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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Kindergarten, Schule, Beruf: Die Situation in einer Stichprobe von Menschen mit autistischen Störungen


Autor/in:

Bölte, Sven; Wörner, Sarah; Poustka, Fritz


Herausgeber/in:

Barsch, Sebastian; Bendokat, Tim; Brück, Markus


Quelle:

Heilpädagogik online, 2005, Stand: 31.12.2004, 4. Jahrgang (Heft 1), Seite 70-83, Köln, Dortmund, Brühl: Eigenverlag, Online-Ressource, ISSN: 1610-613X


Jahr:

2005



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Abstract:


Autistische Störungen sind persistierende Verhaltensprobleme, die insbesondere durch schwerwiegende Defizite der sozialen Interaktion und reziproken Kommunikation charakterisiert sind. Adäquate vorschulische Förderung, Beschulung, Ausbildung und berufliche Tätigkeit stellen zentrale Komponenten beim Versuch der Integration der Betroffenen dar.

Die vorliegende deskriptive Studie untersuchte die Platzierung von N = 342 Menschen mit frühkindlichem Autismus, atypischem Autismus oder Asperger-Syndrom in Kindergärten, Schulen und auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland. Zwei Probanden der Gesamtstichprobe wurden in einer autismusspezifischen Einrichtung gefördert. Die Mehrheit der geistig behinderten autistischen Personen wurde in Sonderkindergärten, Sonderschulen verschiedenen Typs und in Werkstätten betreut. Normal begabte Betroffene besuchten häufiger integrative oder Regelkindergärten und Regelschulen; circa 1/5 von ihnen hatten im Erwachsenenalter eine Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt.

Einleitung:

Autismus ist eine tiefgreifende, im Säuglings- oder Kleinkindalter beginnende Entwicklungsstörung der sozialen Interaktion und reziproken Kommunikation, die mit stereotypen, eingeschränkten Aktivitäten und Interessen einhergeht (ICD-10, F84.0). Die Prävalenz der Erkrankung wird auf etwa 0.2 Prozent und die Häufigkeit aller tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (autistisches Spektrum) auf insgesamt circa 0.6 Prozent geschätzt, wobei etwa 30 Prozent bis 50 Prozent der Menschen mit einem Vollbild des Autismus zusätzlich Intelligenzminderung aufweisen und Jungen etwa 3- bis 4-mal so häufig betroffen sind wie Mädchen (CHARMAN 2002). Die genaue Ätiologie des Syndroms ist noch unklar.

Vielfältige Zwillings- und Familienuntersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die Ursachen in den meisten Fällen komplexer genetischer Natur sind (BÖLTE & POUSTKA 2003) und Sekundärprozesse nach sich ziehen, die über neurologische und neuropsychologische Dysfunktionen (BÖLTE, FEINEIS-MATTHEWS & POUSTKA 2001) zum klinischen Phänotyp führen. Autismus ist ein qualitativ persistierender Zustand (HOWLIN & GOODE 1998); eine vollständige Heilung ist bis heute nicht möglich. Vor allem autistische Menschen mit profunder geistiger Behinderung und massiven Beeinträchtigungen der Sprachentwicklung haben eine schlechte Prognose (GILLBERG & STEFFENBURG 1987). Allerdings können bei früh einsetzender, intensiver individueller Therapie und Förderung im Einzelfall durchaus erhebliche quantitative Verbesserungen des adaptiven Verhaltens, der Symptomatik und Lebensqualität des Betroffenen erreicht werden (BÖLTE & POUSTKA 2002a). Im Rahmen einer ganzheitlichen Intervention stellt die Realisierung adäquater vorschulischer Erziehung, anschließender Beschulung und Ausbildung und schließlich Beschäftigung im Erwachsenenalter eine entscheidende Komponente dar.

