/in:

Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF)


Quelle:

FIfF-Kommunikation, 2000, 13. Jahrgang (Heft 2), Bremen: Eigenverlag


Jahr:

2000



Abstract:


Ziel des Projekts ViSiCAST (Virtual Signing, Capture, Animation, Storage and Transmission) ist die Entwicklung realistisch aussehender virtueller Menschen (Avatare), die aus gesprochener Sprache oder aus Texten Gebärdensprache generieren und auf dem Fernseh- oder Computer-Bildschirm darstellen sollen. Mit dieser Zielsetzung soll ein Beitrag zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Gehörlosen und Hörenden und der Teilhabe Gehörloser am sozialen und politischen Geschehen der Gesellschaft geleistet werden.

Diese Thematik soll aus verschiedenen Gründen als Projekt aufgegriffen werden. Zum einen ist die kommunikative Situation der Gehörlosen ausschlaggebend. Wenn Gehörlose mit der Gebärdensprache kommunizieren, so sind sie nicht behindert, da sie nur mit der Laut- und Schriftsprache der Hörenden Schwierigkeiten haben. Der Grund dafür ist die fehlende auditive Rückmeldung, die einen natürliche Weg zu einer besseren Beherrschung der Sprache verhindert. Die Laut- und Schriftsprache wird somit als unnatürliche Kunstsprache gelernt.

Im Vergleich dazu ist die Gebärdensprache ein lebendiges Kommunikationsmittel, das über alle linguistischen Repertoires einer natürlichen Sprache verfügt. In der Interaktion mit der hörenden Welt können die Gehörlosen nur dann voll partizipieren, wenn sie sich auf eine Übersetzung durch Dolmetscher verlassen können.

Ein weiterer Grund, der für das Projekt spricht, ist die gesellschaftspolitische Behinderung der Gehörlosen in der Informationsgesellschaft. Nachrichten und andere Informationssendungen in Radio und Fernsehen, aber auch in Zeitungen und Zeitschriften ermöglichen Gehörlosen keine echte Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Geschehen.

Das Fernsehen, insbesondere die öffentlich-rechtlichen Anstalten, haben sich lange gegen eine Übersetzung in Gebärdensprache gesperrt und stattdessen auf ihre Anstrengungen bei der Untertitelung von Sendungen verwiesen, die jedoch aus den genannten Gründen für Gehörlose wenig geeignet sind.

In Großbritannien hat das Parlament die terrestrischen Fernsehanstalten aufgefordert, den Prozentsatz der Dolmetschereinblendungen zu erhöhen. Dies schien auf wenig Gegenliebe zu stoßen, da die Übertragung der Einblendung zu einer Erhöhung der zu übertragenden Datenmenge führt, die ansonsten profitabel verkauft werden kann. Aufgrund dessen ist es wichtig, nach einer Lösung zu suchen, die weniger Übertragungskapazität beansprucht.In ähnlicher Weise errichtet die aktuelle Entwicklungsstufe des Internet eine zusätzliche Barriere, da es zur Zeit überwiegend textbasiert ist.

Das Bildtelefon erlaubt heute eine annehmbare Verständigung in Gebärdensprache zu einem vernünftigen Preis, ist aber leider nicht geeignet für die Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen. Zu diesem Problem soll das Projekt einen Beitrag leisten, indem die Übersetzung zwischen Lautsprache und Gebärdensprache entwickelt wird.

ViSiCAST will eine Übertragung der Daten für die Gebärdensprache in niedriger Bandbreite ermöglichen und eine Settop-Box entwickeln, die es dem Empfänger ermöglicht, einen Avatar zum Fernsehbild zuzuschalten, der beispielsweise die Untertitel in Gebärdensprache darstellt. Ebenso soll ein Plug-In entwickelt werden, der es dem Computer-Nutzer ermöglicht, einen Avatar aufzurufen, der den ausgewählten Text in Gebärdensprache übersetzt und auf dem Bildschirm darstellt.

Das Ziel von ViSiCAST ist es nicht, die Leistungen menschlicher Dolmetscher zu substituieren, sondern Übersetzungsleistungen dort und dann zur Verfügung zu stellen, wo sie unabhängig von Ort und Zeit benötigt werden und deshalb nicht von menschlichen Dolmetschern erbracht werden können.

ViSiCAST verfügt bereits über hochaufgelöste mittels dreidimensionaler Scannertechnik gewonnene menschliche Avatare, die in Echtzeit Gebärden aus einer Datenbank generieren können. Das System ist in der Lage, Gesichtsausdrücke optisch zu erkennen, Körperposition und Körperhaltung mittels eines Datenanzugs zu ermitteln und über Datenhandschuhe Hand- und Fingerstellungen detailliert zu erfassen.

Es wurden drei Anwendungsbereiche als Prüfsteine für die zu entwickelnde Technologie ausgewählt. Die Übersetzung von Untertiteln oder anderem Begleittext im Fernsehen, die Übersetzung von Texten im Internet sowie die Übersetzung von Transaktionen am Schalter der Post. Dort ist eine wesentliche Erweiterung des Systems geplant, denn die Äußerungen des gehörlosen Kunden sollen durch eine Kamera erkannt werden, so dass auch die reziproke Richtung der Face-to-Face-Transaktion abgedeckt werden kann.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF)
Homepage: https://www.fiff.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2369


Informationsstand: 13.01.2005

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