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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wertschöpfung durch Wertschätzung


Autor/in:

Rudow, Bernd; Neubauer, Werner; Paeth, Leopold


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Personalwirtschaft, 2006, 33. Jahrgang (Heft 7), Seite 48-51, Neuwied: Luchterhand, ISSN: 0341-4698


Jahr:

2006



Abstract:


Wenn Mitarbeiter durch gesundheitliche Einschränkungen nicht mehr an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren können, ist eine Lösung gefordert, die humane wie auch betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Die Volkswagen AG hat mit Work2Work ein Modell entwickelt, mit dem leistungsgewandelte Mitarbeiter wieder in en Arbeitsalltag integriert werden.

Mitarbeiter mit Leistungseinschränkungen weisen eine ärztlich attestierte irreversible Einschränkung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit auf. Ursachen hierfür können Erkrankungen, das biologische Alter, der altersbedingte Verschleiß oder genetische Faktoren sein. Für viele Unternehmen ist die Beschäftigung oder Wiedereingliederung von Leistungsgewandelten ein Problem, da die Zahl dieser, durch zahlreiche Faktoren begünstigt, in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Am VW-Standort Wolfsburg weisen etwa zehn Prozent der Mitarbeiter Leistungseinschränkungen auf.

Erkennung, Erhaltung und Entwicklung des physischen und psychischen Leistungspotenzials des betroffenen Mitarbeiters sind Voraussetzungen für die Integration in den wertschöpfenden Arbeitsprozess. Im Mittelpunkt steht die Frage was der Mitarbeiter leisten kann, nicht, was er nicht leisten kann. Im Jahre 2001 wurde im Wolfsburger Werk das Personalkonzept Work-2-Work eingerichtet. Dabei sollen leistungsgewandelte Mitarbeiter leidens- und leistungsgerecht, persönlichkeitsförderlich und wertschöpfend eingesetzt werden. Des Weiteren sollen Folgeerkrankungen oder erneute Erkrankungen verhindert werden.

Um in das Programm aufgenommen zu werden, müssen die Betroffenen am Standort Wolfsburg beschäftigt sein, seit mindestens 10 Jahren im Unternehmen tätig sein und eine betriebsärztlich festgestellte Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufweisen. Die Leistungseingeschränkten werden an fünf Tagen pro Wochen jeweils sechs Stunden pro Tag beschäftigt. Den Mitarbeitern stehen zwei Pausen von 45 Minuten und 15 Minuten zu und sie können an Gesundheitsangeboten je nach Symptomatik und Interesse teilnehmen.

Zu den Kernpunkten von Work-2-Work zählen die Sicherung des Arbeitsplatzes, leidensgerechter und wertschöpfender Einsatz, Entgeltsicherung sowie berufliche Förderung. Gerichtet ist das Projekt an den Personenkreis, dem medizinisch eine Einsatzbeschränkung attestiert wurde und für den die Anpassung oder Schaffung eines adäquaten Arbeitsplatzes im Stammbereich einen unzumutbaren betrieblichen Aufwand darstellen würde. Mit Work-2-Work hat VW einen zweiten Arbeitsmarkt geschaffen. Im Werk Wolfsburg werden die Mitarbeiter in den Bereichen Werkstatt- und Industrieservice, Personalserviceagentur und im Logistikzentrum Gleisfeld eingesetzt.

Die Hauptaufgaben der Personalabteilung sind Personalverwaltung, -betreuung und -pflege. Im Rahmen des Projektes hat sich das Zuständigkeitsfeld der HR-Mitarbeiter erweitert. Der Personalbetreuer muss nunmehr als Personalcoach fungieren und problembezogene Beratung und Unterstützung leisten. In der Betriebsvereinbarung wurden die Aufgaben und Schwerpunkte des Projektes festgelegt. Einer der Punkte ist die Entwicklung des Personaleinsatzes besonders unter Gesichtspunkten der Wertschöpfung und Persönlichkeitsförderung. Begleitet wird das Projekt von Arbeitsmedizinern, Arbeits-, Betriebs-, und Organisationspsychologen.

Es wurde eine Reihe von Aufgaben zur Durchführung des Projektes gestellt. So werden neben der medizinischen Attestierung mit Hilfe von Tests geistige Potenziale und Persönlichkeitsmerkmale der Leistungsgewandelten festgestellt. An ausgewählten Arbeitsplätzen wird neben arbeitsmedizinischen und ergonomischen Merkmalen eine psychologische Arbeits- und Anforderungsanalyse durchgeführt. Dann wird die Arbeitstätigkeit leidensgerecht, persönlichkeitsfördernd und wertschöpfend gestaltet. Vorgesetzte werden geschult, um mit den Besonderheiten der Personalführung leistungsgewandelter Mitarbeiter vertraut zu werden. Hierbei soll vor allem ein Basiswissen zu Krankheitsbildern und die Befähigung zum sensiblen Umgang mit Leistungsgewandelten vermittelt werden. Ein weitere Schwerpunkt sind die leistungsgewandelten Mitarbeiter mit psychischen Störungen, deren Anteil bei etwa 25 Prozent liegt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die Probleme zu erkennen und sie richtig zu behandeln. Dennoch ist zu beachten, dass das Projekt keine Psychotherapie leisten kann.

Abschließend ist zu bemerken, dass das Projekt Work-2-Work beispielhaft für die Integration leistungsgewandelter Arbeitnehmer ist.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Praxisbeispiele zu Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Volkswagen AG




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Zeitschrift Personalwirtschaft
Homepage: https://www.personalwirtschaft.de/produkte/die-personalwirts...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA2755


Informationsstand: 21.07.2006

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