Pädagogische Förderung und berufliche Integration autistischer Menschen
Es ist unumstritten, dass Menschen mit autistischer Störung zumeist einer besonderen Form der Erziehung und des Unterrichts bedürfen. Es ist zudem Konsens, dass diese besondere Art des Umgangs die Rücksichtnahme auf die charakteristischen sozialen, kommunikativen und anderweitigen Verhaltensprobleme sowie ein hohes Maß an Individualisierung der Förderung implizieren sollte. Nicht zuletzt herrscht Übereinstimmung darüber, dass eine intensive Beobachtung und Betreuung der betroffenen Person im Fördermilieu und eine klare Strukturierung der Lern- und Lebenswelt für eine erfolgreiche Arbeit mit autistischen Menschen vonnöten sind. All diese Überzeugungen finden sich auch in den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus vom 16. Juni 2000 (SCHAAR 2000).

Etwas weniger Übereinstimmung besteht darüber, wie Kinder und Jugendliche mit Autismus letztlich genau gefördert werden sollen. Es stellt sich unter anderem die Frage nach den konkreten Lerninhalten sowie danach, ob integrativ oder in speziellen Einrichtungen gefördert werden soll (BURACK, ROOT & ZIGLER 1997). Letztere Diskussion ist unter anderem eng damit verknüpft, dass es sich beim Autismus um ein sehr heterogenes Störungsbild mit vielfältiger Komorbidität handelt und entsprechend die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Betroffenen immens variieren. In Deutschland kommt hinzu, dass abgesehen von einigen umschriebenen Bemühungen (zum Beispiel ROGALSKI, SCHWEPPE & STEINIG 2000) keine Sonderkindergärten oder -schulen für autistische Menschen existieren und es darüber hinaus keineswegs gewährleistet ist, dass Kindergärten und Schulen verschiedenen Typs stets bereit sind, autistische Menschen aufzunehmen.

Die Notwendigkeit einer den Fähigkeiten entsprechenden Berufsausbildung und Beschäftigung autistischer Menschen auf dem freien Arbeitsmarkt nach der Schulzeit wird zunehmend erkannt, wie sich beispielsweise an verschiedenen Modellprojekten festmachen lässt (zum Beispiel www.m-aut.de). Oft wird in Deutschland für Menschen mit autistischer Störung eine Beschäftigung in beschützenden Institutionen, beispielsweise Werkstätten für Behinderte anvisiert.

Zum konkreten Stand der vorschulischen Betreuung, Beschulung und beruflichen Integration autistischer Menschen in der Bundesrepublik liegen Angaben einiger explorativer Arbeiten vor (zum Beispiel LEPPERT 1999, FINCK & OHDER 2000). Folgt man diesen Berichten, besuchen zwischen 15 Prozent bis 35 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Autismus Regelschulen, während zwischen 30 Prozent und 60 Prozent in Schulen für geistig Behinderte und weitere 10 Prozent bis 25 Prozent anderen Sonderschulen unterrichtet werden.

Im Erwachsenenalter sind gemäß dieser Angaben etwa 15 Prozent der Betroffenen auf dem freien Arbeitsmarkt und circa 40 Prozent in Werkstätten beschäftigt. Im Vergleich dazu lag der Bundesdurchschnitt für in Sonderschulen oder integrativ unterrichtete Kinder in den letzten Jahren bei schätzungsweise 5 Prozent und die allgemeine Erwerbsquote der 15- bis unter 65-Jährigen bei circa 73 Prozent (www. destatis.de; Bildung & Kultur, Mikrozensus). Internationale Erhebungen legen für Menschen mit Autismus auch für andere europäische Länder und Nordamerika eine ähnliche Situation wie in Deutschland nahe.

Bei zehn zwischen 1980 und 1995 in verschiedenen Staaten (USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Schweden) durchgeführten Follow-up Studien variierte zum Beispiel der Prozentsatz der im Erwachsenenalter Beschäftigten zwischen 5 und 47 Prozent (Median: 22.5 Prozent) (HOWLIN & GOODE 1998). Die höchsten Beschäftigungsraten zeigten sich in neueren Erhebungen und in Stichproben mit geringem Anteil an Probanden mit geistiger Behinderung.

Ziel der Erhebung war die detaillierte Erfassung der pädagogischen Versorgung und beruflichen Tätigkeit autistischer Menschen in einer großen und im gesamten Bundesgebiet rekrutierten Stichprobe. Sie unterscheidet sich von früheren Erhebungen in Deutschland vor allem durch die über alle Probanden hinweg zuverlässige standardisierte Diagnostik.

Methode:

Insgesamt gingen in diese Arbeit die Daten von N = 342 Probanden ein. Die Teilnehmer waren zwischen 1994 und 2002 in der ambulanten, teilstationären und stationären klinischen Routine oder im Rahmen der International Molecular Genetic Study of Autism Consortium (www.well. ox.ac.uk/~maestrin/iat.html) in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der J.W.Goethe-Universität Frankfurt/M. untersucht worden. 315 Probanden erfüllten die ICD-10 Forschungskriterien für frühkindlichen Autismus (F84.0), 22 für atypischen Autismus (F84.1) oder nicht näher bezeichnete tiefgreifende Entwicklungsstörung (F84.9) und fünf für Asperger-Syndrom (F84.5).

In allen Fällen wurde die klinische Diagnose anhand des Autismus Diagnostischen Interviews in Revision (ADI-R) (RÜHL, SCHMÖTZER, THIES & POUSTKA 1995) sowie der Beobachtungsskala für Autistische Störungen (RÜHL, BÖLTE, FEINEIS-MATTHEWS & POUSTKA 2003) abgesichert. Die Stichprobe bestand aus 81 weiblichen und 261 männlichen Probanden, deren Alter zwischen 3 und 49 Jahren bei einem Mittelwert von 13.5 (SD = 8.3) lag. Die Schätzung der intellektuellen Fähigkeiten erfolgte in 115 Fällen anhand des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Kinder beziehungsweise Erwachsene (HAWIK-R, HAWIK-III, HAWIE-R) oder der Kaufman-Assessment-Battery for Children (K-ABC) und in 101 Fällen anhand der Raven-Matrizen (CPM, SPM) oder der Columbia Mental Maturity Scale (CMM).

Bei den restlichen Probanden wurde eine grobe, vorläufige Schätzung der Intelligenz aufgrund des adaptiven Verhaltensniveaus anhand der Vineland Adaptive Behavior Scale (VABS) vorgenommen (BÖLTE & POUSTKA 2002b). Demnach wiesen 195 Probanden (57 Prozent) eine geistige Behinderung (IQ<70) auf, 147 (43 Prozent) hatten einen IQ>=70. Die Erhebung der Daten zur vorschulischen und schulischen Situation der Probanden beziehungsweise zu deren Berufsausbildung und beruflichen Tätigkeit erfolgte in Form einer mündlichen Befragung der Eltern im Rahmen der Durchführung des ADI-R (Item 'Schulbildung'). Die hier vorgestellten Daten beziehen sich auf die (vor-)schulische respektive berufliche Situation der Probanden zum Zeitpunkt deren Untersuchung.

Ergebnisse:

Die Ergebnisse der Erhebung sind in den Tabellen 1 bis 3, gegliedert nach drei Altersklassen (<=7, 7 bis 16; 11, >=17 Jahre) und Intelligenzniveau (IQ<70, IQ>=70), dargestellt. Tabelle 1 ist zu entnehmen, dass in der untersuchten Stichprobe die Mehrheit (55 Prozent) der bis 7-jährigen geistig behinderten Kinder mit einer Störung aus dem autistischen Spektrum einen Sonderkindergarten oder bereits eine Sonderschule besuchte. Normal begabte autistische Kinder wurden häufiger (51 Prozent) integrativ oder in einem Regelkindergarten betreut.

Tabelle 1. Pädagogische Förderung von 76 Probanden mit einer Störung aus dem autistischen Spektrum im Alter bis 7 Jahre.
Tabelle 2. Beschulung von 179 Probanden mit einer Störung aus dem autistischen Spektrum im Alter zwischen 7 und 16;11 Jahren.

(Anm.: Die Tabellen können an dieser Stelle nicht wie im Original wiedergegeben werden)

Tabelle 2 zeigt, dass ein Großteil der autistischen Kinder und Jugendlichen (7 bis 16;11 Jahre) in verschiedenen Sonderschultypen unterrichtet wurden: 42 Prozent der Betroffenen ohne Intelligenzminderung und 82 Prozent der geistig behinderten. 42 Prozent der normal begabten und 10 Prozent der geistig retardierten Probanden besuchten Regelschulen. 6 Prozent aller Probanden besuchten keine Schule oder andere Einrichtung. Je ein Proband mit und ohne Intelligenzminderung wurde in einer Spezialklasse für autistische Menschen beschult.

In der Altersgruppe der über 17-Jährigen ergab sich, dass 53 Prozent der geistig behinderten Probanden in Werkstätten beschäftigt waren, 4 Prozent befanden sich in einer Berufsausbildung oder auf einer Berufsschule. Die meisten anderen Probanden dieser Gruppe besuchten noch eine Sonderschule. In der Subgruppe der normal begabten Probanden hatten 19 Prozent eine Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt als kaufmännische Angestellte, Versandhelfer, Hauswirtschafter oder Bauarbeiter, während 14 Prozent in Werkstätten tätig waren. 8 Prozent waren arbeitslos gemeldet. 14 Prozent waren noch im Gymnasium oder hatten ein Studium begonnen. Der verbleibende Anteil war in seinen Tätigkeiten heterogen. Unter anderem besuchten drei Probanden (9 Prozent) Sonderschulen, und zwei (6 Prozent) waren durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beschäftigt.

Tabelle 3. Beschulung, Ausbildung und Beschäftigung von 87 Probanden mit einer Störung aus dem autistischen Spektrum (>=17 Jahre).

(Anm.: Die Tabelle kann an dieser Stelle nicht originalgetreu wiedergegeben werden)

Diskussion:

Ziel dieser Arbeit war es, eine Einschätzung der vorschulischen und schulischen Förderung und beruflichen Integration von Menschen mit einer Störung aus dem autistischen Spektrum - insbesondere frühkindlichem Autismus - in Deutschland zu gewinnen. Methodologisch ist zunächst anzumerken, dass es sich bei der hier untersuchten Stichprobe um eine anfallende, selektive, nicht repräsentative Gruppe von Probanden handelt und Generalisierungen a priori unzulässig sind. Ferner wurden Personeninformationen im Zeitraum zwischen 1994 und 2002 erhoben und sind daher weder vollständig vergleichbar noch gänzlich aktuell. Andererseits handelt es sich bei der vorliegenden Studie jedoch um eine vergleichsweise große Stichprobe, die im gesamten Bundesgebiet rekrutiert wurde und deren Eigenschaften (beispielsweise IQ- und Geschlechtsverteilung) mit Prävalenzstudien ausreichend konsistent sind. Darüber hinaus wurden die Probanden von erfahrenen Klinikern mittels der derzeit als goldener Standard betrachteten psychiatrischen Skalen diagnostiziert.

Insgesamt stimmen unsere Ergebnisse mit denen anderer Berichte (beispielsweise LEPPERT, 1999; FINCK & OHDER 2000) überein, wonach vermutlich in vielen pädagogischen Bereichen weiterhin ein deutlicher Bedarf an Verbesserung der (vor-) schulischen Situation und Beschäftigungslage von autistischen Menschen besteht. Letzteres wird u.a. dadurch indiziert, dass im schulpädagogischen Bereich nur ein geringer Anteil der Gesamtstichprobe (zwei Probanden) in einer autismusspezifischen Klasse gefördert wurde. Ein Großteil der geistig behinderten autistischen Kinder und Jugendlichen wurde in Sonderschultypen unterrichtet, deren Zielsetzung im Wesentlichen darin besteht, eine Klientel mit anderem Problemschwerpunkt zu fördern.

Abgesehen von diesem Ergebnis legt unsere Untersuchung nahe, dass die Integration autistischer Menschen in Kindergärten, Schulen und das Berufsleben bei Betroffenen mit intellektuellen Fähigkeiten im Normbereich fortgeschrittener ist als bei geistig behinderten. Über 40 Prozent der normal begabten Probanden zwischen 7 und 17 Jahren wurden in Regelschulen unterrichtet. Ferner gingen etwa 1/5 der normal begabten autistischen Menschen im Erwachsenenalter einer Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nach, jedoch keiner der intelligenzgeminderten, die mehrheitlich in Werkstätten beschäftigt waren.

Trotz der insgesamt optimistischeren Zahlen für normal begabte Menschen mit Autismus und vergleichbaren Problemen sollten sich vor allem für diese Gruppe auch mittelfristig noch erheblich bessere Bedingungen erreichen lassen. Vermehrt in Anspruch genommen werden kann beispielsweise der Anspruch (§ 40 I3 BSHG und § 12 Eingliederungshilfe-VO) auf eine Eingliederungshilfe und die Beantragung eines Nachteilsausgleichs in der Schule (§ 48 SchwbG) (beispielsweise andere Pausenregelungen, verlängerte Zeit bei Klassenarbeiten) , wenn dadurch im jeweiligen Einzelfall die Stigmatisierung nicht in den Vordergrund tritt. Beim Übergang von der Schule in die Ausbildung und Beschäftigung sollte verstärkt das Case-Management und Job-Trainer-Modell zur Anwendung kommen (DALFERTH 1998).

Der Case-Manager ist ein Integrationsberater, der die Stärken und Schwächen einer Person eruiert und ihre Bedürfnisse kennt, dem Betroffenen langfristig als Quelle von Rat und Hilfe dient und fortwährend zwischen der Person, seiner Familie, Behörden, sozialen Diensten, Einrichtungen und dem (potenziellen) Arbeitgeber vermittelt und koordiniert. Ist eine Arbeit auf dem freien Arbeitsmarkt erreicht, kann dann eine Arbeitsbegleitung und -strukturierung durch einen Job-Trainer anschließen.

Finanzierungsmöglichkeiten für einen Arbeitsbegleiter ergeben sich nach § 26, 27 SCHWGAV und SGB VIII, KJHG § 35 ISE. Vor allem für autistische Menschen mit geistiger Behinderung muss zukünftig neben dem Versuch integrativer Maßnahmen auch die Etablierung von spezifischen Klassen, Schulen und Einrichtungen erreicht werden. Dass für Menschen mit Autismus spezifischer sonderpädagogischer Förderbedarf verschiedener Art an unterschiedlichen Lernorten besteht, wurde nicht zuletzt durch die Empfehlungen der KMK erkannt und einer vermehrte Umsetzung dieser ist angezeigt, inklusive einer korrespondierenden sonderpädagogischen Ausbildung für Lehrkräfte.

Legt man die Schätzungen internationaler Studien zugrunde, können in Deutschland bis zu 160.000 Menschen an frühkindlichen Autismus und weitere 320.000 an einer anderen autistischen Störung erkrankt sein. Um zu genaueren Angaben über die schulische und berufliche Situation der Population und der dahingehenden Entwicklungen zu gelangen, wären umfassende und regelmäßige Erhebungen der Kultusministerien und des statistischen Bundesamtes (SBA) wünschenswert, welche nicht nur Personen mit Autismus, sondern nicht zuletzt aus Gründen des Vergleichs die Versorgungssituation der gesamten kinder- und jugendpsychiatrischen Klientel im Auge haben sollten. Nach Auskunft des SBA sind Sondergruppenstatistiken ab dem Jahr 2005 geplant.


Weitere Informationen:


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Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Heilpädagogik online
Homepage: https://sonderpaedagoge.quibbling.de/hpo/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2495


Informationsstand: 17.05.2005

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